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Schönheit

Im Frühstücksfernsehen habe ich jüngst einen abstoßenden Beitrag gesehen zum Thema Schönheitskonkurrenz von Babys und Kleinkindern in den USA. Da wir fast alles übernehmen, was in den USA einmal Erfolg hatte, ist es nur eine Frage der Zeit, bis wir derartige Veranstaltungen auch bei uns haben. Beauty sells. Davon profitieren nicht nur Modenschauen, sondern alle Veranstaltungen, die gutaussehende Menschen einsetzen oder präsentieren.

Ein gutaussehender Mensch muss einfach intelligent und kompetent sein. Anders kann es ja nicht sein. Und doch hat das Ideal der Schönheit sehr gelitten unter abweichenden kulturellen Vorstellungen, künstlerischem Einfluss und profaner Lebensführung. Das Hässliche hat sich neben dem Schönen etabliert und konkurriert mit ihm. Das Profane ist bequem. Trainingsanzug statt Sonntagsstaat. Das nennt man eben heute Lifestyle.

Zum Lifestyle gehört allerdings nicht nur die öffentliche Präsentation, sondern eine Haltung, die dazu befeuert, Formen der Ästhetik außer Kraft zu setzen, weil sie unbequem sind, das eigene Verhalten infrage stellen. Schönheit ist dabei kein äußerliches Gehabe, sondern eröffnet einen inneren Blick auf die Dinge und ermöglicht ein Verhalten, dass das Schöne an sich wertschätzt. Für einen in Schönheit denkenden Menschen ist zum Beispiel Landschaft nicht nur Gebrauchsgegenstand für die Selbstverwirklichung beim Joggen, Grillen oder anderem Freizeitspaß.

Für den in der Ästhetik lebenden Menschen erschließt sich alles in Farben, Gerüchen, Empfindungen und der Bereitschaft, das zu beschützen, was den Reiz des Schönen ausmacht. Das gilt natürlich nicht nur für den Menschen im Verhältnis zur Natur, sondern zeigt sich in jeder Form der Zuwendung, die nicht mehr in erster Linie opportunistisch und ichbezogen ist, sondern anerkennt, was den Wert eines anderen Menschen, jedes weiteren Lebewesens und auch der Pflanzen ausmacht. Ästhetik ist in diesem Sinne Liebe. Liebe, die sich erfreut und nicht ausbeutet. Es wäre schön, wenn die Erziehung zur Ästhetik auch im Lehrplan der Schulen stünde.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski