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Impact Investing

Es ist entspricht der DNA einer Stiftung, Kapital einzuwerben, Erträge zu generieren und den Stiftungszweck zu erfüllen. Abgesehen von dieser eher funktionalen Betrachtungsweise wohnt der Stiftung aber auch eine Bedeutung inne, die darüber hinaus reicht. Jede Stiftung verfolgt eine Mission im Sinne ihres Zwecks. Mit Gründung einer Stiftung gewinnt dieser Zweck an Priorität gegenüber der Willensmacht und den Interessen eines Stiftungsorgans.

Die Mission be­stimmt den Mittelerwerb und die Mittelverwendung, das Anlageverhalten und die Integrität aller Gremienmitglieder der Stiftung. Es geht um die Sache an sich, sei es bei der Mehrung des Stiftungsvermögens durch Aktien oder Beteiligung an Fonds oder den Erwerb, Ausbau und Vermietung von Immobilieneigentum der Stiftung. Stets ist die Mission der Stiftung Leitstern ihres Verhaltens.

Nicht optimale Einnahmen, Gewinne oder lautstarke Zweckverwirklichungsmaßnahmen sind die Merkmale guten Stiftungsverhaltens, sondern die Beachtung der verpflichtenden Mission. Entsprechend wird sich die Stiftung nur an Fonds beteiligen oder Aktien erwerben, die dieser Mission nicht widersprechen, bei der Errichtung von Gebäuden auf eigenem Grund und Boden darauf achten, dass nur zeitgemäße umweltfreundliche Materialien verwendet werden, die Beschaffenheit und Größe von Wohnungen weniger den Profitinteressen als den Anliegen der Mieter dienen und schließlich der durch die Mission der Stiftung gesetzte Rahmen auch bei der Bemessung des Mietzinses nicht überschritten wird.

Nur im Zusammenwirken aller bei der Stiftungserrichtung bedachten Faktoren im Sinne eines die Einzelinteressen übersteigenden Anliegens wird die Stiftung ihrer Bedeutung auf Dauer gerecht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Freiheit. Gleichheit. Brüderlichkeit.

Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, die Aufbruchssignale der französischen Revolution haben ihre verbale Ausdrucksstärke nicht verloren. Wie steht es aber mit deren Inhalten? Verwirklicht wurden Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit nie und nirgendwo. Das ist reine Utopie. Taugt der Aufruf demnach als Erinnerung an eine Möglichkeit und wird diese zumindest teilweise ver­wirklicht?

Ich denke schon, vielleicht aber in einem anderen Kontext, als die Utopisten es sich vorgestellt oder gewünscht hätten. Unsere Freiheit wird bezweifelt. Es wird behauptet, der Mensch sei nur scheinbar frei, weil das Kapital ihn ausbeute. Abhängig von den Ausbeutungsstrukturen des Kapitals, verpflichte sich der Mensch als Konsument und betreibe – sich selbst ausbeutend – auch noch die Zerstörung seiner eigenen Umwelt. Schuldig mache er sich dabei nicht, denn die Verantwortung trage nicht er, sondern das ihn bestimmende internationale Kapital. Ist das richtig?

Ich glaube das nicht. Ich verkenne zwar nicht die offensichtlichen Mängel und Ungerechtigkeiten des Systems, aber jeder Mensch einzeln oder in der Gruppe, hat Spielräume. Der Mensch ist der Souverän seines Handelns und kann Zeichen setzen, in dem er etwas tut oder nicht tut. Er kann bis zur Selbstaufgabe konsumieren, muss es aber nicht. Dieses Wahlrecht hat der Mensch. Dieses Wahlrecht ist Ausdruck von Freiheit, die es ihm ermöglicht, seine Würde zu erhalten. Wenn die Nachfrage nach billigem Fleisch nicht mehr besteht, wird es das billige Fleisch nicht mehr geben und die Nitratverseuchung in unserem Land abnehmen. Werden keine Dieselfahrzeuge mehr gefahren, schwindet nicht nur die Feinstaubbelastung in den Städten, sondern der Mensch wird ermutigt, sich anderen Anforderungen zuzuwenden.

Warum widerstehen wir nicht dem Fetisch Finanzen? Warum denken wir nicht unter Genossenschafts- und Allmendegesichtspunkten über die Gestaltung unserer Zukunft nach? Historisch gesehen vermochten auch die Anarchisten es nicht, die Menschen im Geben und Nehmen zu vereinen, sondern aus dem Wettbewerb des Nehmens entwickelten sich Ungleichheiten, die unser Leben bestimmen. Wenn wir Gerechtigkeit anmahnen, erwarten wir Umverteilung und sehen darin die Gleichheit verwirklicht. So wird Gleichheit allerdings auch in Deutschland nicht gelingen, solange wir zögern, selbst attraktive Denk- und Handlungsangebote zu unterbreiten, statt an andere zu appellieren, die Gleichheit herzustellen.

Nur wenn wir selbst geben und nicht fordern, sind wir frei und auf Augenhöhe mit anderen Menschen dieser Gesellschaft und fangen an, die Brüderlichkeit zu verwirklichen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski