Schlagwort-Archive: Lebenssicherung

Was vermögende Menschen wirklich bewegt

Ein Mensch, der zu Lebzeiten ein Vermögen erworben hat, will es in der Regel sichern. Derjenige, der von Todes wegen vermögend geworden ist, sieht sich in der Regel in der Pflicht, dieses ebenfalls zu erhalten und an seine Erben weiterzugeben. Aber auch das Gegenteil kann richtig sein, wenn die Regeln zum Umgang mit Vermögen nicht erlernt wurden. Vermögen, welches durch Spekulationen erworben wird, kann in gleicher Weise zwischen den Fingern verrinnen. Vermögen ist das Ergebnis geronnener Arbeit oder Wagniskapital.

Von der Regel ausgehend, bewegt den vermögenden Menschen, sein Vermögen zu erhalten, Erträge zu erzielen und dieses so zu bewirtschaften, dass er selbst und seine Familie bis zu seinem Lebensende und ggf. darüber hinaus gesichert sind.

Neben der Lebenssicherung durch Vermögen bewegt ihn aber auch die Möglichkeit, das Vermögen zumindest teilweise einzusetzen, um Lebensziele im wirtschaftlichen und philanthropischen Bereich zu verwirklichen. Nebst der Erprobung eigener Fähigkeiten und Umsetzung von Interessen bewegen ihn dabei auch gesamtgesellschaftliche Anliegen, für die er eine Verantwortung übernommen hat. Bleibendes zu schaffen, ist für den vermögenden Menschen schon deshalb wichtig, weil er weiß, dass Vermögen an sich keine Anerkennung bringt und nach dem Tode bedeutungslos geworden ist.

Was zählt, ist, was der vermögende Mensch mit seinem Vermögen bewirkt, sei es durch gemeinnützige Stiftungen, Familienstiftungen oder jede andere Form nachhaltigen Engagements. Sicherung der Familie und der nächsten Generation nebst dem Bewirken von bleibenden Zuwendungen zum Beispiel im Rahmen von Stiftungen verleihen dem Vermögen Sinn.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Gier

Eine Wahrnehmung möchte ich mit den Lesern teilen, wobei ich mir nicht sicher bin, ob ich damit richtig liege. Ich jedenfalls bilde mir ein, feststellen zu können, dass Menschen, die bereits über ein hohes Einkommen oder auch ein beträchtliches Vermögen verfügen, sich gezwungen sehen, ihr Einkommen zu mehren und das Vermögen zu vervielfältigen. Da dies einer grundsätzlichen Haltung zu entspringen erscheint, spielt es dabei keine Rolle, ob es sich um jüngere Menschen oder schon sehr alte Menschen handelt.

Genetische Präpositionen kann ich mir dabei allerdings nicht vorstellen, denn diese Art der Vermögensmehrung, falls ich das richtig sehe, konnte sich in aller Intensität erst in relativ kurzer Zeit entwickeln. Es ist zu konstatieren, dass Sammeln und Horten ein Lebensprinzip ist, das nicht nur das eigene Überleben, sondern auch das der kommenden Generationen sichern kann. Könnte man also die These aufstellen, dem gierigen Menschen ginge es vor allem um seine Lebenssicherung?

Nach meiner Anschauung ist dies nicht der Fall. Denn die Gier wächst selbst dann, wenn alle versorgt sind und sogar vorgesorgt ist. Ob Nachkommen vorhanden sind, spielt auch eine eher untergeordnete Rolle. Was ist also Gier und was treibt Menschen, sich immer mehr Einkommen und Vermögen einzuverleiben, wenn keine Not besteht? Vielleicht beruht dieses Verhalten auf einer Fehlwahrnehmung der Wirklichkeit, vielleicht spielen Defizite eine Rolle, die ausgeglichen werden sollen, vielleicht ist es aber nur ein Spiel, eine Herausforderung der eigenen Möglichkeiten?

Ich weiß es nicht, kann diese Frage nicht beantworten und bin davon überzeugt, dass es nicht die eine Antwort gibt. Es gibt aber Regeln, an die man sich halten sollte: Frage einen Vermögenden nie um seine Unterstützung, sondern ermögliche ihm zu erkennen, dass bestimmte Unterstützungsleistungen für andere vor allem seinem Interesse entsprechen. Da Vermögende sehr oft wehleidig und empfindlich sind, begegne ihnen souverän und selbständig, damit sie erkennen, dass es nutzlos ist, beeindrucken zu wollen. Gier ist eine gesellschaftliche Belastung und eine Persönlichkeitsstörung, die ein Krankheitsbild aufweist und behandelt werden muss. Leider erfährt sie aber in Verkennung ihrer Störung weitgehend Respekt, manchmal sogar Bewunderung und löst nur Stillstand aus.

Hier wäre eine Thematisierung dieses Phänomens aber wichtig, um denen von der Gier Betroffenen eine Chance zu geben, in die Gemeinschaft zurückzufinden. Denn eines ist klar, hilfreich ist diese Haltung in keiner Weise und spätestens der alte Mensch erfährt, dass man ihn der Gier wegen in der Familie verachtet, aber die Nachkommen bereits infiziert sind.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Was vermögende Menschen wirklich bewegt

Ein Mensch, der zu Lebzeiten ein Vermögen erworben hat, will es in der Regel sichern. Derjenige, der von Todes wegen vermögend geworden ist, sieht sich in der Regel in der Pflicht, dieses ebenfalls zu erhalten und an seine Erben weiterzugeben. Aber auch das Gegenteil kann richtig sein, wenn die Regeln zum Umgang mit Vermögen nicht erlernt wurden. Vermögen, welches durch Spekulationen erworben wird, kann in gleicher Weise zwischen den Fingern verrinnen. Vermögen ist das Ergebnis geronnener Arbeit oder Wagniskapital.

Von der Regel ausgehend, bewegt den vermögenden Menschen, sein Vermögen zu erhalten, Erträge zu erzielen und dieses so zu bewirtschaften, dass er selbst und seine Familie bis zu seinem Lebensende und ggf. darüber hinaus gesichert sind.

Neben der Lebenssicherung durch Vermögen bewegt ihn aber auch die Möglichkeit, das Vermögen zumindest teilweise einzusetzen, um Lebensziele im wirtschaftlichen und philanthropischen Bereich zu verwirklichen. Nebst der Erprobung eigener Fähigkeiten und Umsetzung von Interessen bewegen ihn dabei auch gesamtgesellschaftliche Anliegen, für die er eine Verantwortung übernommen hat. Bleibendes zu schaffen, ist für den vermögenden Menschen schon deshalb wichtig, weil er weiß, dass Vermögen an sich keine Anerkennung bringt und nach dem Tode bedeutungslos geworden ist. Was zählt, ist, was der vermögende Mensch mit seinem Vermögen bewirkt, sei es durch gemeinnützige Stiftungen, Familienstiftungen oder jede andere Form nachhaltigen Engagements. Sicherung der Familie und der nächsten Generation nebst dem Bewirken von bleibenden Zuwendungen zum Beispiel im Rahmen von Stiftungen verleihen dem Vermögen Sinn.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Wahlrecht

In einem bemerkenswerten Interview, welches die Rechtsanwältin und frühere Justizsenatorin Dr. Lore Maria Peschel-Gutzeit in den Heften 4 und 5 aus 2016 dem Berliner Anwaltsblatt gewährt hat, forderte sie ein Wahlrecht auch für junge Menschen von Geburt an. Das Stimmrecht der Kinder sei tatsächlich zu gewähren, aber treuhänderisch von denjenigen, die für sie Verantwortung tragen, wahrzunehmen. Dies sind in der Regel die Eltern. Als ich ihre Ausführungen in dem Interview las, war ich hin- und hergerissen.

Bei vernünftigen Eltern habe ich überhaupt nichts dagegen, dass sie auch das Stimmrecht für ihre Kinder ausüben. Aber, was passiert, wenn sie sich nicht einigen können, über den sachgerechten Umgang mit dem Stimmrecht streiten oder es nicht ausüben, obwohl ihre Kinder einen Anspruch darauf haben sollen. Ab welchem Alter kann ein Kind sein Wahlrecht selbst wahrnehmen? Wann ist ein junger Mensch tatsächlich mündig? Die familiäre, wie auch gesellschaftliche Einübung in ein späteres selbstverantwortliches Leben ist mühevoll und stellt ein Kind vor große Herausforderungen.

Ist dies aber ein Grund, Kindern das Wahlrecht zu versagen? Viele Fragen sind angstgesteuert. Die Wahlstimmen der Kinder könnten in falsche Hände kommen, die Machtverhältnisse verschieben und kinderreichen Familien mehr Einfluss zukommen lassen. Dies würde wiederum Einfluss auf die Sozialgesetzgebung und Lebenssicherung für die nächste Generation nehmen. Rechtfertigen aber diese Unwägbarkeiten die Ablehnung des Kinderwahlrechts? Kein Kind hat den Aufenthalt in unserer Welt gewählt, übernimmt aber zugleich mit der Geburt – wenn auch zunächst nicht rechtlich – so aber schon tatsächlich Verpflichtungen in unserer Gesellschaft, die später Wirkung zeigen werden. Das Kind wächst in seine Verantwortung und trägt bereits ab seiner Geburt einen Teil der gemeinsam zu schulternden Last, die im Generationenvertrag festgeschrieben ist.

Mehr Demokratie wagen, so lautete die Mahnung der SPD in den End-60er-Jahren. Der Slogan war damals richtig und fordert uns auch heute noch heraus, das gesellschaftliche Modell nicht als statisch zu begreifen, sondern Veränderungen und Wagnisse zuzulassen. Das Wahlrecht für Kinder und junge Menschen ist kein revolutionärer Akt, sondern entspricht der Vernunft einer gesellschaftlichen Entwicklung. Fragwürdig ist oft alles nur solange, bis es selbstverständlich ist, gesellschaftliche Anerkennung gefunden hat.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski