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Ehe

Jetzt ist es amtlich. Wir haben die Ehe für alle. Jeder kann jeden heiraten, ob Frauen Männer, Männer Frauen. Männer Männer. Frauen Frauen. Genderneutral. Geschlecht spielt keine Rolle, nur irgendwie muss man vielleicht noch Mensch sein. Wir werden sehen, wohin das führt. Spielt es künftig bei der Ehe eine Rolle, ob Gliedmaßen maschinell ersetzt wurden oder das Herz transplantiert?

Auch aus Sicht der Ehe wird das Menschsein neu definiert werden müssen und bald stellt sich die Frage, ob nicht jedes auch uns ähnliche Tier nicht heiratsfähig ist. Es geht bei der Ehe vor allem um die treuliche Vor- und Fürsorge, die Solidarität bei der Entwicklung gemeinschaftlichen Lebens. Warum soll dies mit einem Affen oder treuen Hund nicht möglich sein?

Aber auch die Ehe mit sich selbst könnte an Attraktivität gewinnen, der Ehefähige – so er möchte – teilt sich auf in unterschiedliche Wesen. In jeder Frau steckt auch etwas Mann. Es ist eigentlich egal. In jedem Mann steckt auch etwas Frau und jeder hat eine gute und schlechte Seite. Jeder Mensch hadert einmal mit sich selbst, streitet gern und versöhnt sich wieder. Vor allem besteht ein dringendes Bedürfnis nach Selbsterhaltung und persönlicher Für- und Vorsorge, Komfort und Unterhaltung.

Das alles kann der Mensch ohne Weiteres ehebedingt mit sich selbst vereinen. Die Ehe mit sich selbst dürfte über das Ehegattensplitting auch eine steuerliche Anerkennung finden und bei entsprechender staatlicher Registrierung andere davon abhalten, sich in diese Ehe einzumischen. Der mit in selbst verheiratet ist, kommt auch nicht auf die Idee, sich selbst mit anderen zu betrügen. Und wenn er es tut, steht die Scheidung ins Haus. Dies könnte sich allerdings in dem einen oder anderen Fall als wohltuend erweisen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Hi!

Mündliche Begrüßungsformen: Guten Morgen Guten Abend Guten Tag Grüß Gott …

Schriftliche Begrüßungsformeln: Sehr Geehrter Liebe Verehrte …

Alles vorbei, tempi passati!

„Hallo“, das ist das Zauberwort der neuen Zeit und hat alle denkbaren Begrüßungsformen abgelöst, wie mir scheint sogar weltweit. „Hallo“ ist der Weckruf der Moderne, verkündet die Anwesenheit des Senders und bestätigt, dass der potentielle Empfänger dieser Kurznachricht von ihm wahrgenommen wird. „Hallo“ ist Emotion pur. Das „Hallo“ changiert als Begrüßungsformel von einem Juchzer bis zu einem depressiven Ausatmen.

Unvergesslich ist dabei Udo Lindenbergs „Hallöchen, Hallo“, wobei er einen spaßgefährdeten Ex-Regierungschef der DDR meinte. Aber so viel Vergnügen gönnen sich auch heute noch vor allem junge Menschen, die ihr „Hallöchen, Hallo“ munter durcheinanderzwitschern.

Weniger durch Emotion aufgeladen taucht das schriftliche „Hallo“ dagegen vor allem in den elektrisch versandten Briefen auf. Da ist „Hallo“ besonders praktisch, weil genderneutral und der Schreiber muss also überhaupt nicht überlegen, wem genau er jetzt gerade eine Mitteilung senden will oder muss, sondern ruft in den ungeheuren Raum des Brief- und Internetverkehrs sein „Hallo“, dessen Echo oft schon kurze Zeit später bei jemanden ankommt, sei dieser Mann, Frau oder …

Der Auftakt ist oft nur ein Klick und schon rattert die Botschaft los, taucht bei dem Empfänger auf, so wuchtig, dass auf ein Ende verzichtet oder ganz allgemein ein großes „LG“ angefügt wird. So verhält es sich wohl, aber ich bin nicht damit einverstanden. Ich stehe nicht auf „Hallo“. Ich will angemessen begrüßt und auch verabschiedet werden.

Was dem nicht genügt, geht zurück, an den Absender. Allerding überlege ich mir, ob ich mich auf Dauer den neuzeitlichen Begrüßungsritualen entziehen kann. Sollte ich mit meinen Vorbehalten scheitern, werde ich allerdings darauf bestehen, vor Abschaffung sämtlicher Begrüßungs- und Verabschiedungsmomente die Aufmerksamkeit zu gewinnen, mit einem hingehauchten „H“, das sich je nach Tageszeit und Inspiration in ein „Hi“, „Ha“, „Hu“, „Ho“, „Hü“, „Hä“ und „Hö“ verändern lässt.

Selbstverständlich kann ich auch bei Briefen auf diese Vielfalt zurückgreifen oder ich belasse es bei einem einleitenden und ausleitenden „H“, was immer das bedeuten und heißen mag. Wem „H“ nicht gefällt, kann selbstverständlich auch „Y“ oder „Z“ nehmen. So viel Individualität muss einfach sein.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski