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Kinderaugen

Das Wesentliche findet sich im Verborgenen. Um dies zu entdecken, wäre es hilfreich, auf kindliches Wissen zurückzugreifen. Die Kindeserfahrung gilt nicht nur dem Offensichtlichen, sondern Sinne, Gelüste und Erwartungen sind auch auf das gerichtet, was das Ding im Inneren ausmacht. Das Kind erfährt die Erlebnisintensität jeden Augenblicks, auch schon des nächsten. So, wie das Kind die sich ihm öffnenden Möglichkeiten erfährt, können auch wir wieder eintauchen in das Wesentliche, das sich hinter dem Offensichtlichen verborgen hält.

Um zum Wesentlichen vorzudringen, benötigen wir Hilfsmittel, die uns erlauben, durch Zeit und Wirklichkeiten unserer Wahrnehmung zu reisen und auch Gegenden zu besuchen, die seelisch und gedanklich in unserer Vergangenheit liegen oder uns in der Zukunft einladen. Begeben wir uns auf diese Inter-Journey der Gedanken und Gefühle, kann jeder Moment ein Abenteuer sein, ein Moment des weiten Schauens mit der Chance, Dinge zu entdecken, die wir bisher übersehen haben oder auch bei uns bisher nicht vorgekommen sind.

Indem wir in uns selbst reisen, erweitern wir unseren Horizont der Wahrnehmung, erkennen neue Instrumente der Daseinsbewältigung auch im realen Raum. Die Reisen, die wir in unser Bewusstsein und Unterbewusstsein antreten können, sind gleichermaßen entgrenzt, wie die eines Kindes. Erinnern wir uns doch, dass das, was wir uns als Kind vorgestellt haben, sich ereignete, in einem Tapetenmuster, einem Wolkenbild oder in der völlig unkonkreten aber passenden Vorstellung. Sind wir in der Lage, alle unsere früher so behänd beherrschten Hilfsmittel wieder zu nutzen, öffneten sich nicht nur die Möglichkeiten des Sehens, sondern auch des Tuns.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski