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Ferien vom Ich (Teil 1)

Als ich fünfzehn Jahre alt war, fiel mir ein Gedicht von Friedrich Nietzsche in die Hände, das ich zu meinem Lebensmotto machte:

Ja! ich weiß, woher ich stamme!
Ungesättigt gleich der Flamme
Glühe und verzehr’ ich mich
Licht wird alles, was ich fasse
Kohle alles, was ich lasse
Flamme bin ich sicherlich.

Die Orientierung an diesen Worten entsprang in meinem bisherigen Leben dem Bedürfnis prägend zu sein, fest überzeugt davon, dass wir auf die Welt gekommen sind, um etwas zu tun und nicht in erster Linie etwas zu verlangen. Das Bedürfnis an Orientierung wurde verstärkt durch die Lektüre von Hermann Hesses „Narziss und Goldmund“. Alsbald wollte ich Goldmund sein und war davon überzeugt, dass ich auf einer Sommerwiese geboren wurde.

Das Leben ist schön und in jedem Falle eine Herausforderung. Wir sind geboren worden in der Erwartung unserer Eltern, dass wir etwas schaffen, gegebenenfalls über sie hinauswachsen, Dinge verbessern. Wir sind in der Welt, um in diesen Jahren bewusster Gestaltungsmöglichkeiten alles zu geben.

Jedoch bereits recht früh kommen wir mit etwas anderem in Berührung, und zwar den beengten Verhältnissen, den Schwierigkeiten, vor allem aber den Ansprüchen und den Klagen. Die Schwierigkeiten, unter diesen Umständen Leben zu entwickeln, darf man nicht kleinreden. Das gewöhnliche und außergewöhnliche Anspruchsverhalten und das Klagen vieler Menschen sind differenziert zu sehen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski