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Freeze

Sich einfrieren zu lassen, um Jahrzehnte, Jahrhunderte oder Jahrtausende später wieder aufzutauen, was für ein interessanter Gedanke. Menschen tun dies insbesondere dann, wenn sie an einer derzeit unheilbaren Krankheit leiden, aber davon ausgehen, dass es ein Wundermittel irgendwann geben wird, das ihrem Leiden ein Ende bereitet.

Woraus nährt sich diese Zuversicht? Angenommen, es gäbe diese Möglichkeit, wären dann die wieder aufgetauten Menschen nicht nur Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtungen, würden seziert und malträtiert im Namen der Wissenschaft? Ein normales Leben, kaum denkbar!

Vielleicht ein Teil, das zu leben beginnt in einem anderen Körper, Gehirntransplantation in einen anderen Menschen oder in eine Maschine? Der Mensch kann doch nichts für seine Geburt. Es ist eine Laune der Natur, dass er geboren wurde. Es ist eine Laune der Natur, wann und wie er stirbt. Warum will der Mensch dieser Laune widerstehen und die Schöpfung in Frage stellen?

Der in einem Sarg eingefrorene Mensch verachtet die Geburt als Naturerlebnis oder spirituelle Sensation, sieht seinen Körper als hinderlich bei der Gestaltung des ewigen Lebens und mutet dem neuralen Flunkern seines Gehirns die gesamte objektive Wahrheit des Seins zu. Ist die Seele auch konservierbar? Hat der gefrorene Klumpen Gehirn ein Langzeitgedächtnis? Kann man Gefühle einfrieren und wieder auftauen? Erinnerungen? Gerüche? Nein, denn alles hat seine Zeit. Und solange du das nicht hast: dieses Stirb und Werde! Bist du nur ein trüber Gast auf der dunkeln Erde … (Goethe).

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski