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Vorteile der Philanthropie

Die Beschäftigung mit der Philanthropie hat mein Leben maßgeblich geprägt, aber auch verändert. Wenn ich mich früher ohne große Erwartungen mit der Verwirklichung meines Berufes beschäftigt habe, mich ansonsten um meine Familie kümmerte  und Freundschaften pflegte, liegt es mir heute vor allem am Herzen, etwas für andere zu tun. Etwas für andere zu tun, kann eine professionelle Herausforderung sein und sich darin gegen Entgelt erschöpfen. Kommt ein wirkliches Kümmern dazu, wird die Hilfe für andere zur  Aufgabe.  Diese  Form  der  Zuwendung  erwartet,  dass  der  Zuwendungsempfänger diese Form der besonderen Leistung nicht oder nicht nur wirtschaftlich honoriert sondern auch das Maß des Engagements erkennt. Andererseits erwartet derjenige, der sich im philanthropischen Bereich besonders einsetzt, dass die Gesellschaft mit Anerkennung, Respekt,  aber  vor allem dadurch  reagiert,  dass  sie  sich  von  ihm  anstecken  lässt, ebenfalls mitzumachen.

Das   ist   der   springende   Punkt.   Briefe,  die  ich  schreibe, Gespräche, die ich führe, ja die gesamte Korrespondenz und alle Handlungen zeigen, dass viele andere  Menschen durchaus  in  der  Lage  sind,  die  Vorteile  eines philanthropischen Engagements zu begreifen, selbst aber für sich zu einer solchen Erfahrung  auf  Abstand bleiben.  Briefe werden  nicht  beantwortet,  finanziellen  Einsatz können sich viele nur in ganz bescheidenem Rahmen vorstellen und überhaupt wird mir oft die Frage gestellt, wo ich denn die Zeit hernehme, neben Beruf und Familie mich noch für andere einzusetzen. Dabei spielt oft auch Misstrauen eine Rolle, höhere Motive für das  Engagement  werden  –  zumeist  verdeckt  –  aberkannt  oder  zumindest  so  infrage gestellt, ob das, was ich und andere Stifter vorhätten, überhaupt zu bewältigen sei. Es fällt manchmal schwer, nicht Misanthrop zu werden, und zwar gerade wegen des philanthropischen  Engagements.  Die  Enttäuschungen  wiegen  schwer.  Der  Weg  ist mühevoll und auch bestmeinende Menschen reduzieren ihr Verständnis für philanthropisches Verhalten zuweilen auf einzelne Projekte, sozusagen als Spielwiese für diejenigen, die trotz Golf, Beruf, Urlaub, Essen, Familie noch nicht genug vom Leben hätten. Dabei ist es gerade anders. Philanthropie ist eine kalkulierte Aufgabe, um nicht zur Entlastung des Staates, sondern parallel und oft auch in staatliche Kompetenzen eingreifend Dinge zu tun, die man als Bürger dieser Gesellschaft dieser und sich selbst schuldet. Ein Bürger tut so etwas. Das sollte und muss die Losung sein. Oft erfahre ich Aufmerksamkeit dann, wenn ich von der Anzahl bereits vorhandener Stiftungen und der Größe des kumulierten Stiftungskapitals spreche. Ich vermute allerdings, dass Auslöser dieses Interesses weniger das inhaltliche Engagement dieser Stiftungen ist, sondern eher die Höhe des verfassten Kapitals und die Vorstellung des Nachfragenden, dass sich damit einiges bewegen lassen könnte und dies für die Handelnden guten Profit abwerfe. Die Menschen denken und handeln eigensüchtig. Sie sind Sammler und Jäger. Diese Verhaltensweise ist zutiefst menschlich, und deshalb ist es erforderlich, die Menschen dort zu treffen, wo sie sich mit ihren Vorteilen auseinandersetzen. Wir müssen also denjenigen,  die  wir  für  die  Philanthropie  gewinnen  wollen,  ein  Angebot  unterbreiten. Dieses Angebot muss in der Sphäre eines Menschen wie „du und ich“ umsetzbar sein. Angebote sind zum Beispiel:

ƒ- Zertifizierung  des  Menschen  oder  seiner  Einrichtung  unter  dem  Gesichtspunkt  der Integrität,  Schaffung  vertrauensbildender  Maßnahmen,  mit  dem  Ziel,  ideelle  und wirtschaftliche Erfolge zu erreichen,

– Ehrung oder Anerkennung durch Verleihung z. B. einer Stifternadel, einer Stifterstatue oder eines -porträts,

– die Förderung des Besonderen, zum Beispiel durch die Einladung zum Stiftermahl oder Stifterclub,

– der  Erwerb  von  etwas  Besonderem,  welches  die  Türen  zu  anderen  Möglichkeiten eröffnet, zum Beispiel durch den Erwerb von Credits, Reiseveranstaltungen und Ähnlichem unter dem Motto „Geh mal stiften“, d. h. der Reisende genießt und hat seine Vorteile, aber ein Teil der Aufwendungen fließt in Stifterprojekte. Das gibt auch ein gutes Gefühl.

Die  Liste  der  Möglichkeiten  ist  hier  nur  angerissen  worden,  muss  permanent fortgeschrieben werden. Je mehr die Vorteile für den Interessenten dabei aufscheinen, umso erfolgreicher ist seine Werbung. Ist ein potenzieller Stifter (Geld- oder Zeitstifter) einmal   von   den   Möglichkeiten   angezogen,   wird   er  selbst  daran  arbeiten,  seine Möglichkeiten zu erweitern. Immer ist es daher auch wichtig, dass der potenziell im philanthropischen Bereich engagierte Mensch selbst die Chance erhält, sich zu positionieren  und  ihm  nicht  nur  ein  finanzieller  Beitrag  zu  einem  fremden  Projekt abgetrotzt wird. Ein solcher Mensch fühlt sich in der Regel entreichert, aufgrund seines Status  oder  seines  Geldes  abgezockt.  Vielmehr  muss  ihm  die  Gelegenheit  gegeben werden, selbst den Gedanken dahingehend zu entwickeln, ob, auf welche Weise und womit er sich in die Philanthropie und in einzelne Projekte einbringt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski