Schlagwort-Archive: Hamburg

Zufälle

Ein flüchtiger Blick auf die Uhr. Es ist 12.12 Uhr. Eine nicht verbredete Begegnung mit einem guten Freund aus Berlin, zum Beispiel auf dem Jungfernstieg in Hamburg oder in der MoMA in New York. Oder, das richtige Kreuz auf dem Tippschein? Alles Zufälle? Ja und nein.

Wer nicht Lotto tippt, kann auch nichts gewinnen. Wer nicht nach Hamburg oder New York fährt, wird dort auch keinem Freund begegnen. Der Blick auf die Uhr mit ähnlichen symmetrischen Ergebnisse ist jede Stunde möglich. Wir zählen auch nicht, wenn es nicht klappt. Also, nichts Besonderes?! Ja und nein.

Bestimmte Menschen nehmen die ihnen zufallenden Umstände wahr, andere nicht. Zufälle sind abhängig von Zeit und Gelegenheit, auf die wir durchaus Einfluss nehmen können. Zufälle sind also geplante Ereignisse, die sich erst in einen bestimmten Moment bewähren. Den Herstellungsprozess für Zufälle können wir uns vielleicht so vorstellen: alle Möglichkeiten zum Beispiel eines Lottogewinns, einer Begegnung oder sonstigen Ereignisses werden durch Siebe geschüttet, die sich immer mehr verjüngen, bis schließlich nur noch eine Möglichkeit im bewahrenden Moment durch das Sieb aufgefangen wird. In dieser Sekunde wird deutlich, dass der Zufall folgerichtig und unausweichlich ist.

Es ist an uns, die Zutaten in Siebe zu geben und sie so fein zu filtern, dass sie den uns überraschenden Erwartung entsprechen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

G 20

Endlich! Der Spuk ist vorbei. Hamburg ist wieder befreit aus der Geiselhaft von über 20 Staatenlenkern plus Anhang und Sicherungskräften. Hamburg ist wieder befreit von Chaoten, denen Politik völlig gleichgültig ist. Diesen geht es um Rabatz und Bestätigung ihrer kriminellen Energie unter dem Schutz der Demonstrationsfreiheit und klammheimlicher Solidarität notorischer Misanthropen.

Der G 20-Gipfel wird nicht als schön und auch nicht als besonders erfolgreich in Erinnerung bleiben. Wahrscheinlich kann sogar behauptet werden, er war im behaupteten Sinne überhaupt nicht erfolgreich, da er wenig gebracht, aber viel gekostet habe. Es ist völlig legitim, all dies zur Sprache zu bringen und schließlich auch, völlig zu Recht, darauf zu verweisen, dass es eine unerträgliche Zumutung ist, Hamburg für solche Formate zu beschlagnahmen.

In Hamburg leben Bürger, Menschen, die arbeiten müssen, einkaufen gehen wollen und flanieren. All dies war nicht oder nur eingeschränkt möglich. Nun ist ein Teil dieser Stadt zerstört und muss wieder aufgebaut werden. Was bleibt: Wut, Hass und Erleichterung. Es ist vorbei. Die Krawalle erfolgten auf Ansage, es verbarg sich schon in der Ankündigung, die Politiker des G 20-Gipfels in die „Hölle“ zu schicken und fand sich bestätigt in der puren Aggression eines schwarzen Blocks.

Es ist der Polizei und der Polizeiführung zu danken, dass es nicht weitere Eskalationsstufen, insbesondere Tote gegeben hat. Es gab auch richtige Demonstrationen. Deren Aussagekraft überdauerten leider den Gipfel nicht. Eindrucksvoll waren für mich allerdings Demonstranten, die mit Lehm verkleidet auf Zerstörung und Armut in der Welt hingewiesen haben. Sie haben uns vor Augen geführt, dass wir nicht nachlassen dürfen, um uns über das Elend der Welt Gedanken zu machen und Lösungen anzustreben. Diese Demonstrationen benötigen allerdings nicht den G 20-Gipfel, denn dort werden sie ohnehin nicht wahrgenommen. Bei dem Treffen der Staatenlenker geht es vor allem um das Austarieren von Chancen und Möglichkeiten, frei nach dem Dealgedanken: Gibt’s du mir, dann gebe ich dir.

Es ist illusorisch anzunehmen, dass irgendetwas ohne Gegenleistung funktioniert. Es geht darum, dass bei solchen Gipfeln Leistungsanreize geschaffen und die Möglichkeiten eröffnet werden, neue Verbündete zu suchen oder realpolitische Partnerschaften zu verfestigen. Wo sonst sollten sich Putin und Trump treffen? Wo sonst könnte Herr Erdogan erfahren, was andere Staatsoberhäupter von ihm denken? Begegnungen der Politiker untereinander macht nicht den gesamten Gipfel aus, aber prägen ihn nachhaltig.

Die, die behaupten, der Gipfel bringe überhaupt nichts, verkennen völlig ihre eigene Bedeutung und Stärke. Aber Demonstrationen können nur dann etwas bewegen, wenn sie integrativ als Richtschnur für eigenes und fremdes Handeln wirken. Nicht Andere müssen machen, sondern wir, sei es bei der Wahl unserer Politiker, sei es bei unserem Engagement für andere Menschen durch Tätigwerden vor Ort oder durch Spenden und tägliche Zuwendungen gegenüber Dritten. Nur geben gibt, nicht schreien und Schuldzuweisungen, so war auch dieser G-20-Gipfel wieder ein Lehrstück für uns. Wir sollten anfangen zu lernen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski