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Farbenspiele

In letzter Zeit lese ich viel über Persons, People, sogar über Jugendliche, Studierende, Touristen und überhaupt Menschen „of Colour“. Einmal abgesehen davon, dass ich ohnehin jede Amerikanisierung unserer Sprache als unnütz und irreführend empfinde, weil Sprache generell Botschaften aus unterschiedlichen Kulturbereichen vermittelt, erlebe ich zudem ein großes Störgefühl dadurch, dass ich die verballhornten Aussagen über andere Menschen ein Wegstehlen aus der Verantwortung und letztlich als eine Form der nur konsensmodulierten Form der Diskriminierung begreife.

Heute würden wir doch nur noch schwerlich wagen, statt Colour die Adjektive „farbig“ oder „bunt“ für andere Menschen zu nutzen. Solche Zuschreibungen würden die Verwender diskreditieren, so dass sie es vorziehen, die Flucht in die englische Sprache zu wagen, um sich abzusichern. Wäre es aber nicht sinnvoll, überhaupt auf pigmentbestimmte Unterscheidungskriterien zu verzichten, zumal derartige Abstufungen zum Beispiel bei Weißhäutigen in der öffentlichen Diskussion wohl kaum erfolgt, es sei denn, man käme auf die Kategorisierungen „Blondine“ oder „weißer alter Mann“ zu sprechen, um diese Gruppierungen zu disqualifizieren oder lächerlich zu machen.

Um Stigmatisierungen durch Äußerungen zu vermeiden, so wohlmeinend sie auch in fremder Sprache klingen mögen, ist eine Aneignung des Anderen in seinem Aussehen, seiner Kultur, seiner Sprache und seines Verhaltens erforderlich, denn nur so kann ich erfahren, teilen und mich selbst so ebenbürtig begreifen, wie ich jeden anderen Menschen auch wahrnehmen sollte.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski