Schlagwort-Archive: Fremdenfeindlichkeit

Terror

Was sich täglich in den Köpfen der Menschen und auf der Straße terroristisch entwickelt, ist weit entgrenzt. Dem verbalen Terror in Medien und auf der Straße kann nicht mehr mit Polizeimaßnahmen und Justiz begegnet werden. Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus, Verachtung anderer Menschen bis hin zur blanken Zerstörungswut haben Besitz nicht nur von einzelnen Menschen, sondern auch Gruppen gewonnen und erobern sich zunehmend Deutungshoheit.

Dies wird verstärkt durch Klüngel und Parteien. Darauf mit Entsetzen und Abscheu zu reagieren, schafft Terrorismus nicht ab, sondern verstärkt nur dessen Auswirkung durch Selbstbestätigung der Protagonisten. Wer in der Gruppe stolz auf sein Verhalten ist, wird durch Angriffe auf dieses soziale Selbstverständnis in seiner Haltung noch bestärkt, anstatt zur Aufgabe bewogen.

Was könnte dann helfen? Möglicherweise der Ansatz, dass die Medien und wir in der Gesellschaft, auf der Straße und in der Politik davon reden, dass nicht nur unsere deutsche, sondern auch unsere europäische Errungenschaftsgemeinschaft ein Erfolgsmodell aller erster Güte ist. Ich persönlich möchte in keinem anderen Land der Welt leben. 70 Jahre ohne Krieg, ein Land, das liberal, offen und in der Lage ist, die Fehler ihrer Politiker zu verschmerzen, sich entwickelt, Einkommen sichert und jedem Menschen unfassbare Möglichkeiten eröffnet.

Es ist es wert, täglich dafür anerkannt und gelobt zu werden, anstatt es mit Hasstiraden zu überziehen. Mögen manche glauben, sie seien das Volk, aber ein Volk ist keine Momentaufnahme und schon gar nicht eine Gruppe, ein Volk sind alle Menschen, die in einem Gebiet leben und Völker in noch mehr Gebieten. Keiner kann sich anmaßen, mehr Volk als der andere zu sein und schon gar niemand ist berechtigt, dem anderen weißmachen zu wollen, er sei mehr Volk als er.

Wer sein Volk liebt, der freut sich an der Bundesfahne, der Hymne und der Vielfältigkeit der Menschen, die hier leben. Sie tun alle etwas dafür, dass es uns so gut geht, sei es im Osten, sei es im Norden, Süden oder Westen. All das, was für Deutschland gilt, gilt auch für Europa, wir verdanken ihm unsere Einheit, unseren Wohlstand, unser Glück und unsere Lebensperspektive.

Wir sollten uns zu Deutschland bekennen aus Respekt gegenüber unseren Vorfahren und aus Achtung gegenüber unseren Kindern, die dafür sorgen werden, dass es mutvoll und glücklich mit unserem Land weitergeht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Bünde

Was ist mit den jungen Menschen los? Diese Fragestellung beschäftigt Eltern, Schulen und Medien. Unsere Kinder wenden sich rechtsnationalem Gedankengut zu, so wird gesagt und haben wenig Verständnis für unsere Demokratie und den Rechtsstaat. Fassungslose Lehrer und Politiker bieten daher fast über Nacht Demokratieunterricht für Schüler an und versuchen, sie abzubringen von Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.

Wenn die Kinder sich aber davon überhaupt nicht abbringen lassen wollen, was dann? Gibt es einen Plan B im Umgang mit Jugendlichen, die es beim Denken und Meinen nicht belassen, sondern handeln? Ich fürchte nein. Den Grund dafür sehe ich allerdings weniger im rassistischen, nationalistischen und antidemokratischen Gedankengut, als darin, dass wir aufgehört haben zu verstehen, worauf es Kindern und Jugendlichen ankommt, und zwar auf Gruppenerlebnisse.

Unsere Eltern waren leider oft bei der Hitlerjugend oder beim BDM, wir selbst waren bei der FDJ oder den Pfadfindern. Meine Mutter war beileibe keine Nationalsozialistin, aber bezeichnenderweise beim BDM, obwohl die Nazis ihren Vater auf dem Gewissen hatten. Ich selbst war beim CVJM (Christlicher Verein junger Männer). Auch wenn wir für Gott und Jesus Christus kämpften, sangen wir oft die gleichen Lieder, wie sie schon bei der Hitlerjugend erklangen und unterzogen uns ähnlichen Ritualen. Es war mir damals wichtig, nachts beim Zelten andere Gruppen zu überfallen, ihnen die Fahne zu rauben und schließlich irgendwann aufzusteigen in der Hierarchie als Führer der Gruppe.

Da ich im Osten nicht gelebt habe, kann ich nicht abschließend behaupten, ob auch bei der FDJ sich alles nach diesem Muster vollzogen hat, gehe aber stark davon aus. Gruppenerlebnisse sind wichtig für den jungen Menschen, weil sie die Möglichkeit erlauben, Leben zu erproben, mit anderen Worten erwachsen zu werden, Inhalte spielen dabei weitaus weniger eine Rolle, als verlässliche Rituale. Keiner, der beim CVJM oder den Pfadfindern ist, bleibt später zwangsläufig Christ. Das gilt auch für diejenigen Kinder und Jugendlichen, die sich anderen ggf. völkischen Bewegungen anschließen. Sie tun es, weil wir versagen, ihnen keine konkreten alternativen Angebote unterbreiten, die sie Gruppenstolz, Auseinandersetzung und Hierarchien sowie deren Überwindung erleben lassen.

Da wir selbst alles in Frage stellen, Hierarchien, Autoritäten und jede Form von Unterschiedlichkeit, machen wir es den Kindern und Jugendlichen fast unmöglich, selbst einen Standpunkt zu erlangen, wenn sie mit der Angebotslosigkeit unserer Gesellschaft nicht einverstanden sind. Wo ist der Stolz, der Wagemut, die Autorität, das Vorbild, das Kämpferische, die Herausforderung und das überzeugende organisatorische Angebot für Kinder und Jugendliche? Wenn wir da zündende Ideen haben, erreichen wir sie wieder, lassen sie eine Welt erkennen, die jenseits von Individualismus, materiellem Gewinnstreben und Hedonismus noch eine Sinnperspektive bietet.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Kommunizierende Röhren

Es wird behauptet, die Wähler der AfD seien die innerhalb der Gesellschaft abgehängten sozial schwachen und insgesamt etwas einfältigen Personen. Wenn dies in Wirklichkeit nicht stimmen sollte, so hoffen wir doch, dass es so sei. Es würde uns Intellektuelle und etwas wohlhabendere Menschen entlasten. Aber, ich glaube, wir liegen völlig daneben. Schon vor einem Jahr saß ich bei einem Abendessen mit vertrauten und geschätzten Professoren zusammen, die sich durchaus zumindest auf wissenschaftlicher Ebene um Deutschland verdient gemacht haben.

Wir kamen auf die AfD zu sprechen und ich war dann überrascht, dass sie meine Vorbehalte gegen diese Bewegung nicht teilten. Frau Petry sei doch sehr intelligent, auch Herr Gauland und andere, damit täte man der AfD Unrecht, wenn man ihnen geistiges Potential abspreche. Auf meinen Einwand, dass Björn Höcke und andere Parteivertreter auch im nationalsozialistischen Vokabular fischen, konterten die Professoren, dass es die Entgleisung einzelner immer schon im politischen Raum gegeben habe, aber keinen Rückschluss auf die gesamte Partei zulasse.

Ich war verblüfft, mit welcher Selbstverständlichkeit die Herren bereit waren, eine solche Bewegung als integralen Bestandteil nicht nur des politischen, sondern des gesamten gesellschaftlichen Raums zu akzeptieren. Auf Fremdenfeindlichkeit und Islam kamen wir dann auch noch kurz zu sprechen. Beides scheint so ineinander verwoben zu sein, dass der Eindruck blieb, dass ohne den Islam, Kopftücher und Scharia es auch keine Fremdenfeindlichkeit gäbe.

Ein schwieriges Terrain für uns alle, die wir den säkularen Staat schätzen und nun erfahren, dass wir mit dem Ausspruch des früheren Bundespräsidenten Wulf, dass der Islam zu Deutschland gehöre, trotz aller Toleranz unsere liebe Not haben. Jeder soll hier in Deutschland nach seiner Façon selig werden, natürlich auch religiös, aber wir wünschen uns auch den religiösen Dialog auf Augenhöhe. Noch sehen wir da Defizite, vor allem was den Islam angeht.

Alle Menschen hierzulande nehmen wahr, dass in den arabischen Ländern die verschiedenen islamischen Strömungen sich blutig bekämpfen und es scheint, als gäbe es ein Nulltoleranzgebot gegenüber anderen Religionen. Mission impossible. Solche Zustände wollen wir hier in Deutschland nicht haben. Deshalb müssen auch wir, die wir mit der AfD fremdeln, stets deutlich machen, dass die Ewigkeitsgebote des Grundgesetzes nicht nur im Verhältnis zwischen Bürger und Staat, sondern auch im Verhältnis der Bürger untereinander gelten.

Die Würde des Menschen als Schutzkokon für seine freie Entfaltung in dieser Gesellschaft ist unverzichtbar, gleich, wo er herkommt, welche Religion er ausübt und wie er sich hier zu verwirklichen gedenkt. Das funktioniert aber auch nur dann, wenn die Pflicht, die in diesem Recht enthalten ist, auch allgemeiner Imperativ ist und jeden, der zu uns kommt, verpflichtet, die ewigen Gebote des Grundgesetzes in gleicher Weise zu achten. Nur der kann ein guter Deutscher sein, der bei der Kommunikation von Mensch zu Mensch, von Gruppe zu Gruppe, von Religion zu Religion auf diese Regeln achtet und sie einhält.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski