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Philanthropie als Motor der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung

Land auf, Land ab ist davon die Rede, dass der Innovationsstandort Berlin verbessert werden müsse. Eine Verknüpfung der Kreativen mit den „Machern“, die Ideen wirtschaftlich umsetzen können, sei notwendig. Es müssten weitere Ausbildungsstandorte und vor allem solche der wirtschaftsnahen Umsetzung von wissenschaftlichen Erkenntnissen geschaffen werden. Es heißt auch, in Berlin müsste eine neue Industrie entstehen.

Für die wirtschaftliche Entwicklung sei es außerordentlich wichtig, Patente zu erzeugen und für weit gefächerte staatliche und europäische Fördermaßnahmen zu sorgen. Wie das alles geschehen soll und welchen Nutzen unser Gemeinwesen von horrenden Investitionen in immer neue Standorte haben wird, hinterfragt niemand. Das wirkliche Ziel ist derart im Nebel, dass es leicht fällt, sich unterzuhaken und gemeinsam zu beschwören, was im Interesse einer wirtschaftlichen Entwicklung unbedingt von Nutzen sei. Da der Zusammenschluss von Kreativität und wirtschaftlicher Ausbeute so verheißungsvoll klingt, wird in Kauf genommen, dass ein solches Vorhaben völlig übersteuert ist, keiner den Nutzen dieses komplexen Gedankens erklären kann und schließlich überhaupt nicht nach den Protagonisten derartiger Überlegungen gefragt wird.

Die Jugend ist heute auch nicht kreativer, als die Jugend es früher war. Kreativität kann man nicht verordnen. Sie ist vielleicht in ihrer Pluralität gar nicht so wichtig, wie sie bedeutungsschwer in den Worten mancher Politiker anklingt. Die Jugend ist daran interessiert, wie alle Generationen davor auch, sich einigermaßen wirtschaftlich zu entwickeln, ein soziales Netz zu pflegen, ein Familienleben zu gestalten und individuellen Freizeitaktivitäten nachzugehen. Um diesem Lebenszweck gewachsen zu sein, ist die Jugend generell fleißig und betriebsam, lässt mit anderen Worten Industria walten, um sich gemeinschaftlich und auch individuell in diesem Leben behaupten zu können. Das war schon immer so. Unser Leben hat sich aber verändert. Technisch ist es durch die Computerwelt, wirtschaftlich durch Massenproduktion und sozial durch eine sich entwickelnde Bürgergesellschaft bestimmt.

Das ist der Jugend sehr wohl bewusst und deshalb sind sehr viele Jugendliche auch via Internet außerordentlich daran interessiert, das Potenzial philanthropischer Einrichtungen zu ergründen. Eine der ganz großen Möglichkeiten philanthropischer Einrichtungen ist zunächst deren Ungebundenheit und Freiheit von unmittelbarer staatlicher Bevormundung. Der Staat ist für gesellschaftlichen Fortschritt nicht zuständig, sondern seine Bürger, individuell und in der Gemeinschaft. Im philanthropischen Bereich werden eine Fülle von Dienstleistungsformen unterschiedlichster Art entwickelt, auch Werte und Patente geschaffen, die eingesetzt werden können.

Der philanthropische Bereich gewährt Arbeitsplätze, stellt Minikredite, auch Venture Capital zur Verfügung und lässt es vor allem zu, über die Grenzen der Realwirtschaft hinaus multiple Fähigkeiten zu erproben. Die Philanthropie sollte von der Realwirtschaft profitieren, weil Handlungsabläufe verbessert und der Gesamtauftritt effektiver gestaltet werden könnten. Andererseits verfolgt die Philanthropie nicht nur profitwirtschaftliche Gesichtspunkte mit dem Ziel, das Erworbene finanziell zu erhalten und zu mehren, sondern versucht zu vermitteln, dass Geben bereichert, der Einsatz für andere sich auszahlt und die Seinsbestätigung durch Zuwendungen erfolgreich ist. Das erkennen Jugendliche sehr genau und gerade die Verbindung zwischen ideeller Zielsetzung und wirtschaftlicher Betätigungsmöglichkeit erlaubt es Jugendlichen, ihre gesamten vielfältigen Fähigkeiten und Potenziale, also ihre Kreativität, auszuspielen. Sie können grenzenlos spinnen, neue Erfahrungen normativ bändigen und dadurch für wirkliche Innovationen in unserer Gesellschaft sorgen. Wertvoll ist das, was der Mensch als wertvoll erkennt. Wenn der Mensch die Kraft der Philanthropie zu erkennen vermag, steht die Tür weit auf für ganz neue sinnbildende Erfahrungen für alle Generationen, die jungen und die alten Kreativen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Strickliesel

Wir erinnern uns doch sicher alle noch an die Strickliesel, oder? Dieses wunderbare Holzspielzeug mit den am „Kopf“ eingeschlagenen Ösen und innen hohl, damit der Flechtzopf endlos durchquellen kann. Mit den Fingern umspannten wir verschiedene Wollfäden, die abwechselnd übereinandergelegt und mit einer Häkelnadel verbunden wurden. Nenne wir dies also das Stricklieselprinzip, welches mir optisch und gebrauchserfahren als Vorlagen anderer Möglichkeiten des Gebrauchs dienen soll.

Nun also: Wir haben eine Welt und ein gesamtmenschliches Anliegen, dass das Leben auf diesem Planeten nicht enden möge. Um unseren gemeinsamen Lebensstrang immer wieder zu verlängern, benötigen wir nicht einen, sondern mehrere Fäden, die es kunstvoll zu verschlingen gilt, mittels unserer Plattformen, Dienstleister und sonstigen Einrichtungen seien diese weltlicher, kultureller, soziologischer, spiritueller oder naturwissenschaftlicher Natur.

Jeder Faden hat eine Bedeutung. Fällt eine Masche, müssen wir diese wiederaufnehmen und zurückführen in den Verbund mit den anderen. Weder von der Struktur, noch der Farbe, noch der Konsistenz her ist jeder Faden gleich, aber wir sind dank unserer Fähigkeit, alle Unterschiede zu bündeln, in der Lage, selbst Gegensätze so zu verarbeiten, dass der werdende Zopf belastbar ist.

Die Strickliesel ist zweifellos ein Symbol der Gemeinsamkeit und nicht des Trennenden, der Versicherung, dass Vielfältigkeit und sogar Gegensätzlichkeit geeint und in einem Ziel zusammengeführt werden kann, dem gemeinsamen Ergebnis. Das klingt kindlich, das klingt vielleicht sogar bieder und lustig. Es ist aber ernst gemeint. Wir müssen uns zumindest von Zeit zu Zeit des gemeinsamen Ziels versichern und uns auf den Prozess der Gestaltung einlassen.

Dazu sind wir in der Lage. Unsere Gegensätzlichkeit könne dann dabei befruchtend wirken. Wenn wir nicht ständig den Gegner im Auge haben und uns nicht ständig in Nebensächlichkeiten verlieren, nicht blind sind gegenüber den uns bietenden Möglichkeiten, sondern uns beharrlich um Lösungen bemühen, dann schaffen wir das im Kleinen, wie im Großen, in der Familie, in unserem Staat und auf unserem Planeten. Alles fügt sich. Also, ich häkele frohgemut weiter. Wer macht mit?

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Dienstleistung und Auftrag

  • Während die industrielle Fertigung und der Einsatz von menschlicher Arbeitskraft sich mehr und mehr im Verdrängungsprozess befinden, besteht grundsätzlich die Möglichkeit, durch Gestaltungsmaßnahmen im Dienstleistungsbereich dauerhafte Beschäftigung von Menschen sicherzustellen. Während der industrielle Fertigungsprozess durch die Mechanik der Verrichtung weitestgehend definiert und erfasst ist, fehlen für den Dienstleistungsbereich bisher entsprechende klare Definitionen und Abgrenzungen.

Unter Dienstleistung ist eine Tätigkeit zu verstehen, die darauf gerichtet ist, ein nicht nur gegenständlich beschränktes Bedürfnis des Bestellers zu befriedigen. Dienstleistung kann zwar mit dem Warenverkehr gekoppelt sein, ist aber im Kern kein materieller Tauschprozess.

Auch wenn die Dienstleistung in ihrem Wesen weitestgehend bestimmt werden kann, so sind doch die Grenzen der Dienstleistung äußerst vage. Im Kernbereich z. B. erhält der Arzt den Auftrag, ein unbestimmtes Symptom auf seine Relevanz zu untersuchen. Völlig unklar ist dagegen, ob diese Dienstleistung auch ein intensiveres Gespräch zu den Ursachen etwaiger Beschwerden, die Exploration von persönlichen, beruflichen oder familiären Schwierigkeiten und z. B. auch die Zurverfügungstellung von Lesestoff und Getränken im Warte- zimmer mit einschließt. Das gilt für Anwälte und Unternehmensberater in gleicher Weise. Hat der Personal-Fitness-Trainer z. B. auch die Essgewohnheiten seines Kunden mitzuberücksichtigen? Kann von einer Krankenschwester erwartet werden, dass sie für ein Patientengespräch zur Verfügung steht?

Es gibt eine Fülle von ungeklärten Fragen im Dienstleistungsbereich, die damit zusammenhängen, dass bestimmte Postulate und Regeln bisher nicht verlässlich aufgestellt wurden und das es insbesondere an generellen und einzelvertraglichen Abmachungen mangelt.

  • Ein Vertrag kommt zustande durch Angebot und Annahme. Im Dienstleistungsbereich bietet der Dienstleister seine spezifischen Dienste an, z. B. die Schuhe seines Kunden zu putzen. Ein solcher Vertrag kommt in der Regel konkludent zustande. Schriftliches Regelwerk wäre dort nicht sozialadäquat. Bedeutet dies aber auch, dass der Schuhputzer verpflichtet ist, sich in ein Gespräch mit seinem Kunden verwickeln zu lassen? Was gilt für den Taxifahrer, der von seinem Kunden gefragt wird, wo sich welche gastronomische Einrichtung oder dergleichen befindet? Sind diese Auskünfte ebenfalls Gegenstand des Beförderungsvertrages und mit der Zahlung der Taxengebühr abgegolten? Wie verhält es sich mit der Beauftragung eines Anwalts? In der Regel werden keine schriftlichen Verträge geschlossen, sondern der Bereich der Betätigung wird definiert und durch Erteilung einer Vollmacht bekräftigt. Der Anwalt ist Jurist. Seine Aufgabe ist es daher, einen Lebenssachverhalt, der ihm dargeboten wird, so juristisch aufzuarbeiten, dass er z. B. bei Gericht oder in Verhandlungen vermittelbar ist. Zu den Aufgaben eines Juristen kann es dagegen niemals gehören, den Sachverhalt selbst zu ermitteln, technische Grundlagen festzustellen oder gar sich einzumischen, einzubringen in eine fremde Tatsachen- und Gefühlswelt. In einem nicht schriftlich fixierten Dienstleistungsverhältnis wird die Dienstleistung ausgestaltet durch eine bestimmte Erwartungshaltung und eine auch nicht näher beschriebene Bereitschaft, übertragene Aufgaben zu erfüllen. Es ist nicht ausgeschlossen, dass beide Haltungen von Angebot und Nachfrage übereinstimmen, in der Regel tun sie dies aber nicht. So definierte Dienstleistungsverhältnisse beruhen auf ständigem Dissens, der zu Ärger und Verlusten bei Leistung und Gegenleistung führen kann. Daher erscheint es mir erforderlich, die Dienstleistung zu qualifizieren, und zwar auch dort und dann, wenn die Leistung nicht im Einzelnen schriftlich fixiert worden ist.
  • Zum Gegenstand der Dienstleistung gehört zunächst einmal die Kernaufgabe. Insoweit dürfte generell ein hinreichendes Verständnis zwischen Anbietendem und Angebotsempfänger bestehen. Wer in ein Taxi steigt, will befördert werden. Wer sich seine Schuhe putzen lässt will, dass sie blank werden. Wer einen Anwalt aufsucht, erwartet eine sachgerechte juristische Betreuung. Für den Mantelbereich jeder Dienstleistung ist so eine klare Definition nicht zu finden, sondern es wird erforderlich sein, zumindest in bestimmten Kategorien von Dienstleistungsangeboten Regeln aufzustellen, die Empfehlungs- oder Verbindlichkeitscharakter haben und an denen sich Patienten, Rechtssuchende oder auch Passagiere orientieren können.

Dies sollte unserem Verständnis von Handlungen entsprechend, die wir unternehmen, um uns an ihnen weiter auszubilden, mit hohem Einsatz für andere Menschen da zu sein und uns in den unterschiedlichen Fähigkeiten zu ergänzen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Geld statt Leistung – Leistung statt Geld

Freiberuflich tätige Menschen, zum Beispiel Rechtsanwälte, werden oft mit der Frage konfrontiert, warum denn die Rechnung so hoch sei, obwohl man sich mit dem Anliegen des Mandanten so viel Zeit habe gar nicht nehmen müssen. Kurzum: Es wird die Angemessenheit der Vergütung bestritten. Fällt die Vergütung allerdings bei hohem Zeitaufwand geringfügig aus, bleibt der Hinweis auf eine fehlende Vereinbarkeit der Vergütung mit der Leistung aus. Jeder Kunde möchte möglichst wenig bezahlen, aber viel dafür haben.

Das Gefühl der Unangemessenheit stellt sich dann nicht ein, wenn es sich um reine Geldmehrung handelt. Jeder Spekulant, jeder Börsenritter empfindet es als selbstverständlich angemessen, wenn bei einem Börsensprung oder sogar kontinuierlich die angelegten Werte plötzlich über Nacht zwischen 10 und 18 % nach oben klettern. Die Börse, die Bank oder deren Agenten kämen nicht auf die Idee, den Großteil des auszuschüttenden Geldes mit der Bemerkung zurückzugeben, ein derartiger Gewinn sei völlig unangemessen. Mit Sicherheit würde der Kunde einen derartigen Anspruch auch nicht akzeptieren. Er empfindet vielmehr diesen ihm ohne sein geringstes Zutun zugewachsenen Gewinn auf „sein“ Geld als absolut gerechtfertigt. Dass es zwischen Einsatz und Gewinn manchmal nur um Minuten oder Sekunden geht, findet er in keiner Weise verwerflich. Anders verhält es sich mit Leistungen, die kein Geld darstellen, aber eine Gegenleistung erwarten, die üblicherweise in Geld ausgedrückt wird.

Die Leistung des Dienstleisters ist in der Regel nicht auf Sekunden und Minuten beschränkt, die Leistung beruht auf Verantwortung, Ausbildung, berücksichtigt die Kosten für Unterhaltung des Bürobetriebes und des Gewinns. Solche Leistungen sind kalkuliert, ggf. in der Form einer Mischkalkulation, und berücksichtigen unternehmerische Einsätze, die ohne zusätzlichen Gewinn mit erledigt werden müssen. Die Leistung wird gerne genommen, aber das Äquivalent in Geld nicht gerne erbracht. In einer Tauschgesellschaft ging das so, dass demjenigen, der einen Rat erteilte, zunächst ein paar Fische auf den Tisch gelegt wurden. Es ist aber eine Frage der Zweckmäßigkeit, dass der Ratsuchende erst mal diese von ihm im Beispiel vorrätig gehaltenen Fische verkauft und bei der Beratung statt Fischen das entsprechende Geld aushändigt. Wo ist das Problem? Warum fällt es dann schwerer, sich statt von den Fischen vom Geld zu trennen? Der Rat, der erteilt wird, ist wichtig geblieben und bleibt sich auch immer gleich. Die Leistung erbringen zu sollen und dann um das Äquivalent zu kämpfen, ist eine merkwürdige Errungenschaft unserer Waren- und Dienstleistungsgesellschaft. Nicht die Leistung zählt also, sondern nur das Geld. Dabei ist das Geld ohne Leistung nichts wert.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski