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Ernsthaftigkeit

„Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst“ (Schiller, Wallensteins Lager, Prolog).

Eine verworrene Behauptung, wenn man von der Kunst als etwas Leichtsinnigem ausgehen sollte. Sie ist es nicht. Vielmehr ist die Kunst ein Beispiel für Leben, an dem wir uns orientieren sollten. Ihre Heiterkeit entspringt dem Ernst der Tätigkeit. Der Künstler nimmt das Leben in der Regel nicht unter der Überschrift: „Eigenichpflege“ wahr. Ohne wirklich heiter zu sein, haben aber viele Menschen die Neigung, ihr Leben als einen Witz zu begreifen, über den ständig gelacht werden muss. Sie sind „reif für die Insel“, vergnügen sich an der trivialsten Fernsehunterhaltung und verwöhnen sich pausenlos. Es entspringt ihrer Wahlfreiheit, auch wenn sie sich dadurch zum Gespött machen. Nicht zum Gespött der anderen Leute, mit denen sie sich sozial untergehakt haben, sondern zum Gespött ihres eigenen, noch nicht vollendeten Ichs.

Schwer mag dann im Leben wiegen, nicht alles zu haben, schwer das eigene Versagen in Familie und Beruf, schwer vor sich selbst noch jeden Tag zu bestehen. Aber jeder Mensch hat eine Würde, die er zu fassen bekommt, wenn er sich ihrer in allem Ernst bewusst geworden ist. Die Kraft der Ernsthaftigkeit, mit der wir unsere Tätigkeit verrichten, verändert die Wahrnehmung unseres Wesens durch Andere. Die Ernsthaftigkeit, mit der wir uns den Aufgaben stellen, führt dazu, dass wir Anerkennung erfahren und selbst die notwendigen Dinge weiter und geräuschlos erledigen. Darüber können wir uns mit anderen Menschen stets freuen, weil diese damit begonnen haben, uns wegen dieser Haltung zu respektieren und unserer Leistungsbereitschaft zu vertrauen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski