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Must-have

Man muss haben. Klamotten spielen dabei eine herausragende Rolle. Dies wohl vor allem deshalb, weil sie für viele erschwinglich sind. Die Topliste führt dabei sicher die im internati­onalen Einsatz erprobte Strumpfhose für Mädchen an, die Kleid, Jeans und andere persönliche Verhüllungsstoffe überflüssig machen. Ob nackt oder angezogen, das kommt dabei fast aufs Gleiche raus. Ehrlicher als in dieser Kindergartenkluft kann sich kein Mädchen mehr in Zu­kunft präsentieren. Ich bin gespannt, wann es hier auch Männer erwischt.

Unisexstatus hat inzwischen ein weiteres Kleidungsstück erworben. Nur wer quer gestreifte Daunenjacken anzuziehen weiß, gehört dazu. Diese Jacke ist das Maß aller Dinge. Ob jung oder alt, selbst die sogenannte Rentnerweste wird demnächst „down“ gefüttert und quergestreift sein, aber natürlich in ocker!

Zu den Must-Haves gehören nicht nur Kleidungsstücke, sondern IPhones, deren Apps und unendlich viel mehr materielle Dinge. Aber vor allem gehört zu den Must-Haves dieser Welt: Geld. Ohne Geld kann man nicht haben, was andere haben. Ohne Geld gehört man also nicht dazu. Deshalb muss Geld her. Geld zu haben bedeutet nicht Freiheit, sondern Notwendigkeit, um dem Imperativ der Werbung zu folgen. Da es hier kein Entwei­chen gibt und die Entlarvung des Vorgangs allenfalls Trotz hervorruft, müssen wir uns einge­stehen, dass es immer schon so gewesen ist und sich nichts ändern wird. Eine Bewegung, die sich auf ihre Stirn schreiben würde, sie wolle nichts mehr haben und nicht bereit sein, sich zu uniformieren, wäre volkswirtschaftlich und auch auf idealistische Art und Weise gefährlich. Sie wäre schlechter zu kontrollieren. Und das will unser Staat und seine Wirtschaft sicher nicht.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski