Schlagwort-Archive: IS

Nahostkrieg

Dieser barbarische Krieg in Syrien verstört uns alle. Wir können die Bilder der Zerstörung, der fliehenden Menschen, des Terrors und des Todes nicht mehr sehen. Der Krieg und das Morden des IS soll endlich aufhören. Wir wünschen uns eine friedliche Welt in gesicherten Grenzen. Wir wünschen uns Anstand und Wohlstand. Wir sind besorgt über das Engagement der Russen und der Amerikaner in diesem Krieg und wollen auf keinen Fall mit hineingezogen werden.

Wir Europäer, nein wir Deutsche, sagen Schluss mit diesem Krieg, der uns Flüchtlinge beschert und Konsequenzen für uns haben kann. Es ist naheliegend, dass wir unsere Sicht auf die kriegerischen Auseinandersetzungen im Nahen Osten haben, aber unsere Sichtweise korrespondiert nicht unbedingt mit den Perspektiven der Menschen in den Kriegsgebieten und der Konfliktparteien.

Wir können uns gar nicht klarmachen, dass unsere Mentalität eine andere ist. Familienclans nehmen in diesen Ländern großen Einfluss und wollen ihre Macht erhalten. Es geht um wirtschaftliche Verteilungskämpfe und religiöse Führerschaft. Es geht aber auch um Menschen, denen oft ihr Stolz mehr bedeutet als Barmherzigkeit. Das Narrativ arabischer Völker ist mit Sicherheit kein europäisches, sondern eine solches, das in den Konfliktgebieten zu Hause ist. So furchtbar dies für unsere Ohren klingen mag, diese Geschichten müssen zu Ende geschrieben bzw. zu Ende gelebt werden.

Wir haben durch unsere Einmischung schon unendlich viel gestört und zerstört und können uns durch Perpetuierung unserer Einmischung nicht entlasten, sondern nur weiter schuldig machen. Einen europäischen, einen amerikanischen oder russischen Friedensplan wird es für die arabischen Länder niemals geben. Wir sind es, die mit unseren Strategien den Krieg immer weiter befeuern, mit Waffenlieferungen und Einmischung dafür sorgen, dass Israel geschützt – was richtig ist – aber Frieden aussichtslos bleibt.

Der Iran, Saudi-Arabien und Ägypten erkennen bereits jetzt, dass die Zerstörung keine weiteren Vorteile mehr bringt und werden den Krieg beenden, wenn wir uns aus ihm ebenfalls zurückziehen. Der Preis, den wir für unsere Einmischung bereits gezahlt haben, ist hoch. Er fällt noch höher aus, wenn wir so weitermachen, wie bisher. Einen Assad zu verhindern, ist menschlich verständlich, aber politisch absurd. Mit unseren Vorstellungen von Demokratie, Freiheit und Staatlichkeit haben diese Konflikte überhaupt nichts zu tun.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Hauptsache, wir haben Spaß

Was uns internatio­nal und national inzwischen angeboten wird, scheint den Rahmen des verständlichen Irrsinns zu sprengen. Aber dennoch schauen wir interessiert zu und warten auf immer neue unterhaltsame Varianten. Ein dazu passender Werbespruch lautet: Hauptsache, ihr habt Spaß. Ja, mit Pokemon, IS und Erdogan lässt sich viel Spaß haben. Dann dieser Spaßvogel Trump aus den USA und unser neuer britischer Außenminister Johnson.

Ein Zirkus und es scheint mir, als wäre es verwerflich, überhaupt noch einen Gegenentwurf zu entwickeln. Allenthalben Beschwichti­gungen und Appelle: Die Rechtsstaatlichkeit muss gewahrt bleiben, die Wirtschaft dürfe nicht leiden und auch weder Schnecken noch Fledermäuse. Überhaupt scheint sich die traditionelle Demokratie der Repräsentation und der Gewaltenteilung auf dem Rückzug zu befinden, be­gleitet vom nächtlichen Applaus der Bürger und verunsicherten Politikern.

Erdogan ist sich sicher, die Mehrheit seiner Türken steht hinter ihm. Na klar, jetzt sind sie dran und dürfen mit präsidialer Ermächtigung losziehen, um es anderen so richtig zu besorgen, insbesondere den Intellektuellen und Weintrinkern. Der Kater dann irgendwann, wie in Venezuela. Next Generation! Gibt der Minderheit gar keine Rechte mehr. Das ist türkische Politik. Verbau der Mehrheit künftig alle Möglichkeiten und Rechte. Das ist britische Politik, auch sehr demokratisch. 35 % alter Män­ner in Großbritannien schaffen an einem Donnerstag flux die Errungenschaften von Jahr­zehnten ab und lassen die Zukunft überhaupt nicht zu Wort kommen.

Ich bin für die Einfüh­rung des Kinderwahlrechts. Hätten die Eltern in Großbritannien Gelegenheit gehabt, verant­wortungsvoll die Stimmen ihrer Kinder wahrzunehmen, ein Brexit wäre niemals geschehen. Wie doof müssen wir eigentlich noch werden, ohne Policies zu entwickeln, die eine eigene strategische Handschrift aufweisen. Ob dies die Türkei betrifft, Russland oder die USA? Ja, es geht uns gut und feiern ist ja auch sehr schön. Noch.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski