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Beamen

Um von A nach B zu gelangen, benötigen wir ein Transportmittel. Das schnellste uns bekannte Transportmittel auf Erden ist das Überschallflugzeug, welches auf Hörweite des gesprochenen Wortes fast schneller beim Adressaten ankäme, als es unseren Mund verlässt. Schneller noch als Schallwellen pflanzen sich Licht und elektromagnetische Wellen fort, benötigen aber bis zur Wahrnehmung aus fernen Galaxien oft Hunderte von Jahren, bis sie bei uns eintreffen. Für Menschen, so scheint es zumindest, bleibt der körperliche Transport mühsam. Flugzeug, Bahn, Auto. Das sind die üblichen Fortbewegungsmittel. Sie erfordern Vorbereitung, d. h. Abschied nehmen, Überbrückung und Ankommen. Oft vergehen Stunden, Tage und Monate. Wegen seiner Körperlichkeit muss der Mensch diese Vereinbarung mit der Zeit eingehen, wenn er selbst anwesend sein möchte. Elektronische Medien geben ihm Gelegenheit, per Handy oder Bildtelefon mit Gesprächspartnern in der ganzen Welt Kontakt aufzunehmen, Menschen und Gegenstände zu betrachten, zu reden und virtuell dabei zu sein. Auf allen diesen Zeitreisen können wir beobachten, dass es Entsprechungen gibt. Während wir medial oder real in eine bestimmte Gegend streben, strebt ein anderer Einzelner oder eine Gruppe in unseren Bereich zurück.

Die Summe dieser Aktivitäten steht in Korrespondenz zueinander. Manchmal möchte man rufen, bleibt doch an eurem Platze und sagt mir was ihr vorhabt. Ich regele eure Angelegenheit vor Ort für euch und ihr müsst euch nicht bemühen. Ich könnte auch sagen, ich lebe für euch, ich sehe und höre für euch, ich bin da und deshalb seid ihr auch da. Da sein in diesem Sinne bedeutet die Fähigkeit, nicht nur auf die Bedürfnisse eines Anderen einzugehen, sondern auch mit dessen Augen zu sehen, dessen Wahrnehmung zu der eigenen machen und mit ihm zu korrespondieren. Ist meine Frau in einer anderen Stadt, nimmt sie mich mit auf die Straße und zeigt mir Plätze, Häfen, Kirchen und Monumente. Sie lässt mich teilhaben an Galeriebesuchen und zeigt mir Bilder. Wir verfügen über kein Bildtelefon. Doch durch ihre Schilderung nehme ich das, was sie mir zeigt, wahr. Im Laufe der Zeit entwickelten wir eine Empfindsamkeit, die uns dies ermöglicht, Dinge durch den Anderen mitzubetrachten, ohne körperlich anwesend zu sein. Im Laufe der Zeit ist es uns weiter gelungen, den Anderen so zu spüren, dass Raum und Zeit gar keine Rolle mehr spielen. So weit wir anscheinend noch während des Tages voneinander entfernt sein sollten, wir halten Kontakt. Wir vergewissern uns wechselseitig der Plätze, wo wir uns gerade aufhalten, und beamen uns je nach Einladung und Entscheidungslage zu dem

Anderen. Wir sind dann trotz Ferne anwesend in Bildern, Worten und rnit dern Gefühl füreinander da.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Das funktioniert rnit allen Menschen. Da bin ich rnir sicher.