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Grenzwege

Niersbach, Hoeneß, Beckenbauer … und viele andere mehr. Sie alle gehen bzw. gingen an die Grenzen ihrer rechtlichen und moralischen Belastbarkeit, oft nicht nur aus niedrigen, selbstsüchtigen Motiven heraus, sondern weil sie zu Grenzgängern gemacht wurden oder dies sein wollten. Bis an „seine“ Grenze zu gehen ist in unserer Gesellschaft eine Selbstverpflichtung jedes Erfolg suchenden Sportlers, Geschäftsmanns oder Künstlers. Das hat mit Anerkennung zu tun aber auch mit dem implizierten Scheitern, das jedem Grenzgänger Angst macht. Hoffentlich kommt nicht heraus, wie alles war.

Der Leistungsdruck ist enorm und wir, die Grenzgänger, sind zum eigenen Schutz zunächst temporär vergesslich. So setzen wir auf die Ahnungslosigkeit anderer. Es stimmt aber nicht. Alles kommt irgendwann an den Tag und Opfer ist der Verstrickte, zuweilen noch vor dem Täter. Der Täter, der Abgasmanipulation an Autos zum Beispiel zu verantworten hat, forderte seine Mitarbeiter nicht auf, dies zu tun, sondern er verlangte einfach eine Maßnahme, die zwangsweise wegen fehlender Alternativen zur Manipulation führte. So haben sich auch in allen Unrechtsstaaten die Täter freizuwaschen versucht. Dies kann und darf aber nicht gelingen.

Der Grenzgänger aus eigenem oder fremdem Antrieb ist eine Gefahr für sich und für uns, da das Entdecktwerden auch fremder Tat gesamtgesellschaftlich beschädigend wirken kann. Dabei ist zu denken an die hohen Verluste, auch Steuerverluste bei VW und die Skandalbelastungen rund um die FIFA und den Deutschen Fußballbund. Aber alle, die die Gunst der Stunde zu einer Abrechnung mit Grenzgängern nutzen wollen, mögen in den eigenen Spiegel schauen und auch bedenken, dass Grenzgänger meist auch an Wundern mitwirken, wie dem deutschen Fußballsommermärchen. Über dies wird hier noch lange gesprochen, wenn von den Drahtziehern, Hintermännern und Grenzgängern kaum einer mehr bekannt ist.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski