Schlagwort-Archive: Gemeinwesen

Hartz IV

Hartz IV steht auf dem Prüfstand. Keiner will Hartz IV abschaffen, aber auch keiner will Hartz IV um jeden Preis behalten. Hartz IV hat einen üblen Beigeschmack. Es soll Menschen geben, die sich behaglich darin eingerichtet haben. Anderen verschafft es die Möglichkeit, einen Teil unserer Bevölkerung als Arbeitsverweigerer zu denunzieren. Schließlich bleiben diejenigen zu betrachten, denen mangels geeigneter Arbeit nichts Anderes übrigbleibt, als Hartz IV zu empfangen. Sie sind empört. Sie schämen sich. Sie stellen Ansprüche. Sie geben sich auf.

In einer gespaltenen Gesellschaft sind sie diejenigen, die man durchfüttern muss. Mit der Würde des Menschen, die nicht vom Einkommen abhängen darf, ist dies schwer zu vereinbaren. Deshalb denken nicht nur Politiker über ein Grundeinkommen für Bürger dieses Landes nach. Einige wollen dieses Grundeinkommen an eine gemeinnützige Tätigkeit koppeln, andere lehnen dies völlig ab. Man könne die Menschen doch schließlich nicht zur Arbeit zwingen, so heißt es. Das verstehe ich nicht! Unser Staat, unsere Ordnung hat doch immer mit Zwang zu tun, ob wir Steuern bezahlen, ins Gefängnis kommen oder unsere Kinder zur Schule schicken. Überall herrscht Zwang.

Der Zwang, etwas für unser Gemeinwesen zu tun, ist auch eine Ermächtigung, dies tun zu dürfen. Wenn ich etwas von anderen will, ist es auch meine Pflicht, etwas für andere zu tun. Die gesellschaftlich nützliche Arbeit kann beispielhaft sein und dazu führen, das wertzuschätzen, was wir geschaffen haben und zu zeigen, dass wir auch in der Lage sind, noch mehr zu schaffen, und zwar nicht nur im privaten, sondern auch im öffentlichen Raum. Wir könnten zum Beispiel Biotope anlegen, unsere Parks und Seen erhalten und für freundliche Viertel sorgen.

So werden wir alle, die sich engagieren, Vorbild für Andere und für uns selbst. Auch diejenigen, die bisher gedankenlos waren und nicht für die Erhaltung ihrer Umwelt eintraten, werden sich der mächtigen Wirkung des Vorbildes nicht entziehen können. Jeder, der in sozialen Medien aktiv ist, wird seine Chance nutzen, die sozialen Errungenschaften zu posten und damit auch Andere zum Mitmachen animieren. Was mit einer Pflichterfüllung beginnt, kann eine Bewegung werden. „Arbeit schändet nicht“, heißt ein altes Sprichwort.

Arbeit ist in der heutigen Gesellschaft nicht nur zum Broterwerb da, sondern dient auch der sozialen Bestätigung und Anerkennung. Dies rechtfertigt ein Grundeinkommen für alle Menschen, die einen Teil ihrer Lebensleistung für Dienste an der Gemeinschaft erbringen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski