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Schwerelos

Was wiegt die Luft auf einer Fingerkuppe? Wie schwer ist ein Gedanke, ein Gefühl? Anforderungen an die Metaphysik in ihrer wahren Bedeutung als naturgesetzliche Wahrnehmungen in einer realen Energiewelt, nicht körperlich fassbare Stoffe. Körperlichkeit entwickelt Widerstände. Widerstände zu überwinden, bedeutet realen Zeitverlust.

Dies gilt gleichermaßen für den geworfenen Stein wie auch für Ton oder Licht. Der nicht körperliche Gedanke oder das Gefühl wird bei seiner Mission wenig behindert, es sei denn, die Verschiebung erfolgte widerwillig. Die Entwicklung eines Gedankens, gegebenenfalls auch eines Gefühls verschlingt ungeheuerlich viel Zeit, weil sie sich nicht an die Regeln der natürlichen Effizienz hält, sondern Merkmale planmäßiger Zufälligkeit aufweist.

Doch wie schnell ist ein Gedanke, wie schnell ist ein Gefühl, wenn es auf den Weg gebracht wurde? Die Umspannung bei den Rezeptoren, d. h. die Wahrnehmung von Gefühl oder Gedanken erfordert die meiste Zeit, weniger der zurückgelegte Weg, wenn das Zögern und Zaudern nicht immanenter Prozessgegenstand gewesen ist. Eine auf Gedanken und Gefühlen basierende Wahrnehmung der Wirklichkeit könnte die retardierenden Momente der Zeit überwinden, wäre die Zeit selbst nicht eine Annahme, die eben auf diesem Gedanken beruht.

Was ist zu tun? Die Zeit denken und fühlen, gleichwertig jedem anderen Gedanken? Damit müsste es gelingen, die strukturelle Realitätsprüfung zu überwinden und experimentell ein Novum zu verfolgen: Gedanken, Gefühle und was da noch ist – das Unbeschreibliche, die Sehnsucht, das Wissen – zuzulassen, in der Aufhebung jeglicher Zeitdefinition und jeglichen Erinnerns an Kategorien von früher bis in alle Ewigkeit. So wie das Wissen um alles ohnehin geprägt ist in der Matrix jeder Zelle, jeden Keims, jeden Gedankens und Gefühls. Wir wissen mehr als das, was wir je an Wissen erfahren. Wir haben schon immer alles gewusst und wollen uns kognitiv schützen.

Was kann das sein? Wollen wir uns vor ihnen schützen, die in uns entstehen könnten in jedem Augenblick, aber nicht von fernen Planeten kommen, sondern stets mit uns sind? Hier und dort? Im Einen wie im Anderen. Eingeschmolzen in jede Aufhebung von Zeit und Raum, kontrolliert aber auch von ihren Gesetzen. Blindheit ist unser Schutz. Es gibt nichts außer uns, auch nicht das Universum als Etwas außerhalb von uns. Jeder Raketenstart zu fernen Planeten findet in der realen Welt aufgrund unserer Verabredungen statt, im Übrigen aber in uns. Projiziert auf Himmelsflächen, Milliarden Jahre entfernt, von uns erfunden. Das Fernste, vor dem wir uns schützen, ist der vertrauteste Teil von uns. Wie eine Matroschka häutet sich der Mensch, alles ist in uns, in uns, in uns und gleichzeitig auch außerhalb. Wir sind alles und nichts in einem unbedachten Wort, Gedanken oder Gefühl haben wir die Tafel gelöscht, Gott die uns gewährten Gesetzestafeln wieder zurückgegeben und den Anfang gefunden. Im Tod. Kein Laut. Kein Ton. Nichts. Aber auch alles und überall. Zeitlos.

Dann ist es vorerst endgültig. Möglicherweise. Aber davor weist uns die Ahnung den Weg, lüftet den Schleier der Sehnsucht, damit unsere Seele schon sehen kann, was den Augen verborgen bleibt. In uns ist keine Zeit, aber in unseren Augen, in unseren Ohren, in unserem Mund und unserem Kopf. Befreien wir die Materie von der Materie, bleibt das Nichts zuzüglich der Energie, die aus der Verzinsung der Materie entsteht. Das ist kein Licht, sondern eine Sehnsucht, die strebt ohne Gewicht und Zeit.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski