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Preis

Alles hat seinen Preis! Wer hat diesen unerbittlichen Satz nicht schon öfters vernommen? Und er trifft ins Schwarze. Alles hat seinen Preis. Der Preis schafft ein Gleichgewicht zwischen den Ansprüchen und den Möglichkeiten, diese zu befriedigen.

Hätte die Verwirklichung unserer Ansprüche keinen Preis, wären sie uferlos. Der Preis dämpft unsere Möglichkeiten, spornt aber unsere Kräfte an und schafft denjenigen Vorteile, die sich schließlich den Preis leisten können. Ist das ungerecht?

Eher nicht, denn auch diejenigen, die sich einen höheren Preis als andere leisten können, werden sogar abwägen, ob sie zugreifen, oder vielleicht eher darauf setzen, dass der Preis nachgibt. So erkennen wir, dass der Preis eine Spiegelung unserer eigenen Verhaltensweise ist, unserer Begehrlichkeit, unseres Charakters, unserer Opferbereitschaft, unserer Begierde, unseres Verzichts und sogar unserer Vernunft.

So, wie der Preis damit Ausdruck unserer selbst ist, verleitet er uns, ihn zur Durchsetzung unserer Vorhaben zu nutzen und zu demonstrieren, dass wir größer, leistungsfähiger und sogar mächtiger als andere Menschen sind. Wir setzen die Preise fest. Indem wir den Preis aber instrumentalisieren und zum Maß aller Dinge machen, bewerten wir uns selbst und alle uns zur Verfügung stehenden Möglichkeiten zu handeln, zu tauschen, zu horten und umzuschichten.

Der Preis wird so das Gewicht, das die Waage zu bändigen vermag, Zukunft ermöglicht oder einschränkt. Der Preis bestimmt unseren Einsatz, kalkuliert unseren Gewinn oder besiegelt das Ende sämtlicher Möglichkeiten: Der Preis ist zu hoch.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Blickwinkel

So mancher erinnert sich gern an Friedrich Luft „Die Stimme der Kritik“ und auch viele mit etwas Beklommenheit an den Großmeister der Kritik Reich-Ranicki. Kritikern wie diesen sind Theater, Literatur und natürlich auch die Darbietungen von Opern und konzerntanten Stücken anvertraut. In den klassischen Disziplinen sind die Kritiker die höchsten Instanzen und weisen verbindlich für Zuschauer und Zuhörer den Weg zum Verständnis.

Durch die unerbittlich lobende Bewertung oder gleichermaßen unerbittliche Verurteilung eines künstlerischen Beitrags öffnen sie den Olymp oder sorgen dafür, dass ein Schafott nicht ungenutzt bleibt. Kritiker erfreuen sich ihrer Macht, die sie mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Emotionen verbindlich machen können. Die Kritik wirkt. Zuhörer und Zuschauer wollen sich in ihrer zustimmenden Anschauung bestätigt sehen oder im Widerspruch dazu.

Vor allem schlagen sie sich auf eine Seite. Sie sind der Meinung: Schauspieler können nicht spielen, Dirigenten nicht dirigieren, ganze Orchester nicht musizieren und so mancher Schriftsteller überhaupt nicht schreiben. Andere wiederum werden über den grünen Klee gelobt. Alles verständlich, aber so frage ich mich: Ist das alles? Kann nicht ein schlecht gespieltes Theaterstück auch inhaltlich stark sein und zur eigenen Orientierung beitragen? Kann das nicht für alles gelten, was wir erleben?

Wenn wir statt mit Ablehnung zu reagieren, versuchen zu verstehen und das Erfahrene in unseren Vorstellungen entspiegeln, schafft das nicht eine Souveränität jenseits der Bevormundung? Kritiken können dabei sehr hilfreich sein, wenn sie uns Werkzeuge für die eigene Beurteilung an die Hand geben und unsere Beurteilung sich nicht auf das Offensichtliche beschränkt, sondern den Gewinn daran misst, dass uns Gelegenheit geboten wird, unsere Erfahrungen selbst anzureichern und daraus zu lernen. In diesem Sinne profitiere ich von jedem künstlerischen Angebot. Es ist einfach eine Frage der Perspektive, welchen persönlichen Nutzen ich daraus ziehe.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Fremdes

Unser Leben besteht aus Selbstversicherungen. Wir gestatten uns, auf Wagnisse nur kontrolliert einzugehen oder im Spiel, weil es da nichts kostet. Bei allen anderen möglichen Wagnissen in unserem Leben rechnen wir das Risiko mit dem Gewinn auf, und zwar auch dann, wenn dieser sich letztlich nicht einstellen sollte.

„Wer wagt, gewinnt“, so heißt es zwar im Sprichwort, aber in Wirklichkeit ist uns das unbekannte Risiko nicht geheuer. Das ist zum einen genetisch bedingt, zum anderen fehlt uns die positive Erfahrung mit dem Fremden, dem Unbekannten, dem Wagnis. Dabei haben wir die ungewissen Möglichkeiten doch ständig im Blick, ob bei der Geburt oder dem ersten Baumausschlag im Frühling.

Diese Fremdheit anzunehmen, könnte sich bewähren. Sie kann auch methodisch gutgeheißen werden. Ganz anders verhält es sich allerdings mit Risiken, deren Wirkung wir nicht von vornherein abschätzen und kalkulieren können. Diese Fremdheit macht uns nicht nur Angst, sondern steht auch in Konkurrenz zu unserer Gewissheit. Das Fremde könnte uns herausfordern, uns überlegen sein. Deshalb sind wir gegenüber dem Fremden, selbst wenn es uns nützen könnte, eher kritisch und ablehnend.

Dabei ist es nur eine Frage der Anschauung und des Vertrauens, zu sehen, wie sich das Fremde entpuppt, ihm eine Chance zu geben und auf den eigenen Mehrwert bei der möglichen Bereicherung unseres Lebens zu hoffen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Höher. Schneller. Weiter.

Der Fortschritt unserer Gesellschaft wird in Geld gemessen. Mehr Geld bedeutet mehr Mög­lichkeiten des Konsumierens, des Prestiges und der Sicherheit. Der Kunde ist König. Keine Rede davon. Der Kunde ist ein Betriebsmittler zwischen Warenabsatz und Gewinn. Dieser Betrieb muss am Laufen gehalten werden, allein deshalb ist der Mensch wichtig und wird zu seinen Kaufentscheidungen verführt durch Bilder wie Imagegewinn und Freiheit. Das scheint zwar manchen Menschen lästig zu sein und dennoch ändert sich nichts. Kein Appell an ein anderes Kauf- und Konsumverhalten, kein Appell an Klima- und Energievernunft wird jemals erfolgreich sein. Alle Menschen sind interessensgesteuert. Es entspricht dem menschlichen Interesse, am Fortschritt beteiligt zu sein und nicht zu verlieren, sondern immer nur zu gewinnen. Aber den erhofften Gewinn einzufahren, wird immer verlustreicher. Der Mensch muss immer mehr arbeiten, um seinen Lebensstandard zu halten, seine Lebenszeit verkaufen, um Verluste aus­zugleichen, sich als Konsument und Warenbeschaffer auf dem Markt permanent anbieten. Er kommt nicht zur Ruhe und muss sich ständigen neuen Herausforderungen an seine Leistungs­bereitschaft stellen. Schneller, höher, weiter. Der Kampf scheint aussichtslos und dabei haben die Menschen und damit auch die gesamte Gesellschaft selten eine Einrichtung im Visier, die für die gesamten Lebenshetze mit verantwortlich ist: den Staat. Gemeint ist hier der Staat in seiner Selbstherrlichkeit als Feudalherr und Steuereintreiber. Er achtet darauf, dass die Ent­faltungsmöglichkeiten seines untertänigen Bürgers die von ihm verordneten Begrenzungen erfahren. Diese sollen ihn anstacheln, die vom Staat bewirkten Begrenzungen seiner bürgerlichen Möglichkeiten immer wieder zu überwinden zu versuchen, mit dem Ziel, eine per­manente Mittelbeschaffung aufrechtzuerhalten. Am Ende muss er sich doch erschöpft eingestehen, dass seine eigene Gestaltungsfreiheit unter die Räder gekommen ist. Nicht der Bürger gestaltet, sondern der Staat. Nicht der Bürger entscheidet für sich, was er will, was ihm gut tut und worin er die Prioritäten seines Handelns zu sehen hat, sondern der Staat, indem er ihm die Mittel zur Selbstverwirklichung entzieht und die von ihm selbst gewünschten Prioritäten des gesell­schaftlichen Handelns seines Untertanen durch finanzielle Leistungsanreize schafft. An der Policy allerdings, die diesem staatlichen Masterplan zugrunde liegt, hat der Bürger zu keiner Zeit mitgewirkt. Mangels Übersicht macht er dennoch auf eine eingefahrene Art und Weise weiter und empfindet jeden Appell an seine Mitwirkungsbereitschaft trotz aller anderweitigen Bekundungen zum Beispiel in den Be­reichen des Umweltschutzes, der Energie und der Gesundheit im Grunde als Zumutung. Der Staat selbst hat ihm verdeutlicht, dass Sparen keine Zinsen bringt, sondern der Mensch sich der staatlichen Fürsorge anvertrauen, konsumieren und sich am Ende selbst verschwenden soll.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski