Jetzt ist es amtlich. Wir haben die Ehe für alle. Jeder kann jeden heiraten, ob Frauen Männer, Männer Frauen. Männer Männer. Frauen Frauen. Genderneutral. Geschlecht spielt keine Rolle, nur irgendwie muss man vielleicht noch Mensch sein. Wir werden sehen, wohin das führt. Spielt es künftig bei der Ehe eine Rolle, ob Gliedmaßen maschinell ersetzt wurden oder das Herz transplantiert?
Auch aus Sicht der Ehe wird das Menschsein neu definiert werden müssen und bald stellt sich die Frage, ob nicht jedes auch uns ähnliche Tier nicht heiratsfähig ist. Es geht bei der Ehe vor allem um die treuliche Vor- und Fürsorge, die Solidarität bei der Entwicklung gemeinschaftlichen Lebens. Warum soll dies mit einem Affen oder treuen Hund nicht möglich sein?
Aber auch die Ehe mit sich selbst könnte an Attraktivität gewinnen, der Ehefähige – so er möchte – teilt sich auf in unterschiedliche Wesen. In jeder Frau steckt auch etwas Mann. Es ist eigentlich egal. In jedem Mann steckt auch etwas Frau und jeder hat eine gute und schlechte Seite. Jeder Mensch hadert einmal mit sich selbst, streitet gern und versöhnt sich wieder. Vor allem besteht ein dringendes Bedürfnis nach Selbsterhaltung und persönlicher Für- und Vorsorge, Komfort und Unterhaltung.
Das alles kann der Mensch ohne Weiteres ehebedingt mit sich selbst vereinen. Die Ehe mit sich selbst dürfte über das Ehegattensplitting auch eine steuerliche Anerkennung finden und bei entsprechender staatlicher Registrierung andere davon abhalten, sich in diese Ehe einzumischen. Der mit in selbst verheiratet ist, kommt auch nicht auf die Idee, sich selbst mit anderen zu betrügen. Und wenn er es tut, steht die Scheidung ins Haus. Dies könnte sich allerdings in dem einen oder anderen Fall als wohltuend erweisen.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski