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Plurale Ökonomie

Unsere Ökonomie wird geprägt von Ressourcen und deren Verfügbarkeit, dem Güterumwandlungsprozess durch Mensch und Maschine, Nachfrage und Vertrieb, Logistik, Zeit, Kredit, Umstände, Zufall, Verstand, Gefühl, Erfindungsgeist und Digitalisierung.

In einer pluralen Ökonomie verbinden sich soziale Marktprozesse mit geschäftlichen und erzeugen ein dialogisches Geschäftsmodell, in dem sich die Beteiligten verabreden, ein Produkt zu schaffen und auch abzunehmen. Ohne die Abnahme des Produkts hat dieses keinen Sinn. Deshalb ist jede Herstellung eins Produkts schon auf dessen Abnahme vom ersten Moment des Herstellens an fixiert, und zwar nicht bezogen auf das einzelne Produkt, sondern systemisch.

Systemisch ist es also möglich, völlig nutzlose Produkte herzustellen, für die Nachfrage besteht oder, wenn diese nicht besteht, sie zu provozieren. Das Produkt ist also nicht wichtig, sondern nur die Provokation, welches von ihm ausgeht, um Nachfrage zu stimulieren. Um diese Nachfrage zu stimulieren, werden Menschen mit Krediten oder auch einem sogenannten Grundeinkommen ausgestattet, das den Kreislauf erhält, den Warenabsatz sichert und die soziale Selbstbelohnung innerhalb einer Gemeinschaft gewährleistet.

Die unterschiedlichen Geschwindigkeiten der Warenakkumulation und Mittelbeschaffung wirken sich einerseits stimulierend, andererseits sozial bedenklich aus. Die Verschuldung der Menschen zugunsten der Produzenten und Absatzmanagern wird vielfach als ungerecht empfunden. Naheliegend ist, die Mittel umverteilen zu wollen, wodurch allerdings die Bereitschaft schwindet, zugunsten eines höheren Risikos Produkte zu schaffen, deren Nutzen nicht verbürgt ist, also das Risiko des Scheiterns besteht. Etwas anderes kann allerdings dann gelten, wenn das Geschäftsmodell nicht in erster Linie die Geschäftsinteressen des Produzenten und seiner Entourage bedient, sondern der Impuls zur Produktherstellung vom Konsumenten ausgeht und dadurch ein dialogisches Geschäftsmodell entwickelt wird.

Dies muss bei Aufnahme des Dialogs nicht von vornherein in allen Punkten ausformuliert sein, um den Absatz zu gewährleisten, sondern entsteht – wie weitgehend auch in allen digitalen Prozessen durch Reaktion und Gegenreaktion bis das Sublimat gemeinsamer Entwicklung erreicht ist. Damit werden auch alle Gerechtigkeitsdefizite aufgelöst, denn jeder erhält, was er beabsichtigte. Die Risiken sind verteilt, die Möglichkeiten, neue Produktentwicklungen anzugehen, weit vielfältiger denkbar als in der Old Economy.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski