Die Bestimmung des Menschen ist es zu leben und dafür zu sorgen, dass er Leben schafft und erhält. Um dies zu bewerkstelligen, ist der Mensch darauf angewiesen, sich Mittel zuzuführen, die dazu geeignet sind, sein Leben zu erhalten, damit er geben kann. Lebenserhaltend waren die Jagd nach Tieren und später der Ackerbau. Überschüsse, die der Mensch produzierte, hat er an die Gemeinschaft abgegeben, um von dieser oder Einzelnen eine Gegenleistung zu erhalten, die es ihm erlaubten, noch erfolgreicher bei der Jagd oder beim Ackerbau und der Viehzucht zu sein und damit seine Erhaltungskraft zu verbessern. Der Tauschhandel funktionierte allerdings nur eingeschränkt, denn nicht jeder Mensch brauchte bei Abgabe seines Angebots zur gleichen Zeit ein Gegenangebot. So wurde die geleistete Arbeit angeschrieben, entweder kreditiert oder in einer Schuldverschreibung bestätigt. So entstand die Geldwirtschaft. Was bleibt, ist, dass im Grundmuster Geld nichts anderes ausdrückt als eine erbrachte Leistung. Soweit die reale Seite der Medaille. Die andere Seite der Medaille ist, das Geld sich von der Arbeit entkoppelt hat bzw. entkoppelt wurde und als Steuerungsmittel für den Finanz- und Warenverkehr taugte. Aber dennoch bleibt der Gegenleistungsaspekt erhalten. Durch die Disparität der Betrachtung von Geld aus verschiedenen Blickwinkeln heraus entstehen gefährliche Strudel, die das Schiff unserer Gemeinschaft – wenn wir dieses Bild nutzen wollen – heftig ins Schlingern bringen kann. Einerseits begreifen viele leistende Menschen in unserer Gesellschaft, dass das Geld, welches ihnen ausgezahlt wird, eine Kompensation für ihre Arbeit darstellen soll, andererseits nehmen sie wahr, dass Geld offenbar keine werterhaltende Rolle spielt, beliebig Versprechensträger in unserer Gesellschaft sein kann, ohne dass die Versprechen auch tatsächlich eingehalten werden. Aus dieser Wahrnehmung heraus kann sich ein Strudel formen, der unser Schiff verschlingt, ob wir die Ursache für das Unglück gesetzt haben oder nicht.
Der Staat als einer der Hauptfinanzträger, wie er sich heute generiert, beansprucht einerseits in der Form von Steuern Geldmittel seiner Bürger, obwohl er andererseits offenbar in der Lage ist, sich grenzenlos zu verschulden. Was erwartet dann der Staat noch von seinen Bürgern? Welche Leistungen erbringt der Staat gegenüber seinen Bürgern, die ein faires Äquivalent zu deren Leistungen darstellt. Zwingen die merkwürdigen unterschiedlichen Geldbetrachtungen von Staat und Bürgern nicht dazu, dass Geld als Beschaffungsmittel zu entzaubern und es der allgemeinen Spekulation anheim zu geben? Kann es denn sein, dass der Staat und weite Teile der Wirtschaft und der Gesellschaft zocken, während der schwer arbeitende Bürger in der Gesellschaft mit Sorge ansehen muss, wie seine Arbeit aufgrund dieser Umstände entwertet wird. In Frageform gegossen, lassen sich die Antworten am besten finden. Wir müssen vorwärts denken zu einem System, das Leistungsanreize schafft, Leistungen adäquat bezahlt und Leistungen fordert, nicht nur vom Bürger, sondern auch vom Staat für seine Bürger, die sich auch hier als äquivalent darstellen. Der Staat ist nicht der Vormund des Bürgers, sondern dessen Bittsteller. Er hat Ordnungsaufgaben zu erfüllen, den Rechtsstaat zu erhalten und mit seinem Regelwerk für Fairness bei den Markt- und Netzzugängen zu sorgen. Nicht aber ist der Staat dazu befugt, das Maß der Leistung des Bürgers stets dadurch neu zu bemessen, in dem er den Referenzrahmen des Geldes verändert. Dadurch wird Leistung ad absurdum geführt.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski