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Zufälle

Ein flüchtiger Blick auf die Uhr. Es ist 12.12 Uhr. Eine nicht verbredete Begegnung mit einem guten Freund aus Berlin, zum Beispiel auf dem Jungfernstieg in Hamburg oder in der MoMA in New York. Oder, das richtige Kreuz auf dem Tippschein? Alles Zufälle? Ja und nein.

Wer nicht Lotto tippt, kann auch nichts gewinnen. Wer nicht nach Hamburg oder New York fährt, wird dort auch keinem Freund begegnen. Der Blick auf die Uhr mit ähnlichen symmetrischen Ergebnisse ist jede Stunde möglich. Wir zählen auch nicht, wenn es nicht klappt. Also, nichts Besonderes?! Ja und nein.

Bestimmte Menschen nehmen die ihnen zufallenden Umstände wahr, andere nicht. Zufälle sind abhängig von Zeit und Gelegenheit, auf die wir durchaus Einfluss nehmen können. Zufälle sind also geplante Ereignisse, die sich erst in einen bestimmten Moment bewähren. Den Herstellungsprozess für Zufälle können wir uns vielleicht so vorstellen: alle Möglichkeiten zum Beispiel eines Lottogewinns, einer Begegnung oder sonstigen Ereignisses werden durch Siebe geschüttet, die sich immer mehr verjüngen, bis schließlich nur noch eine Möglichkeit im bewahrenden Moment durch das Sieb aufgefangen wird. In dieser Sekunde wird deutlich, dass der Zufall folgerichtig und unausweichlich ist.

Es ist an uns, die Zutaten in Siebe zu geben und sie so fein zu filtern, dass sie den uns überraschenden Erwartung entsprechen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski