Schlagwort-Archive: Diplomatie

Sicherheitsalarm

Wir sind Ohrzeugen eines verbalen Schlagabtausches zwischen dem amerikanischen Präsiden­ten Donald Trump und dem nordkoreanischen Präsidenten und Volksführer Kim Jong Un. Jeder hält den anderen für geisteskrank und will ihn platt machen. Die Völker gleich mit dazu. Das ist der Plan. Werden sie es tun?

Vor kurzem hatte ich Gelegenheit, einem Vortrag des ehemaligen Botschafters und heutigem Vorsitzenden der Münchener Sicherheitskonferenz – Prof. Wolfgang Ischinger – zu folgen. Sein Thema war: „Zerfällt die Weltordnung?“ Er hat dies bejaht und ausgeführt, dass wir in schlimmen Zeiten leben. Dank seiner Kompetenz hat er alle derzeitigen Konfliktlagen beschrieben und die Bedeutung der Sicherheitskonferenz bekräftigt, ein Ort, an dem sich Machthaber unterschiedlichster Herkunft und Absichten treffen und sich über ihre Pläne austauschen können. Trotz des pessimistischen Szenarios sieht er die unausweichliche Notwendigkeit der Diplomatie, die Konflikte anzugehen.

Trotz des unüberhörbaren Moll-Tons im Vortrag von Herrn Prof. Ischinger beruhigten mich seine Ausführungen, denn sie bestätigten, was wir schon längst wissen, und zwar: auf der Ebene zwischenmenschlicher Auseinandersetzungen, ob Staaten, Völker oder Einzelne, es gibt immer wieder Lösungen, weil trotz aller Emotionen die praktische Vernunft in der Lage ist, Ergebnisse mitzusteuern. Es gibt allerdings Bereiche, die bei Sicherheitskonferenzen offenbar nicht mitbedacht werden.

Dies sind die Beurteilungen von Verteilungskämpfen, die sich zum einen aus der Überbevölkerung, zum anderen aus erodierenden Kulturen und zerstörter Natur einschließlich Klima und Ozean herleiten. Diese Bedrohung wird nicht mit bedacht, sondern die kriegerische Auseinandersetzung zwischen Staaten und Völkern in Kauf genommen. Dabei wissen wir, dass die auf uns zukommende Katastrophe unsere Sicherheitsarchitektur nachhaltig erschüttern und uns schon jetzt zwingen müsste, global strategisch gemeinsam diese Problemfelder zu bedenken, anstatt uns darüber zu ereifern, ob die Ukraine in die Nato aufgenommen werden sollte.

Warum sind wir so kurzsichtig? Warum sehen wir nicht, dass die Bevölkerungsexplosion uns in unabsehbare Verteilungskriege führen wird? Warum sehen wir nicht, dass territoriale Ansprüche hinweggeschwemmt werden von Wetter und Ozeanen? Warum sehen wir nicht, dass sich allmählich die Ordnungsrahmen der menschlichen Gemeinschaft durch Kulturverluste auflösen und wir in der Vereinzelung hilflos sind?

Vielleicht ist es der Plan des Lebens, jede Herausforderung auf die Spitze zu treiben, um zu sehen, ob wir uns dann noch bewähren können. Jedenfalls sollte neben Nordkorea, Krim, Syrien, Ukraine, Irak, Sudan und Libyen auch die Zukunft der Menschheit und unseres Planeten mit auf die Tagesordnung von Sicherheitskonferenzen gesetzt werden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski