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Lebensplan

Hat uns der Urknall erschaffen? Welchen Lebensplan hat er uns mitgegeben? Die DNA unseres vegetativen Seins mag entschlüsselt werden, aber erklärt dieses Design und auch die Informationen, die unsere Mikroben zuführen, den ganzen Menschen? Etwas scheint uns voneinander zu unterscheiden, von jeder Pflanze, jedem Tier und auch jedem anderen Menschen.

Die Sinnfrage wird oft gestellt, aber meist raumgreifend in der Erwartung, dass ein Philosoph oder ein Religionsstifter die Antwort bereithält. Die Angebote sind vielfältig und erschöpfen sich in der flehenden Bitte: „Erkenne dich selbst.“ Das Dilemma ist unausweichlich, wie soll Selbsterkenntnis funktionieren, als Erfahrung, Experiment, Eingebung?

Orientieren wir uns an der normativen Behauptung, dass wir schließlich doch jemand sein müssen? Auch auf sich selbst zurückgeworfen, im Zirkelschluss gebannt, erfährt der Mensch sich nicht. Wenn also weder das Eine, noch das Andere sinnstiftend für den Menschen ist, wird dann nicht eine Matrix der Opportunität sichtbar? Vermögen wir nicht durch einen „process reverse“ das wahrzunehmen, was uns seit dem Urknall zum Menschen geformt hat?

Es scheint mir, dass je mehr wir voneinander und unseren Ansichten, Gewohnheiten und Einschätzungen loslassen, wir unserem Lebensplan näherkommen. Vielleicht müssen wir eine Interjourney in uns selbst und in der Zeit zurücklegen, um im Urknall zu erfahren, wer und warum wir sind.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Selbstheilung

Wenn mir zum Beispiel mein Bein wehtut, so besuche ich es. Ich unternehme eine Reise dorthin, stelle Fragen, woher der Schmerz kommt und erfahre dabei, dass nicht das Bein den Schmerz verursacht hat, sondern mein Rücken. Aha! Dann unternehme ich eine Reise zu meiner Wirbelsäule. Nach einem kurzen Gespräch bestätigt diese die Verursachung, weist allerdings darauf hin, dass sie eigentlich auch nicht alleine verantwortlich sei, sondern ich mir einmal Gedanken darüber machen müsste, woher denn die auslösenden Impulse kämen.

Ganz ratlos bin ich da nicht, denn ich weiß genau, dass ich mich bei der Arbeit verausgabt und zu wenig Sport getrieben habe. Die Anspannung bei den Lunch-Terminen mit Anderen, das soziale Gerede bis tief in die Nacht, der Alkohol und der wenige Schlaf. Alle das wird mir bewusst. Also verhandele ich mit meinem Rücken und überzeuge ihn davon, mir noch einmal eine Chance zu geben, wenn ich meinerseits bereit bin, wieder mehr Sport zu treiben und mich gesünder zu ernähren, mehr auf meine Balance zu achten und fröhlicher zu leben.

Versprochen? Versprochen! Das Gespräch mit dem Rücken bewirkt Wunder. Die Schmerzen im Bein klingen ab. Was mit dem Bein gelingt, gelingt fast mit allem, wenn man seine Selbstheilungskräfte nicht unterschätzt und versucht, sich an getroffene Vereinbarungen mit sich selbst zu halten. Was im physischen Bereich möglich ist, gelingt auch in anderen Bereichen, soweit wir ein Erkenntnisinteresse haben. Erkenne dich selbst.

Wer kennt nicht diesen fast anmaßend klingenden Imperativ. Sich aber darum zu bemühen, Verhaltensweise, Einstellungen und Handlungen bei sich selbst zu erkennen, trägt dazu bei, sein eigener Souverän zu werden. Es ist möglich, seine Gedanken und Gefühle zu besuchen und ihre Plausibilität zu überprüfen. Wir wissen, dass jede Gemeinheit krankmacht. Vielleicht nicht sofort und vielleicht ist der Schmerz erst später spürbar, aber dort, wo Selbstheilungskräfte wirken können, schaffen sie Vernunft statt Sturheit, Gefühle statt hemmungsloser Emotionalität, Zuneigung statt Ichverliebtheit. Reisen kann ich in die Vergangenheit, aber auch in die Zukunft. Ich kann schon jetzt sehen, was sein wird, denn alle Informationen sind bereits in mir angelegt. Wenn ich mich darauf einlassen will, sehe ich das Eigentliche.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski