Höher. Schneller. Weiter. Ein Mantra in der Leistungsgesellschaft, die sich mit dem Erreichten niemals arrangieren kann. Die Steigerung des Erreichten ist menschliche Hybris. Doch was erreichen wir damit? Genugtuung und Freude?
Kaum jemand würde dies bejahen. Eher sind wir der festen Überzeugung, dass Fortschritt nicht anders zu erreichen ist und der damit verbundene Kollateralschaden unvermeidbar. Was wird beschädigt?
Zunächst unsere Sicherheit. Bei allem, was wir tun, müssen wir damit umgehen lernen, dass sie in Frage gestellt wird. Diese Unsicherheit schafft Aggressionen, wehrt das zu Schaffende ab und relativiert seinen Nutzen. Dem Fortschritt werden Fußangeln angelegt, und zwar nicht wegen fehlender Erkenntnis des Sinns und des Nutzens, sondern weil sämtliche Etappenerfolge in Frage gestellt und neue Leistungsziele vorgegeben werden.
Dem Fortschritt fehlt die Leichtigkeit. Er bietet sich nicht durch seine Chance an, das Erreichte zu überdenken, sondern als Gebot es in Frage zu stellen. In dieser Verkrampfung kann Fortschritt auch Ängste auslösen, die selbst dort, wo Veränderungen sinnvoll sind, Verhinderungen provoziert. Ein das Ergebnis bedenkendes Fortschreiten ermöglicht allerdings Entwicklungen, denen sich viele Menschen öffnen können, ohne zu verkrampfen. Das könnte ein Gewinn sein.
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski