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Bürokratie

Einmal angenommen, sie haben eine gute Idee und wollen zum Beispiel mit Hilfe ihrer Stiftung den Pflegedienst für ältere Menschen organisieren oder Praktika an jugendliche Immigranten vermitteln. Was immer sie mit großem Enthusiasmus und Einsatz eigener Mittel auf den Weg bringen wollen, sie brauchen sicher einen langen Atem. Regeln, Vorschriften und bürokratische Anordnungen sind die Widerhaken auf dem Weg zum Erfolg. Das ist zwar lästig, teilweise absurd, aber normal, denn mit ihrem Engagement dringen sie ein in einen Raum, den die Bürokratie im Griff behalten will, denn wenn die Zivilgesellschaft wirkungsmächtig werden sollte, verliert diese ihren Einfluss.

Deshalb gibt es Zuwendungen des Staates oft nur in homöopathischen Dosen, und dies zudem nur widerwillig. Der Staat, der seine Bürokratie pflegt, begreift sich in einer Konkurrenzsituation zu seinem Dienstherrn, dem Bürger als Souverän. Diesen Kampf möchte er für sich entscheiden, eigene Vorhaben werden bevorzugt, so unsinnig diese sein mögen. Sie bestätigen dabei die Hilflosigkeit des Bürgers angesichts der Totalität des bürokratischen Apparates.

Dieser ist allerdings nicht nur im Ausgeben erfindungsreich, sondern auch im Vereinnahmen. Von einem kleinen Bespiel des Straßenverkehrs kann jeder berichten, zum Beispiel von kostenpflichtigen Verkehrsüberwachungsmaßnahmen an völlig absurden Stellen kurz vor Aufhebung des Tempolimits auf der Autobahn oder kurzfristig angesetzten unsinnigen Parkbeschränkungen. Jeder Bürger hat Beispiele bürokratischen Handelns aus seinem Alltagsleben parat. Also: Wir lassen uns nicht unterkriegen, auch nicht von unserem Staat und seinen Bürokraten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski