Ein denkwürdiger Satz lautet: „Alles wurde schon gesagt, aber noch nicht von mir.“ Einen solchen Satz quittieren wir regelmäßig mit einem Lächeln oder stöhnen sogar, weil wir uns an die langatmigen Podiumsdiskussionen erinnern, auf denen scheinbar nichts gesagt wird. Dabei sollte man aber nicht vergessen, dass die Wiederholung von Bekanntem Sicherheit schafft, und zwar insofern, als jeder Gesprächspartner dem anderen versichert, dass er dessen Anliegen zu seinem gemacht hat und an einem gemeinsamen Prozess zu partizipieren bereit ist. Durch diese Verstärkungsrituale wird eine Idee kraftvoll und es werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass sie dann auch umgesetzt wird. Insofern ist jeder zu loben, der bereit ist, sich mit seiner Persönlichkeit in die Diskussion zur Stärkung philanthropischer Unternehmen einzubringen.
In unseren Bemühungen, Kontakte zu schaffen und andere für gemeinnützige Projekte zu werben, dürfen wir die Sprache als die prägende Art und Weise unserer Kommunikation keinesfalls unterschätzen. Es ist selbstverständlich, dass derjenige, der ein Vorhaben anderen Menschen vorstellt, überzeugen will und meist auch in seinem Anspruch so gefestigt ist, dass er fast keinen Widerspruch duldet. Es geht ja um die gute Sache. Dabei wird aber oft unterschätzt, dass gerade das Fordernde, das eindeutig Bestimmte und anscheinend Überlegene, was sich in der Sprache ausdrückt, eher abschreckt als anzieht. Meist tritt noch hinzu, dass derjenige, der ein Anliegen verfolgt, glaubt, er müsse von diesem möglichst viel berichten, ein umfassendes Bild zeichnen und etwaigen Einwendungen schon von vornherein begegnen. Das Gegenteil ist allerdings der Fall. Denn nach wenigen Minuten erlischt die Aufmerksamkeit und wächst die Bereitschaft des Gesprächspartners, darüber nachzudenken, ob es nicht für ihn jetzt an der Zeit wäre, selbst etwas zu sagen. Kommt er dann schließlich zum Zuge, muss er aber befürchten, dass er nach kurzer Zeit wieder in seinem Redebeitrag unterbrochen und dank des besseren Wissens, der zugkräftigeren Argumente oder nur der überlegenen Artikulationsfähigkeit des Gesprächspartners wieder das Nachsehen hat. Das ist unerfreulich und führt nach gebotener Zeit des Anstandes und der Rücksichtnahme dazu, dass sich die Gesprächspartner wieder trennen mit dem nie einzulösenden Versprechen, das Gespräch gelegentlich fortzusetzen. Besser, weil zielführender, ist es dagegen, auf den zu Werbenden einzugehen, ihm schon nach wenigen Stichworten die Möglichkeit zu eröffnen, selbst zu berichten, wie er sich grundsätzlich ein Engagement vorstellen könnte, und ihm zu erlauben, die Fragen selbst zu formulieren, deren Beantwortung er benötigt, um sich einen Eindruck über seine die Möglichkeiten zu verschaffen, wie er sich in ein Projekt einbringen kann. Auch wenn wir dies stets kaschieren, sind wir Menschen in unserem Wesen vorsichtig, argwöhnisch, oft auch scheu. Dies selbst dann, wenn der erste Eindruck etwas ganz anderes vermittelt. Wir überspielen meist unsere Unzulänglichkeiten, vergessen aber dabei, dass unsere Gesprächspartner diese sehr wohl als ihre eigenen Schwächen erkennen. Im Übrigen sind die Erfahrungen aus dem Raum der gesprochenen auch auf den der geschriebenen Sprache übertragbar. Kurze und knappe Stellungnahmen sind meist besser als langatmige Ausführungen, die in sich hermetisch abgeschlossen und völlig unangreifbar sind. Derjenige, der zum Lesen gezwungen wird, ist unwillig, und zwar zum einen deshalb, weil er sich nicht wehren kann, zum anderen deshalb, weil sein Interesse erlahmt. Die meisten Leser erfahren nicht mehr, was bei einem sechsseitigen Brief auf den letzten zwei Seiten steht. Besonders verhängnisvoll ist es, sozusagen opulent die eigenen Aktivitäten auf mehreren Seiten möglichst per E-Mail auszubreiten und zu erwarten, dass der Adressat dieser Sendung mehr als nur den Eindruck gewinnt, dass sich jemand offenbar mächtig aufplustert.
Alle diese Erfahrungen muss jeder von uns machen, der im gemeinnützigen Bereich tätig ist. Es gibt selbstverständlich kein einzigartiges Rezept dafür, wie man es richtig macht, aber genug Anregungen dazu, aus gemachten Erfahrungen zu lernen. Für den einen mag es richtig sein, klare Beiträge zu fordern, für den anderen ist Bescheidenheit angesagt. Wichtig ist vor allen Dingen, dass wir stets aufnahmefähig für sämtliche Argumente unserer potenziellen Partner sind und sie niemals beiseitewischen. Nehmen wir unsere Partner nicht ernst oder vermitteln wir ihnen das Gefühl unserer Überlegenheit, ist jegliche Form der Kooperation erledigt. Dabei sind es nach unserem Verständnis doch wir, die geben und erwarten, dass Geben gibt, also unsere Partner eine ähnliche Einstellung wie wir selbst zum philanthropischen Bereich entwickeln. Diese Erwartung erfüllt sich jedoch nur in einem individuellen, eigenständigen Prozess und kann selbst durch wohlmeinenden Druck nicht erzwungen werden. Wir müssen unseren Partnern immer eine Chance geben, den Zeitpunkt und das Maß des Engagements selbst mitzubestimmen.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski