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Der Sinn der Leere oder Langeweile

Vor langer Zeit, als Kind, da lag ich im Garten, stundenlang unter einem Apfelbaum oder stand am Bahngleis und schaute den Zügen nach, die vorüberfuhren. Es war mir langweilig. Langweilig waren auch die Sonntagnachmittage. Offensichtliches geschah nicht und doch geschah enorm viel in mir. Es entwickelten sich Gedanken, Bilder tauchten auf und verschwanden. Ich konnte mir schon das Ende der langweiligen Zeit ausmalen, wenn ich mich mit Freunden treffen oder etwas Leckeres zu Abend essen würde. Die Langeweile war eine großartige Vorbereitungszeit für Ereignisse. Ich könnte nicht behaupten, dass ich mir Langeweile gewünscht hätte, ich glaube, kein Kind wünscht sich dergleichen. Tritt sie dennoch ein, kann ein Kind damit umgehen.

Und wie sieht es mit der Langeweile in der Erwachsenenwelt aus? Ich behaupte, wir nehmen Sie überhaupt nicht mehr selbstkritisch wahr, sondern verkleiden Langeweile in der Gesellschaft durch unauffällige Erscheinungsformen wie Socialising und Fingerfood. Das Bekenntnis zu einer anderen Form der Langeweile, der persönlichen, ist gesellschaftlich problematisch. Wir dürfen sie allenfalls mit Meditation umschreiben, das angebliche Besinnen auf das Wesentliche. Soweit dies ärztlich angeordnet ist oder sogar betrieblich geboten, haben wir auch keine Probleme bei der Akzeptanz. Aber wehe, wir kämen auf den Gedanken, ohne gesellschaftlichen Anlass uns zur Langeweile als persönliche Errungenschaft zu bekennen. Dieser Virus müsste schnellstmöglich bekämpft werden, denn was so ansteckend wirken könnte, muss einfach krank sein.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski