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Geld für alle

Wir haben Grund zu staunen. Wer Geld unter das Kopfkissen schiebt, hat allen Grund dazu, sich zu fürchten, dass Diebe ihnen das Ersparte wegnehmen. Wer Geld auf die Bank bringt, hat allen Grund dazu, anzunehmen, dass er Verwahrgebühren bezahlen muss und sich dieses Geld allmählich von selbst verzehrt. Es gibt Geld im Überfluss, in rauen Mengen und die EZB kann noch mehr davon drucken, wenn es sein muss. Diese Großzügigkeit in der Geldvermehrung, die sattsam bekannten Spekulationen und hohen Verschuldungen stehen in einem merkwürdigen Kontrast zur Wahrnehmung der finanziellen Situation einzelner Menschen.

Für die meisten Menschen ist Geld „geronnene Arbeit“. Das hat Karl Marx „so festgelegt“. Der einzelne Mensch kann kaum begreifen, dass Geld für Banken aber auch für Staaten und über-staatliche Organisationen Verschiebungsmasse für Vorteile und Disziplinierungen darstellen kann. So funktionieren offenbar politische Gestaltungsprozesse. Die einen sagen: stärkt die Exportwirtschaft und wir alle haben mehr davon, Arbeitsplätze werden geschaffen, das Lohnniveau steigt. Andere sagen: weniger Exportwirtschaft mehr Geld im Binnenmarkt und damit mehr Geld für Arbeitnehmer und die Konsumenten, damit der Binnenhandel floriert.

Irgendwie leuchtet das ein, denn, wenn es uns besser geht, wir mehr Geld bekommen, dann haben auch andere europäische Unternehmen eine Chance, ihre Waren hier anzubieten und alle nehmen teil am Wachstum. Aber nichts dergleichen geschieht, denn was geschieht, bestimmt schon längst nicht mehr allein die Politik, sondern die Wirtschaft. Die floriert und Deutschland lässt sich als Exportweltmeister feiern. Aber was hat der einzelne Arbeitnehmer, nein der einzelne Mensch in Deutschland davon? Viele sind gefangen in Hartz-IV, in unteren Lohngruppen, in Teilzeitarbeit, in Aushilfejobs und Lethargie angesichts des wirtschaftlichen Farbenrauschs, die Geldorgien, die er zwar wahrnimmt aber gesellschaftlich für ihn unerreichbar sind.

Und was wird getan? Wohngeld, Elterngeld, Sozialhilfeangebote, Pflegezuwendungen, Zuschüsse für Einrichtungen aber kein „Empowerment“ des Bürgers in der Zivilgesellschaft, sein Leben selbst zu gestalten und ihm hierfür die günstigen gesellschaftlichen Rahmenbedin-gungen zu schaffen: Stärkung der Familie, Erhaltung von Bildungseinrichtungen, Schutz der natürlichen Ressourcen und natürlich auch Verteilungsgerechtigkeit.

Die Politik kann der Wirtschaft das Handeln nicht überlassen, sondern ist selbst gefordert, den Contrat Social neu zu schreiben und alle Akteure des öffentlichen Raums darauf zu verständigen; auch nicht dem Staat, der seine Rolle überdenken muss als zentrale Geldverteilungsmaschine. Seine Aufgabe ist es, die Voraussetzungen für die freie Entwicklung jedes einzelnen Menschen zu schaffen, anstatt bräsig seine Allgemeinzuständigkeit zu behaupten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Mehrwert

Nicht nur zu Wahlkampfzeiten klingen Parolen wie: „Arbeit muss sich wieder lohnen!“ durch unsere Landen. Lohn ist in Geld geronnene Arbeit, das wusste nicht nur Karl Marx zu berichten. Das ist die tägliche Erfahrung aller, die für ihre Dienste entlohnt werden. Dabei geht es nicht nur um Arbeiter, sogenannte Werktätige, wie im Maschinenzeitalter, sondern um alle Menschen, die Leistungen für Andere erbringen.

Leistungen für Andere zu erbringen bedeutet aber auch, dass in der Regel mehr geschaffen als durch Entgelt kompensiert wird. Dieser Mehrwert täglicher Arbeit schafft Befriedigung und Reichtum bei denjenigen, die lohnfähige Beschäftigungen anbieten. Sie werden reich, manche derart über alle Maßen, dass ein Zusammenhang zwischen Ihrem eigenen Zutun und dem abgeschöpften Gewinn nicht mehr erkennbar ist.

Der Mehrwert aber, der Reichtum verschafft, steht dann merkwürdigerweise auf der Arbeitsebene nicht mehr zur Disposition. Er wird vielleicht verspielt, verzockt, durch Fehlinvestitionen verausgabt, aber ein Leistungsequivalent soll daraus nicht wieder entstehen. So ist es für mich erklärbar, dass gerade reiche Menschen enorme Schwierigkeiten damit haben, etwas von ihrem Reichtum abzugeben, wenn er ihnen nicht 1 : 1 wieder selbst wohltätig zur Verfügung steht.

Sie jammern über Einsamkeit, fehlende Zuwendung oder Pflege, aber dass sie selbst vielleicht die Ursache ihres eigenen Unvergnügens sind, das dämmert ihnen noch nicht einmal ansatzweise. Der Nimbus des Reichtums verschafft ihnen Gehör, verführt andere wenig begüterte Menschen, ihnen ihre Zeit zur Verfügung zu stellen, zuzuhören und Dienstleistungen zu verrichten. Dies alles in der vergeblichen Erwartung, für ihre Aufmerksamkeit, ihre Zuwendung oder Dienste entlohnt zu werden. Das ist aber nicht so. Dem System entspricht, dass ihnen zwar zuweilen Lob und Geschenke, Vertröstungen auf testamentarische Zuwendungen, Vermächtnisse etc. zuteilwerden, aber niemals tätige Zuwendungen und uneigennützige Hilfe seitens der Vermögenden.

Der Mehrwert zu deren Gunsten bleibt erhalten. Der Mehrwert bleibt selbst dann erhalten, wenn er die Grundlage eines Stiftungsgeschäfts schafft. Es ist dann der steuerliche Mehrwert bis hin zum gesellschaftlichen. Immer steht der Zeiger auf Kompensation, ggf. argumentativ auf „zurückgeben“, aber nie auf geben aus dem geschaffenen Mehrwert als private oder gesellschaftliche Vorleistung.

Dabei könnte die Geschichte vom „Hans im Glück“ auch die Reichen so zufrieden stellen, wenn sie begriffen, dass eine gebende Hand nicht nur Bewunderung hervorruft, sondern auch eine anspruchslose Bereitschaft anderer Menschen, dem Gebenden auch zu geben. So kann der geschaffene Mehrwert allen nutzen und nicht nur dem Vermögenden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Gegengesellschaft

Karl Marx und Friedrich Engels werden als Zeugen dafür aufgeboten, dass die Produktionsverhältnisse des Kapitalismus den Menschen zum Objekt degradieren. Der Mensch ist nicht mehr der selbstbestimmt Handelnde, sondern als Warenproduzent und Konsument gleichermaßen Konsumer. Was nach Marx´ Ansicht für den maschinenbestimmten Kapitalismus gilt, scheint auch für den durch Digitalisierung getriebenen Kapitalismus gleichermaßen zu gelten.

Es hat sich nichts geändert. Wurde früher nach Marxscher Ansicht der Mensch durch Maschinen ausgebeutet, so erfolgt nunmehr seine Ausbeutung durch eine digitalisierte Gesamtverfassung der Wirtschaft. Das Ergebnis sind wenige Profiteure, sich selbst versorgende Maschinen und eine überwiegende Anzahl an Menschen, denen weder Arbeit geboten wird, noch eine Grundversorgung, die ihnen Leben ermöglicht.

Trotz rapide steigender Bevölkerungszahlen sinkt das Angebot an erwerbsgerichteter Arbeit und verstetigt sich das Phänomen Marxscher Kultur- und Wirtschaftskritik. Wir haben kein erprobtes Gesellschaftsmodell, um die Zentrifugierung unserer Gesellschaft aufzuhalten. Wir benötigen das Modell einer Gegengesellschaft, die trotz aller Anerkennung bisheriger Errungenschaften nicht nur Neues erprobt, sondern überhaupt uns Menschen zu neuem Denken geleitet, das global anerkennungsfähig ist.

Ein zentrales Anliegen einer solchen Gesellschaft müsste es sein, nicht mehr den Gelderwerb, sondern die Beschäftigung des Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Ein tätiger Mensch verwirklicht so den Lebenssinn und schafft Nutzen für sich und andere, ohne dass er sich permanent in den Wettbewerb zu einem anderen Menschen stellt, indem er seine Verdienste berechnet oder es zulässt, dass Andere ihn beneiden. Nicht Erwerbsarbeit, sondern Beschäftigung im Zusammenhang mit fortschreitender Verbesserung unserer Möglichkeiten ist auf der Lebensspur jedes Menschen vorbezeichnet. Lernen und dadurch zur Lebensverbesserung beizutragen, ist nicht nur ästhetisch, sondern auch unter Nützlichkeitsgesichtspunkten weit vorteilhafter als individuelle oder kollektive Arbeitsstrukturen.

Wieso sollte soziale Anerkennung mit Anhäufung von Geld verbunden sein? Wieso sollen Eigentumsverhältnisse mehr zählen, als die Verfügbarkeit über Gegenstände auf Zeit. All dies ist nur eine Frage der gesellschaftlichen Verabredung und nicht eines Gebots, weder religiös noch weltlich. In einer Gegengesellschaft lautet das Motto: „Ich arbeite für mein Leben gern.“ Es ist eine Frage der Souveränität eines jeden Menschen, dies zu tun und eine Frage an uns Menschen, ob wir in der Lage sind, mehr aus uns zu machen, als der Kapitalismus erlaubt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Leistungsansparkasse oder Generationenbank

Das Sparkassenbuch. Welch ein Segen für Kinder und die ganzen Familien in der Nachkriegszeit. Von den Paten gab es bereits zur Taufe 5,00 Mark. Zur Einschulung legte die Sparkasse selbst noch 5,00 Mark dazu. Das Buch versprach Zinsen und Verfügbarkeit des eingezahlten Geldes, wann immer man dieses im Laufe seines Lebens brauchen sollte. Das Kapital wuchs und damit auch die Möglichkeiten des Inhabers eines solchen Buches. Jederzeit, im Alter oder bei Krankheit, waren die Guthaben verfügbar. Und heute? Kaum einer erinnert sich mehr an das gute alte Sparbuch. Zinsen würden die Guthaben nicht mehr tragen und auch die Banken besorgen sich ihre Finanzmittel lieber bei der Bundesbank als bei den Sparkassen. Also, Sparkassenbuch ade? Nein, nicht ganz. Das Sparkassenbuch könnte an neuer Bedeutung gewinnen, und zwar auf eine Art und Weise, die nicht auf den ersten Blick mit Geld zu tun hat, aber auf den zweiten Blick schon, denn Geld ist nach der Version von Karl Marx geronnene Arbeit. Sicher ist dieser Aspekt des Geldes beachtenswert, denn jede Leistung eines Menschen drückt sich in seinem Tauschwert und im Vertrauen auf dieses Verhältnis in Geld aus.

Ist die Leistung des Menschen Geld wert, darf auch der Zusammenhang zwischen der Leistung des Menschen und einem Sparkassenbuch ohne Hinderungsgründe geschaffen werden. Es geht darum, die Leistung eines Menschen auf seinem Leistungssparkassenbuch bei der Generationenbank einzuzahlen.

Um welche Qualität von Leistung handelt es sich dabei? Es geht um die Leistung, die ein Mensch für andere erbringt, sei es in der Kinder-, Schul- oder Altenpflege. Seine Aufwendungen an Zuwendung werden in einer Quittung vermerkt und zur Bestätigung im Sparkassenbuch eingetragen. Braucht die junge Familie Hilfe oder ist der Pflegedienst erforderlich, kann die eigene erbrachte Leistung wieder abgerufen werden und so fort. Das Kontingent der abrufbaren Leistungen ergibt sich aus den Einzahlungen bzw. aus dem Umfang der eigenen Bereitschaft, Leistungen zu erbringen.

Diejenigen, die ihre Ansparungen an Altersversorgung, Pflege und/oder Wohnen in Mehrgenerationenhäusern nicht abrufen können oder wollen, sind nicht gehindert, sich den von ihnen erbrachten Leistungsvorteil auch in Geld zum Zeitwert auszahlen zu lassen. Diese finanziellen Leistungsbeiträge werden von denjenigen erbracht, die ihrerseits nicht leistungsfähig oder leistungsbereit sind, was die eigenen körperlichen Einsätze anbetrifft, aber die Vorteile der Generationenbank dennoch wahrnehmen möchte.

Jedes Bankensystem beruht auf Vertrauen. Diese Generationenbank profitiert einerseits von der Bereitschaft vieler Menschen, Leistungen zu erbringen und dabei auch noch Freude zu empfinden, andererseits davon, dass auch künftige Generationen in ihrer Leistungsbereitschaft nicht nachlassen werden. Die Leistungen, die Menschen heute oft freiwillig erbringen, werden nicht hinreichend vermerkt bzw. empfinden Menschen die Ungerechtigkeit, die darin besteht, dass trotz ihres enormen Einsatzes sie im Falle eigener Ansprüche nicht unbedingt solidarische Hilfe erfahren, wenn sie nicht über die notwendigen Einsatzmittel, d. h. Geld verfügen. Hier schließt die Generationenbank nicht nur eine Lücke, sondern bringt Akteure aller Generationen zusammen, die im kalkulierten Eigeninteresse sich darauf einlassen, anderen zu helfen und von dieser Hilfe irgendwann zu profitieren.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski