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Kleine Leute

Kleine Leute. Das ist keine Frage des Maßes, sondern der medialen Zuweisung in unserer Gesellschaft. Kleine Leute denken und empfinden wir so in ihrer Durchschnittlichkeit, ihrer Begrenztheit und Abhängigkeit. Kleine Leute bestimmen nach dieser Lesart den Durchschnitt unserer Gesellschaft durch ihre Präsenz als arbeitende Menschen und Konsumenten. Kleine Leute betrachten wir zudem als nicht gefährlich, sondern eher umgänglich.

Kleine Leute kümmern sich angeblich nur um sich selbst und bleiben lebenslang am Tropf des Staates. Sie stellen Ansprüche und werden versorgt. Sie bestimmen Wahlen und politische Agenden. Sie sind anonym und unbekannt. Die kleinen Leute sind die Könige von Deutschland, werden aber lächerlich gemacht und denunziert; sie seien beispielsweise bildungsfern, abgehängt und fremdenfeindlich.

Dass sie viele sind, beruhigt die einen und macht den anderen Angst. Wir müssen aber aufpassen, dass wir sie nicht zu dem machen, was sie überhaupt nicht sind, und zwar kleine Leute. Diesen, in der Mehrzahl uns unbekannten Menschen, fällt es leicht, sich in Ehrenämtern zu engagieren, anderen zu helfen, sie zu trösten, zu pflegen und zu beschützen. In ihren Wohnungen und Schrebergärten bewahren sie eine Kultur des Miteinander, Mitleidens und Verstehen.

Die kleinen Leute sind das Rückgrat jeder genossenschaftlichen Regelung, der Schaffung einer verlässlichen Gemeinschaft. Ohne die kleinen Leute funktioniert in unserer Gesellschaft überhaupt nichts. Deshalb ein Hoch auf diese tapferen Menschen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski