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Familie

Familie erscheint uns als das selbstverständliche Privileg derjenigen, die Kinder haben. Gemeinhin erschöpft sich in dieser Prämisse bereits ihr Zweck. Keine Kinder zu haben und auch keine Familie gründen zu wollen, ist in unserer Gesellschaft legitim. Zwar sprechen Politiker, Wissenschaftler und engagierte Christen davon, dass eine Familie für das Leben unverzichtbar sei, aber wer keine Familie hat, wird deshalb nicht ausgegrenzt.

Diese eher apodiktische Betrachtung berücksichtigt allerdings nicht, dass Familie einen Kosmos unterschiedlichster Funktionen darstellt. Darunter zählt zunächst der Fortbestand des eigenen Geschlechts. Familie bedeutet aber auch, Verantwortung füreinander zu übernehmen. Sie widerspricht so der Selbstsüchtigkeit, da eine ständige Auseinandersetzung und der Ausgleich mit anderen Familienmitgliedern unabdingbar sind. Sie ist Lebensschule, kann geeignet dafür sein, verantwortliche Menschen hervorzubringen. Kein anderes System ist der Familie ebenbürtig. Es beruht nicht nur auf Verabredungen, sondern auch auf dem Zwang, dem sich kein Familienmitglied entziehen kann.

Konkurrenz und Wettbewerb werden durch die Familie gefördert. Verluste und Schwierigkeiten schärfen die Sinne auch für die Ansprüche anderer Familienmitglieder. So ist jeder Sparringpartner. Die Entwicklung gemeinsamer Stärken ist dazu angetan, selbstbewusst ins Leben zu treten und zu wissen, dass es Rückfallpositionen gibt, die auch wieder einen Neubeginn ermöglichen. So ist die Familie nicht nur ein wichtiges Korrektiv egoistischer Lebenshaltungen, sondern auch Ermutigung und Neuanfang bei allen schwierigen Lebenslagen.

Die familiären Belastungen, die sich vielfältig im wirtschaftlichen Bereich ausdrücken, sich aber auch durch Überforderung unterschiedlicher Charaktere darstellen, werden ausgeglichen durch die Selbstbehauptung und Solidarität dieser besonderen Gemeinschaft.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski