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Der große Bluff

Es gibt eine Form des Bluffs, die beruht auf Lügen und Intrigen. Es gilt, einen   anderen Menschen so hereinzulegen, dass dieser erst nach vollendeter Tat weiß, wie ihm geschehen ist. Dabei geht es nicht nur um Schadenfreude des Veranlassers, sondern auch um den damit gesicherten Erfolg. Es gibt eine andere Form des Bluffs, die andere nicht beschädigt, aber auch zum Ergebnis führen kann. Diese Form des Bluffs beruht auf einem rein taktischen Verhalten, schafft ein Klima des Vertrauens und gibt dem potenziellen Kontrahenten Gelegenheit, seinen Standpunkt in völliger Ruhe umfassend auszubreiten. Der Bluff besteht darin, dass er sich von der ersten Begegnung an bis zum letzten Wort sicher wähnt, dass seine Art der Betrachtung wenn auch nicht die richtige, so doch die erfolgreiche sein wird. Es ist aber hier nicht der Triumph des letzten Wortes, das zählt, sondern die Aufnahme des Gesprächs zu einem Zeitpunkt, zu dem jedenfalls aus Sicht des Kontrahenten überhaupt nichts mehr fragwürdig erscheinen sollte. Dem Kontrahenten recht zu geben und gleichzeitig die Ergebnisse seiner Darstellung infrage zu stellen, entfesselt Kontroversen, die sich im Kontrahenten selbst abspielen und ihn in seiner Sicht der Dinge verunsichern. Der Angriff ist gelähmt, die bösen Argumente meist verschossen und was bleibt, ist oft der Wunsch nach Versöhnung. Das ist ein gutes Ergebnis für alle Beteiligten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski