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Lügen

„Etwas ist faul im Staate Dänemark.“ So lässt Shakespeare Marcellus in seiner Tragödie „Hamlet“ klagen. Ist etwas faul im Staate Deutschland? Diesen Eindruck müssen wir gewinnen, ganz egal, welche Medien wir konsumieren oder wem wir zuhören. Überall ist von Lügen, Betrug, Korruption und vergifteten, rassistischen, sexualisierten und antisemitischen Tiraden die Rede. Auf den Straßen skandieren Personen, erklären sich zum Volk, ob Montagsdemonstrationen oder auch Gelegenheitsdemonstrationen, sie verbreiten ihre Ansichten, dass wir vergiftet, ins KZ gesteckt, ausgeplündert, hintergangen, abgezockt und um unsere Freiheit gebracht werden.

Lesen, sehen oder hören wir zu, ganz egal, wir erfahren, dass Deutschland eine einzige Orgie der staatlichen Gewalt und des Betruges, des Raubes und der Lüge sei. Stimmt das aber für Deutschland, dem tolerantesten, liberalsten, weltoffensten Land der Welt, wo jede Person von morgens bis abends alles denken und sagen kann, was sie will, soweit sie damit nicht gegen den Grundkonsens unserer Gesellschaft verstößt, Verleumdungen und Beleidigungen vermeidet und keine Gewalt anwendet?

Die Antwort der darauf angesprochenen Person lautet: „Das stimme zwar schon, aber …“ Dann folgt eine Pause. Aber was? Was hat diese trotz aller Freiheiten verbreitete Unzufriedenheit vieler Menschen ausgelöst und was bewirkt sie? Die Meisten von uns meinen: Lass sie doch reden! Es gibt aber auch viele, die begreifen, dass das permanente Schüren von Misstrauen gegenüber anderen Menschen, den Politikern und Institutionen eine Erosion des demokratischen Zusammenhalts unserer Gesellschaft herbeiführen könnte.

Denjenigen, denen Streit, Hass und Missgunst Lebenselixier ist, mag dies gerade recht sein, aber für die Mehrheit unserer Gesellschaft, die im kritischen Respekt voreinander gemeinsam die Zukunft gestalten, ist dies ein lebensvernichtendes Szenario. Stimmt. Wir Menschen sind seit unserer Entstehung mit allen Eigenschaften, den schlechten und den guten, ausgestattet, aber in der Lage, diese im gemeinsamen Interesse in Schach zu halten.

Problematisch ist aber die Vervielfältigung, die abfällige Ansichten und Meinungen durch Medien erfahren, die, um ihre eigene Wirksamkeit zu erhöhen, das Problematische verbreiten, Skepsis sähen und Lösungen als unnahbar erscheinen lassen. Diese Vermengung von persönlichem Anerkennungsstreben mit der Zurverfügungstellung von Verbreitungsplattformen kann sich für unsere Gesellschaft weltweit, aber auch in Deutschland als zersetzend erweisen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Bananenrepublik

Es wäre ein grotesker Fehler, Trump mit Putin, Erdogan oder irgendeinem Fürsten einer Bananenrepublik zu vergleichen. Die Genannten sind bis auf Trump Machtpolitiker, die ausschließlich ihre Vorteile im Visier haben. Das ist ein bekanntes Phänomen und begleitet uns durch die ganze Menschheitsgeschichte. Trump kommt es nicht auf die Macht, sondern auf die Wirkung an. Sein Ego lässt es nur zu, dass er bewundert und anerkannt wird und niemand den Finger hebt und sagt: You are fired.

Anders bei den Traditionalisten unter den Populisten. Sie nutzen gesellschaftliche Trends, um ihre Machtansprüche zu befriedigen und zu ihrer politischen Bedeutung und ihrem wirtschaftlichen Wohlstand beizutragen. Indem man den Gegner definiert, ihn als Feind oder Hassfigur stilisiert, funktioniert diese Vorgehensweise bisher recht gut. Doch Trump zeigt, dass dies veraltet und nicht mehr zeitgemäß ist. Er und seinesgleichen erwarten mehr: emotionales Engagement statt politisches Kalkül, Entertainment statt nationalistisch ernst gemeinte Parolen.

Die Traditionalisten unter den Populisten sind immer noch versucht, die Welt glauben zu machen, sie gehörten der gleichen politischen Kaste an. Ihre Lügen sind nicht subversiv, sondern konstruktiv, um politischen Konsens dort vorzuspielen, wo er schon längst nicht mehr vorhanden ist. Die politischen Überlebenschancen solcher Populisten sind außerordentlich gering. Zwar leugnen sie das Faktische auch, aber sie leugnen ferner, überhaupt irgendetwas gesellschaftsfeindliches im Schilde zu führen. Sie gebärden sich als harmlos.

Trump tut das nicht. Er bestätigt jede Gemeinheit gegenüber Andersdenkenden, Frauen, Ausländern, allen Menschen, die nicht bereit sind, mit ihm zu kooperieren. Eigentlich müssten sich Putin und Erdogan gegen einen solchen opportunistischen Usurpator verschwören, wenn sie nicht klanglos untergehen wollen. Wahrscheinlich haben sie Angst vor der ungreifbaren Komik.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Der große Bluff

Es gibt eine Form des Bluffs, die beruht auf Lügen und Intrigen. Es gilt, einen   anderen Menschen so hereinzulegen, dass dieser erst nach vollendeter Tat weiß, wie ihm geschehen ist. Dabei geht es nicht nur um Schadenfreude des Veranlassers, sondern auch um den damit gesicherten Erfolg. Es gibt eine andere Form des Bluffs, die andere nicht beschädigt, aber auch zum Ergebnis führen kann. Diese Form des Bluffs beruht auf einem rein taktischen Verhalten, schafft ein Klima des Vertrauens und gibt dem potenziellen Kontrahenten Gelegenheit, seinen Standpunkt in völliger Ruhe umfassend auszubreiten. Der Bluff besteht darin, dass er sich von der ersten Begegnung an bis zum letzten Wort sicher wähnt, dass seine Art der Betrachtung wenn auch nicht die richtige, so doch die erfolgreiche sein wird. Es ist aber hier nicht der Triumph des letzten Wortes, das zählt, sondern die Aufnahme des Gesprächs zu einem Zeitpunkt, zu dem jedenfalls aus Sicht des Kontrahenten überhaupt nichts mehr fragwürdig erscheinen sollte. Dem Kontrahenten recht zu geben und gleichzeitig die Ergebnisse seiner Darstellung infrage zu stellen, entfesselt Kontroversen, die sich im Kontrahenten selbst abspielen und ihn in seiner Sicht der Dinge verunsichern. Der Angriff ist gelähmt, die bösen Argumente meist verschossen und was bleibt, ist oft der Wunsch nach Versöhnung. Das ist ein gutes Ergebnis für alle Beteiligten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski