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Beweise

Ich erinnere mich genau, zu dem gibt es einen Film auf meinem Smartphone, der das belegt. Es geschah auf einer belebten Straße der Innenstadt von Valparaiso. Wir beobachteten zufällig aus dem Fenster im ersten Stock eines Wohngebäudes die Verhaftung eines jungen Mannes, der die Straße entlangging, durch die Polizei.

Warum sie ihn ergriffen, wissen wir nicht. Sie verbrachten ihn in ein Auto. Kurze Zeit später stiegen zwei Polizisten wieder aus, hielten eine Waffe in der Hand, die sie auf der gegenüberliegenden Straßenseite platzierten und dabei mehrfach verschoben. Nach einiger Zeit erschienen weitere Kriminalbeamte, die zur Waffe geleitet wurden. Sie machten Aufnahmen, nahmen die Waffe an sich und verschwanden ebenfalls im Polizeiauto.

Soweit die Beobachtung. Wir wissen nicht, worum es ging. Wir können allerdings vermuten, dass es zu einer Gerichtsverhandlung später kam und dabei auch die Waffe, ihre Verwendung und ihr Fundort eine Rolle spielte. Es gab aber überhaupt keinen Fundort. Die Waffe war nachträglich abgelegt worden, um Beweis dafür zu führen, dass der junge Mann eine Waffe gezogen und möglicherweise sogar damit gedroht habe. Als Beweis wird der angebliche Fundort und die Aussagen der Polizeibeamten angeboten.

Was will ich damit sagen? Eindeutige Beweise gibt es selten. Meist stellen sie einen Mix aus Tatsachen, Beobachtungen und Einschätzungen dar. Da Eindeutigkeiten selten bestehen und/oder auch nicht belegbar sind, treten an ihrer Stelle Parallelwertungen nach Maßgabe eines Überzeugungsbildes: So muss es gewesen sein. Dieses „so muss es gewesen sein“ soll oft Beweise im strengeren Sinn ersetzen und führt zu Maßnahmen und Handlungen, die die Gesellschaft hinnehmen muss, will sie nicht verzweifeln an faktischen Alternativen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski