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Erfüllung des Lebens

Wir tun die Dinge – in der Regel – nicht um ihrer selbst willen. Meistens erfüllen wir Aufgaben, weil wir uns hiervon etwas, also meist eine Belohnung, versprechen. Die Belohnung für Arbeit ist Geld, die Belohnung für Spekulation ist Geld, die Belohnung für Zuwendung ist Anerkennung. Anerkennung zu erlangen, ist nicht schlecht. Sie ist die Kompensation für eine außerordentliche Leistung. Geld und Anerkennung ermöglichen ein angenehmes Leben deshalb, weil es Besonderheiten gegenüber dem Leben anderer Menschen aufweist. Derjenige, der Geld und Anerkennung hat, ist gegen den eigenen Neid gefeit. Er verteidigt das Erreichte und achtet darauf, dass ihm nichts abhanden kommt, weder von seinem Besitz noch von seiner Reputation. Die Gefahr ist, dass er, trotz aller guten Voraussetzungen, beweglich zu bleiben, erstarrt. Erstarrt in der Besitzstandswahrung. Aber auch derjenige, der nicht auf Geld oder Anerkennung zurückgreifen kann, erstarrt oft in seinem Unglück. Nicht, dass er wegen seines Lebens andere beschuldigen will, er es diesen neidet, sondern er gibt sich mit dem Nichterreichten ab und sich selbst auf. Beide Formen der Erstarrung entsprechen sich und verraten, dass das Leben dieser Menschen keine Erfüllung gefunden hat. Ein erfülltes Leben nimmt wahr, ein erfüllter Mensch verschließt die Augen nicht vor seinen Umständen, gibt diesen Umständen aber ein Maß, welches ihn nicht einzuengen vermag, sondern zu neuen Leistungen motiviert. In einem erfüllten Leben hat der Mensch aufgehört, zu beanspruchen, und begonnen, zu geben was er hat. Dies sind nicht nur materielle Dinge, nicht nur Engagement um der Anerkennung willen, sondern als Ausdruck der Freude an den eigenen Möglichkeiten, Anderen etwas zu geben, weil man vermögend ist, es also vermag, sei es materiell oder durch persönlichen Einsatz eigener Zeit und Fähigkeiten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski