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Flippern

Überall locken uns Angebote mit der Möglichkeit zu gewinnen oder auch zu verlieren. Wie auch im Leben, stellt sich mir beim Flipperautomaten die Frage, mit welchem Schwung ich die Kugel in ihre Umlaufbahn schicke, welche Ziele ich mit ihr ansteuere und welche ich dann zufällig auch erreiche. Ja, aus früheren Zeiten ist mir der Flipperautomat mit seinen vielfältigen Wegführungen, Leuchten und Klangschalen wohl vertraut. Manchmal muss, um die Kugel in die gewünschte Richtung zu lenken, der Automat selbst kraftvoll bewegt werden. Aber dabei ist Vorsicht geboten, denn sonst ist es unvermeidlich, dass ein „Tilt“ auf der Anzeige aufleuchtet und nicht nur das schöne Vorhaben selbst, sondern auch der gesamte Gewinn durch systemisches Eingreifen der Mechanik verhindert wird. Der Gewinn ist also „perdu“. Wie bei der Maschine ist es auch im Leben:

Einsatz, Spiel und Klang, dann aber eine falsche Bewegung: „Tilt!“ So ist von dem Automatenspiel eine Botschaft für das Leben mitzunehmen, dass der Einsatz immer wieder zu wagen ist und ggf. auch durch Rütteln und Schütteln und trotz aller Hindernisse Wege gewiesen werden, die gewinnversprechend sein können.

Dabei verstehe ich unter Gewinnen selbstverständlich nicht nur wirtschaftliche Gewinne und gesellschaftlichen Glanz und Klang, sondern den Gewinn, der im Spielen selbst besteht, wenn der Teilnehmende Hindernisse als Herausforderungen begreift und alle Begegnungen mit unerwarteten Vorkommnissen für ihn Bereicherungen darstellen. Selbst in einem metaphysischen Sinne verschafft uns die Fähigkeit zu flippern, eine Ungebundenheit, trotz eines „Tilt“ nicht aufzugeben, sondern alle Klänge des Lebens durch unseren Einsatz zu bestätigten, Wege zu wechseln, Zufälle und Hindernisse als Bereicherung zu begreifen und uns selbst eine Chance zu geben, den Zufall als eine konstante Erfahrung in unser Leben zu integrieren.

Das Spiel ist mit dem Leben verwandt und wir können von unserem Einsatz profitieren, wenn wir das im Spiel angelegte Muster begreifen und uns von einem „Tilt“ nicht abschrecken lassen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski