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Dienst an der Gemeinschaft

Wer erinnert sich noch an das Haushaltsjahr, welches für junge Frauen in den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts verpflichtend war? Erinnert sich auch noch jemand daran, dass die Teilnahme am Grundwehrdienst oder Ersatzdienst für junge Männer ebenfalls verpflichtend war? Als der damalige Verteidigungsminister von Guttenberg für die Abschaffung dieser Dienste sorgte, waren viele damit einverstanden. Der Staat hatte weniger Ausgaben und junge Männer früher die Möglichkeit, sich beruflich zu bewähren oder weiter zu qualifizieren, Familie zu gründen, überhaupt ein freieres Leben zu führen.

Doch was ist daraus geworden? Junge Menschen haben mehr Zeit für sich, lernen aber nicht, dass auch die Gemeinschaft sie beanspruchen darf. Eine Gemeinschaft räumt zwar Rechte ein, mutet aber auch Pflichten zu, die jeder lernen muss, ihr gegenüber zu erbringen. Wenn aber der organisierte Anstoß fehlt, wie sollte dies gelingen? Die Menschen dieser Gemeinschaft, also auch unsere Kinder, werden älter und sind auf Hilfe angewiesen. Wer soll, wenn junge Menschen keine Möglichkeit hatten, diese zu erproben, jemals eine solche Aufgabe übernehmen?

Die Aufnahme von Menschen in eine Gemeinschaft hat immer auch mit Ausbildung zu tun. Ist diese unterblieben, kann der Mensch in der Gemeinschaft nicht ankommen. Eine Gemeinschaft, die alle Belastungen des Einzelnen entsorgt, stellt letztlich ihre eigenen Regelungen in Frage. Wir müssen uns dann nicht wundern, wenn die Gemeinschaft insgesamt zur Disposition steht. Gemeinschaftsaufgaben zu erfüllen, war und ist – zudem für junge Menschen eine gute Möglichkeit sich zu beschäftigen, ohne dass dabei ein bestimmtes Berufsziel verwirklicht werden muss.

Retten, pflegen und schützen. Alles Bereiche, die für die Verfassung einer Gemeinschaft unabdingbar sind. Es gilt diejenigen, die Verantwortung für unsere Gemeinschaft in leitender Funktion tragen, daran zu erinnern, dass auch sie verantwortlich sind für das im Zuge falsch verstandener Individualisierung und Abbau von Gemeinschaftsaufgaben schwindende Bewusstsein vieler Menschen, füreinander einstehen zu müssen. Mit Elterngeld und anderen wohlmeinenden Zuwendungen des Staates ist dies nicht getan. Nur durch die Strukturierung und Vermittlung gemeinschaftlicher Aufgaben können wir unseren den Gesetz und Regeln innwohnenden Werten eine bleibende Bedeutung sichern.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski