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PHILANTHROPIE UND MENSCH

Ein nahe liegender Einwand gegen die hier vorgestellten Ansichten könnte lauten: Es wäre zwar gut, wenn es eine philanthropische Gesellschaft gäbe, aber der Mensch ist noch nicht so weit oder kann das nie schaffen. Der Mensch sei, so wird behauptet, egoistisch und bequem. Des Weiteren verfüge er über ein großes Repertoire an Ausreden und Lügen, liebe die Spekulation und die Macht.

Es ist müßig, dagegen anzuargumentieren, entscheidend ist, aus den menschlichen Fehlern und Schwächen einen positiven Impuls abzuleiten und aufzuzeigen, dass der Mensch nebst seinem Drang, auch Gutes zu tun, gerade aufgrund der oben beschriebenen Eigenschaften wach, aufmerksam und im Sinne der Evaluierung eines Produktes konkurrenzfähig bleibt. Es ist unser gemeinsames Anliegen, den Dingen einen eigenen Wert zu verleihen, d. h. klarzustellen, dass gesellschaftliche Anerkennung nicht mehr primär nur über Geld erkauft werden kann, sondern durch eine besondere Art der gemeinnützigen Leistung im Verbund mit anderen Menschen. Dies schließt weder Individualität aus, noch ist eine Wertminderung impliziert, denn gerade diese selbstbewussten Eigenschaften werden gefordert und gefördert, um gemeinsame Projekte voranzubringen.

Der Mensch ist ein neugieriges und an Innovationen orientiertes Wesen und wird das Besondere der Eigenschaften philanthropischer Einrichtungen für sich als Chance der Erprobung neuer Formen der Erwerbstätigkeit und der Zukunftsplanung begreifen. Er erhält zusätzliche Möglichkeiten, sich erst noch entwickelnden Aufgaben zu stellen und zum eigenen Wohlergehen, wie auch dem anderer beizutragen. Vorteilssuche und Neid sind zwar nicht auszuschließen, aber das Beispiel der Vorbilder wird denen als Leistungsansporn dienen, die zunächst gewartet haben, ob es gelingt, auch weitere Menschen davon zu überzeugen, dass es einen anderen Weg der gesellschaftlichen Werterhaltung und Bereicherung als den der schonungslosen finanziellen Kapitalmaximierung gibt, nämlich die Schaffung des Zuwendungskapitals, eine Möglichkeit des Zuwenders, zusätzlich gesellschaftliche Anerkennung zu erfahren. Zu geben ist nicht nur gerecht, sondern schafft dem Gebenden auch die Genugtuung seiner Freiheit und Unabhängigkeit.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski