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Auf dem kürzesten Weg

Eine häufig zu vernehmende Mahnung lautet: Hast Du es denn schon einmal auf dem kurzen Weg probiert? Es hat den Eindruck, als hätten wir eine große Scheu davor, den kurzen Weg zu nehmen. Wir kreisen unsere Möglichkeiten ein und schaffen viele verschlungene Wege, um doch nur eines anzudeuten: den Anspruch auf den kurzen Weg. Es ist der kurze Weg, der A und B verbindet. Doch wenn es darum geht, diese Punkte schnurgerade miteinander ins Benehmen zu setzen, sträubt sich dagegen der gestalterische Sinn. Draußen in der Stadt werden zur Anlage der Wege städtebauliche Konzepte bemüht, künstlerische Erwartungen und philosophische Haltungen zum Ausdruck gebracht. So erschließen sich die Wege nicht aus dem natürlichen Verbindungswillen der Menschen, die von A nach B gelangen wollen. Ihnen wird vielmehr mit großem Aufwand an Zäunen, Einfriedungen und Gehbelägen der Weg gewiesen. Dabei sind es die Menschen, die durch schnurgerade Trampelpfade anzeigen, welcher Wille in ihnen steckt, die vorgegebenen Pfade zu verlassen und den kürzesten Weg zu gehen. Landschaftsflächengestalter sollten dies beherzigen und an neu anzulegenden Flächen Punkte markieren, die den Ausgang und das Ziel benennen, ohne   den Menschen in seiner Bewegungsrichtung zu bevormunden. Es gilt, das selbstverständlich Geschaffene zu verbinden. Der Mensch selbst hat den Weg, den er gehen will, aufgezeigt, ihn in Besitz genommen und diejenigen beeindruckt, die ihm eine solche Entscheidungsmacht nie zugetraut hätten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski