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Tod

In der Regel ist es im Leben so: Ein Mensch verschwindet und taucht dann wieder auf. Selbst wenn er nicht wieder auftaucht, bleibt das Gefühl, dass es dennoch sein könnte. Der vermisste Mensch wird vergessen, verdrängt oder herbeigesehnt. In jedem Fall bleibt er mit seiner Möglichkeit, doch wieder aufzutauchen, gegenwärtig. Mit ihm können wir noch rechnen. Mit dem, der gestorben ist, können wir aber nicht mehr rechnen. Es ist vorbei. Und zwar endgültig. Gerade war da noch ein Wort, eine Gebärde, eine Zuversicht und dann: aus. Alles hat aufgehört. Der Tote kann in der Realität für nichts mehr herangezogen werden, zahlt keine Steuern mehr, weder arbeitet er, noch geht er seinen Hobbys nach. Keine Feier, kein Glas Wein, keine Zigarette. Es ist vorbei. Wir sind von der Kommunikation mit ihm abgeschnitten. Ein Lächeln ist sinnlos, ein Kuss, ein Händedruck. Wann hatten wir das letzte Mal Sex miteinander? Das war doch erst gestern?

Noch spüre ich ihn, als sei er vor die Tür getreten, als müsste er jeden Augenblick wieder den Raum betreten. Er kommt nicht. Sie kommt nicht. Es ist vorbei. Vielleicht bleibt das letzte Wort, ein Lächeln, ein Streit, das letzte gemeinsame Essen, von dem niemand gedacht hat, dass es das letzte sei. Ein Glas Wein, eine gemeinsam gerauchte Zigarette. Die letzten Momente bleiben in der Erinnerung dramatisch, eine Zeit lang, dann zerfließt alles, wird unscheinbar. Vielleicht. Es ist unwiederbringlich vorbei. Wir wenden uns anderen Menschen zu. Werden uns unserer Endlichkeit bewusst. „Mensch, werde wesentlich“, so hat mir mein Vater gesagt. Das sei ein sehr guter Merkspruch. Das Leben ist zu Ende, der Tod ist so besiegelnd. Selbst ein Leben nach dem Tode ändert daran nichts. Es gibt ja Mahnungen, zu leben als ob man stürbe. Der Tod als Bedrohung? Nein! Eher als Ermunterung, intensiv zu leben mit der Gewissheit, dass der Tod für alle Beteiligten endgültig ist. Das dürfte schön sein, auch im letzten Moment auf ein erfülltes Leben zurückzublicken und diese Gewissheit anderen mitzuteilen. Für die, die bleiben und erst später dran sind, dürfte diese Gewissheit sogar Zuversicht bedeuten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Eltern/Kind-Bildung: Viva Familia – eine Initiative der Ruck – Stiftung des Aufbruchs

Ein Ruck soll durch Deutschland gehen! Das forderte Altbundespräsident Roman Herzog in seiner berühmten Adlon-Rede 1997. Wir haben hier ergänzt: … durch unsere ganze Gesellschaft… Diesen Ruck müssen wir Bürger uns selbst geben und dürfen nicht darauf warten, dass andere dies tun. Aber, was soll nun dieser Ruck bewirken und wie wird er ausgelöst? Um festgefahrene Strukturen aufzubrechen, sind neue Sichtweisen auf bekannte Probleme erforderlich. So wie der Blick durch ein Kaleidoskop für Kinder immer Neues entsteht lässt, wenn wir das Sehrohr drehen, obwohl der Gegenstand der Betrachtung immer der gleiche bleibt, können wir unsere Möglichkeiten durch neue Sichtweisen erweitern. Der Ruck macht ein bürgerliches Selbstbewusstsein erfahrbar, das sich nicht nur am Wahltag äußert, sondern aktiv die Subsidiarität staatlichen Handels einfordert auf allen Gebieten, die der Bürger selbst gestalten kann.

Jedes Leben eines Menschen beginnt mit seiner Geburt in die Familie. Deshalb haben wir uns bei der Ruck-Stiftung zunächst auf das Projekt Viva Familia! konzentriert. Viva Familia! trägt zur Umsetzung des Bildungsgedankens in der Familie bei. Familienbildung funktioniert nur dann, wenn auch die Eltern gebildet sind. Die Elternbildung bewirkt wiederum die Kinderbildung. Bildung von Anfang an heißt also, die Eltern in die Lage zu versetzen, ihre Kinder dabei zu unterstützen, die Bildungsangebote der Gesellschaft anzunehmen. Wie soll das geschehen? Durch eine Fülle unterschiedlicher Maßnahmen u. a. durch Singen und Erzählen von Familien- sowie Fantasiegeschichten durch die Eltern und andere Bezugspersonen in der Familie, zum Beispiel die Großeltern. Das ist wirkungsvoll, denn durch diese Form der Zuwendung werden die familiäre Bindung und das Grundvertrauen des Kindes und das Zusammengehörigkeitsgefühl mit anderen Menschen gestärkt und somit eine Basis für eine problemlosere Eingliederung des Kindes in unsere Gesellschaft geschaffen. Die Eltern machen durch Singen und Erzählen die Erfahrung ihrer eigenen Bildungszuständigkeit bei der Erziehung ihres Kindes, verstärken ihr eigenes Sprachvermögen und schaffen so auch wesentliche Voraussetzungen für ein besseres Sprachvermögen ihrer Kinder. Durch das Erzählen von familiären Geschichten festigen sie soziale Bindungen und gestalten zudem die Grundlage für einen in der Geschichte verwurzelten Lebensweg ihres Kindes. Eigentlich Selbstverständlichkeiten, die allerdings in unserer Gesellschaft weithin nicht mehr geläufig sind. Viva Familia! vermittelt daher diese familiäre und gesellschaftliche „Win-win-Situation“ durch die Einrichtung von Eltern-Sing- und Erzählkursen und ergänzende Elternpatenschulungen in sozialen Hilfeeinrichtungen, Familienzentren und Geburtsvorbereitungsstationen und Bereitstellung der für Kursleiter, Liederbücher und Klangkörper erforderlichen finanziellen Mittel.

Das Leben eines jeden einzelnen Menschen ist eine lange wunderbare Veranstaltung, wo es darum geht, sich zu bewähren, auszubilden, Neues zu erfahren und immer wieder Impulse für Entwicklungen zu setzen. Alle, auch ältere Menschen, haben die Möglichkeit, an dieser Erfahrung teilzuhaben, indem sie wieder junge Menschen an ihren Erfahrungen teilhaben lassen, aus ihrem Leben erzählen und dazu anstiften, dass das Erfahrene wieder weitererzählt wird. So wird in dem ersten Schritt der Vermittlung von Singen und Erzählen durch die Eltern und das Kind eine Bewegung geschaffen, die sich durch das gesamte Menschenleben fortsetzt, dadurch unser eigenes Leben und das Leben aller Bürger in dieser Gesellschaft bereichert und die Menschen – ob jung oder alt – zusammenführt. So übernimmt der mündige Bürger von Anfang an Verantwortung für sich, seine Kinder und andere Menschen – zu unser aller Wohl für ein selbstbestimmtes Leben.

Mehr ist auf der Hompage der Stiftung www.ruck-stiftung.de zu erfahren.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Heimatliebe

Mancherorts wird davon berichtet, dass die Landbevölkerung schrumpfe und Gemeinden mit Bedauern feststellen, dass ihre Bevölkerung abwandere. Was für Städte und Gemeinden gilt, erfasst auch ganze Gebiete und Länder. Migration. Das ist eigentlich nichts Schlimmes und auch nichts Besorgniserregendes. Das Wandern selbst vermittelt neue Eindrücke, entfaltet Kreativität und stärkt die Gemeinschaft. Solange die Gesellschaft insgesamt in Bewegung bleibt, ist dieser Austauschprozess in der Bevölkerung hilfreich. Verhält es sich aber so, dass der Abwanderung kein entsprechender Zuzug gegenübersteht, verkümmern Städte und Gemeinden, sind nicht nur wirtschaftlich, sondern auch vor allem strukturell nicht mehr in der Lage, eine selbstbewusste Bürgerschaft hervorzubringen, geschweige denn zu unterhalten. Warum ziehen Menschen weg?

Naheliegend aus wirtschaftlichen Gründen. Das ist es aber nicht alleine. Sie ziehen auch weg, weil sie sich von dem Dorf oder der Kleinstadt, in der sie wohnen, keine Anregungen mehr versprechen, erprobte Begegnungsstätten werden geschlossen, die Menschen sind sich aufgrund der Ablenkungen durch Medien fremd geworden. Sie leben in ihrer vertrauten Umgebung zwar noch eine Zeit lang aus Gewohnheit, die vertraute Umgebung vermag sie aber nicht mehr zu halten, ihre Heimatliebe schwindet. Heimatliebe bedeutet die Erkenntnis, hierher an diesen Ort zu gehören, weil die Eltern und Großeltern schon da gewesen sind und man selbst auch seine Kindheit hier verbracht hat. Heimatliebe bedeutet, seinen Kindern auch diese Heimat bieten zu wollen. Dazu müsste man auf sie stolz sein. Stolz ist heute ein schwer verdauliches Wort, bedeutet aber eigentlich nichts anderes als den Ausdruck eines Gefühls: ich erkenne, ich vertraue und ich entwickle. Sobald der Heimatstolz Platz greift, entstehen auch die Ideen, wie diese Heimat erhalten und gestärkt werden könnte, zum Beispiel durch Organisation von Kindergärten und Schulen, durch Aufbau von handwerklichen Betrieben und Gewerbe. Alles ist möglich, setzt aber den Willen voraus, sich engagieren zu wollen.

Sich für das, was man liebt, einzusetzen. Das ist lohnend, und zwar ideell und finanziell. Landflucht ist der einfachere Weg, verspricht staatliche Unterstützung, Genuss, zum Beispiel in der Großstadt, und anonyme Begegnungen mit anderen Menschen. Aber im Vergleich der Intensitäten, meine ich, ist die Heimat stets der Beliebigkeit eines städtischen Aufenthaltsortes vorzuziehen. Sie befriedigt letztlich auch eine tiefe innere Sehnsucht nach Geborgenheit und Lebenssinn.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Viva Familia!

Kinder sind wunderbare Geschöpfe. Es macht Freude, sie dabei zu beobachten, wie sie vom ersten Tage ihres Lebens an ihre Eigenständigkeit entwickeln, sich Fähigkeiten aneignen, die es ihnen erlauben, durch Bewe­gung, Sprache, mit Schauen und Begreifen ihre Umwelt zu entdecken. Sie brauchen dabei Hilfe und Unterstützung, die zunächst nur nahe Angehörige, wie Eltern, Ge­schwister und natürlich auch Großeltern, Tanten und Onkel gewähren können. Die Ent­wicklung des Kindes beginnt mit Vertrauen, Vertrauen in die Kompetenz und die Zuwen­dungsbereitschaft seiner Familie. Das verlangt ein hohes Maß an Verantwortung der Bezugspersonen, erlaubt aber auch ein hohes Maß an Exklusivität der Familie mit dem Kind. Zwischen Kind und Fami­lie wird mit der Geburt eine Primärzuständigkeit begründet, die zeitlebens besteht, getragen von Verpflichtung, Verantwortung und Zutrauen. Jedes Kind ist wichtig für unsere Gesell­schaft. Dabei trägt auch diese Verantwortung dafür, dass sie selbst durch Förderung der familiären Anliegen dem Kinde gerecht wird. Es sind die Eltern, die die Bildungschancen und Interessen ihrer Kinder von der Geburt an wahrnehmen. Sie müssen dabei unterstützt werden, diese Aufgabe mit Stolz und Genugtuung zu übernehmen. Sie müssen sicher sein, einen der wichtigsten Bei­träge für unsere Gesellschaft, also auch für die Menschen zu leisten, die keine Kinder haben können oder wollen.

Viva Familia! will diesem Gestaltungsrecht, das auch eine Pflicht beinhaltet, Anerkennung zollen durch Projekte wie:

  • Filina, ich singe für dein Leben gern
  • Erzählen und Singen mit Eltern
  • Vorbild schaffen und wahrnehmen
  • Minimuse
  • frühkindliche Ernährungsgewohnheiten (Pizza im Glas)
  • seelische Gesundheit des Kindes (Achtung Kinderseelen!)
  • Überforderung durch Unterforderung, Kindergarten, Schule plus plus

In der Familie wird eine Verantwortungsgemeinschaft begründet, die zeitlebens nicht auflösbar ist, da Eltern und Kinder sich aufgrund ihrer Nähe einschränkungslos korrigieren und miteinander ab­gleichen dürfen. Dieses Verhältnis wird oft gestört, und zwar primär nicht aufgrund eines Span­nungsverhältnisses in Eltern-Kind-Beziehung, sondern eher durch Einflüsse von Außen, die das Selbst­bewusstsein der Familie beschädigen und damit die Tauglichkeit des Familienmodells in Frage stellen. Die Familie ist aber entgegen aller Skepsis durchaus dazu geeignet, den Menschen durch das ganze Leben zu be­gleiten, zunächst durch Fürsorge, dann als Spiegel im Zeitpunkt des pubertären Auswahl­prozesses bis zur Gestaltung der Solidargemeinschaft während des Erwerbslebens bis hin zur Alterssicherung. Das Modell besteht in der Abgrenzung und in der Nähe, verträgt keine Überforderung, ist aber allen Prüfungen gewachsen, wenn nicht äußere Verunsicherungen und Opportunitäten einen anderen unheilvollen Weg weisen. Eine der Verlockungen heißt: Du brauchst keine Familie, wenn Du den Staat als Vor- und Fürsorger hast, der mit seinen Erziehungs- und Bildungsmodellen eher als du begreifst, was deinem Kind nützt oder schadet. Damit wird die elterliche Fähigkeit, selbst Verantwortung zu tragen, ausgehebelt und ein unheilvoller Prozess der Entmündigung in Gang gesetzt, der während des gesam­ten Lebens Menschen abhängig von staatlicher Fürsorge machen kann.

Viva Familia! setzt dagegen alles auf die familiäre Karte, d. h. zeigt die Chancen und Wege für eine kraftvolle Entwicklung der Familie innerhalb der Gesellschaft auf, die es nicht nur er­laubt, dass sich das Kind zu einem ebenbürtigen Partner in der Gemeinschaft entwickelt, sondern auch Eltern ermöglicht, eine Gelegenheit zu erkennen, ihr Erwerbs- und Sozialleben gemeinsam mit den Kindern zu meistern, sich wechselseitig dabei zu unterstützen und dafür zu sorgen, dass keiner benachteiligt wird, sei es in der gemeinsamen Fürsorge und Pflege der Eltern für ihre Kinder, als auch dem Recht und der Pflicht, gemeinsam für die notwendige Un­terhaltung und Stützung der Familie zu sorgen. Die Mittel hierfür sind nicht neu, werden aber zögerlich eingesetzt, da der Staat es sich weitgehend vorbehält, im gesellschaftlichen Gestaltungsbereich die Oberhoheit zu behalten. Ein paar Beispiele:

  • Neben weiteren Kinderkrippen und Kindergären zu schaffen, ist es wünschenswert, die Mittel bereitzustellen, die eine betriebsnahe Kinderbetreuung für Mütter und Väter während ihrer Arbeitszeit erlauben, damit sie sowohl ihren beruflichen Aufgaben gerecht werden, als auch ihren Kindern nahe sein können. Bekanntermaßen sind Kinder gerade in der Kinderkrippen- und Kindergartenzeit oft gesundheitlich anfällig, was dazu führt, dass Eltern wider Erwarten plötzlich ihren Ar­beitsplatz verlassen müssen, um ihr krankes Kind von der Kinderkrippe oder vom Kindergarten abzuholen.
  • Es könnten durch Zuschüsse und steuerliche Entlastungen von Arbeitgebern Anreize da­für geschaffen werden, betriebsnahe Kindergarteneinrichtungen zu etablieren. Die betriebliche Nähe würde dazu führen, dass Eltern die Möglichkeit ha­ben, ihrer Sorge für das Kind zu entsprechen.
  • Familien sollten für ihre Kinder eine weithöhere steuerliche Entlas­tung erfahren und Kinder, die für ihre Eltern sorgen, dieses Privileg auch für sich in Anspruch nehmen können. Sie entlasten durch ihr Verhalten die Gesellschaft und stärken zudem die lebenslang eingegangene Verpflichtung, füreinander da zu sein.

Viva Familia! unterstützt diesen Prozess der Solidarität und fordert einen Beitrag von der Gesellschaft zur Stärkung der Rolle der Familie als wichtigstem Baustein der familiären Entwicklung.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski