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Unternehmensführung

Neulich las ich in der „ZEIT“ in einem Interview des russischen Schriftstellers Dmitry Glukhovsky den bemerkenswerten Satz, dass Putin Russland wie seine Firma leite. Das glaube ich nicht. Russland ist kein KMU und Putin allenfalls ein Patriarch der alten Schule.

Heute funktioniert Unternehmensführung eher so, dass Unternehmensziele definiert werden und einer Prüfung durch den Aufsichtsrat unterzogen werden müssen. Die hierarchischen Strukturen  sind in der Regel eher flach und es wird das Leistungsvermögen sämtlicher Mitarbeiter in das unternehmerische Kalkül mit einbezogen.

Wir wissen natürlich sehr wenig von Russland und dessen unternehmerischen Verwaltungsstrukturen, müssen aber befürchten, dass wie auch bei anderen Unternehmen weltweit die die Rendite erzeugenden Prozesse undurchsichtig sind. Dies ist im Übrigen in vielen Unternehmen festzustellen und beruht auf Folgendem: Auch wenn viele Unternehmen Tochterfirmen haben und die unterschiedlichsten Produkte entwickeln, ist es innerhalb des jeweiligen Unternehmens so, dass das einzigartige Projekt im Vordergrund steht und sich die gesamte Anstrengung darauf richtet, dieses zu entwickeln, herzustellen und zu vertreiben.

Da dies als ein einziger Prozess angesehen wird, versäumen die Verantwortlichen meist, die verantwortlichen Abteilungen so voneinander abzugrenzen, dass sie die Kosten preiswahr und klar an die nächste Stufe weitergeben und transparent machen, was das Produkt, dessen Nutzen noch nicht einmal gesichert feststeht, das Unternehmen kostet. Würde Kostentransparenz und planvolles Vorgehen die Unternehmensagenda bestimmen, so würde manches ehrgeizige Projekt auch in staatsunternehmerischer Sicht vielleicht frühzeitiger beendet. Wenn es brenzlig wird, ist schon mancher Vorstand mit der Firmenkasse durchgebrannt oder hat sich fürstlich abfinden lassen. VW ist reich. Da mag das noch gehen. Das Unternehmen wird den Skandal überleben. Russland auch.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski