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Mehrwert

Profit und Gewinne zu machen, scheint eine wichtige Maxime unseres Lebens zu sein. Was den Mehrwert nicht erfüllt, scheint nicht geeignet zu sein, unser Engagement wesentlich zu fördern. Menschheitsgeschichte sei Fortschrittsgeschichte und ohne die Schaffung eines Mehrwerts, der durch Profit gemessen wird, glauben wir, die Menschheitsgeschichte nicht fortschreiben zu können. Könnten wir aber das bisherige Denken verlassen, die Grundlagen unserer Betrachtungen neu bewerten und zu einer Änderung unserer Verhaltensweisen gelangen? Zunächst stellt sich dazu die Frage, warum sollten wir dies tun, wenn unsere bisherige Verhaltensweise uns ausreichend erfolgreich erscheint? Vielleicht deshalb, weil wir auch wahrnehmen, dass das Schaffen von Profit zum Selbstzweck ressourcenverschwendend ist und den Klima- und Naturschutz schwer belastet.

Eine eingehende Betrachtung der Grundlage unseres Lebens könnte uns also zum Nachdenken und zum Verändern unserer Verhaltensweise bringen. Wir wollen in der Regel kein nutzloses Leben führen, sondern suchen Erfüllung unserer persönlichen und beruflichen Ziele. Wir streben so die Absicherung unseres Lebens an. Dabei erforschen wir verschiedene Phasen unseres Menschseins von der Kindheit, über die Jugend bis zum Alter, bestimmt vom Wunsch nach Lebenssicherung unter Einsatz unserer individuellen Fähigkeiten. Im Vordergrund steht dabei ein sinnerfülltes und nutzbringendes Leben, das auch anders als durch Gewinn und Profit bestimmt werden kann.

Einen wirtschaftlichen Gewinn aus unseren Vorhaben zu ziehen, ist soweit nicht schädlich, als unser Gewinn dem Vorhaben selbst zugutekommt und nicht der Entwicklung von Macht und Gier dient. Da Letzteres selbst dann, wenn es nicht zu kriegerischen Auseinandersetzungen führt, oft Triebfeder des Handelns ist, stellt sich die Frage, ob sich nicht auch Alternativen so begründen lassen, dass der Mensch sich mit seiner Existenzsicherung begnügt und seine weiteren Kräfte dafür einsetzt, dass der Erfolg seines Handelns nicht nur ihm selbst, sondern vor allem der Sache und anderen Menschen zugutekommt.

Dafür müsste allerdings das bisherige System in den Bereichen Erbrecht, Vermögensmehrung und Machterhalt um jeden Preis auf den Prüfstand gestellt werden. Neue Organisationsformen wären zu erproben, die zwar Existenzsicherung erlauben, aber gleichwohl keine Verfestigung von Eigentums- und Vermögensstrukturen vorgeben und den Menschen von der Hybris entlasten, lebenslang ein hohes steuerbegünstigtes Eigenvermögen zu mehren. Mit Stiftungen, stiftungsähnlichen Gebilden, wie Verantwortungseigentum und Generationenbanken bzw. -sparkassen sind bereits Entwicklungen aufgezeigt worden, die hier erfolgversprechend sein könnten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Generationenvertrag

Vor allem Politiker beharren in ihren öffentlichen Verlautbarungen darauf, dass wir uns gegenüber künftigen Generationen durch unser Verhalten in der Gegenwart schuldig gemacht haben. Dabei geht es um Rente, Klima und Umwelt. Weil wir prassen und zerstören, türmen sich Schulden auf, die nicht wir, sondern künftige Generationen zu zahlen hätten. Ist das nicht etwas einfach gedacht? Es war in der kurzen Menschheitsgeschichte schon immer so, dass jede Generation ihre Bedürfnisse befriedigte und dabei auf Kosten der Natur und der Umwelt handelte. Da es weniger Menschen gab und die technischen Voraussetzungen noch nicht vorlagen, war wohl der Schaden quantitativ geringer, aber qualitativ auch verheerend, z. B. durch Abholzung der Wälder im Mittelmeerraum für den Schiffsbau.

Heute sind die Eingriffe, die jede Generation zur Ergänzung ihres Lebens in vorhandene Ressourcen vornimmt und dabei zusätzlichen Schaden anrichtet, beträchtlich. Wir sind mehr Menschen auf dieser Welt, werden älter als die Generationen vor uns und haben gesteigerte Ansprüche. Dabei beruft sich jede Generation auf das Versprechen seiner Eltern: „Dir soll es einmal besser gehen als uns!“

Dieses Versprechen ist das Startgeld in unser Leben und veranlasst jede Generation nicht nur für eine bescheidene Bedürfnisbefriedigung im Eigeninteresse, sondern auch für Mehrwert für die Nachkommenschaft zu sorgen. Existenzängste begleiten den Menschen sein ganzes Leben und verhindern, gegenüber Kindern und Kindeskindern ein Zutrauen zu entwickeln, dass diese mit dem ihnen anvertrauten Leben zurechtkommen werden. Würde eine entsprechende Betrachtung einzelner Bestimmungen des Generationenvertrages dazu führen, dass wir noch sorgloser mit der Umwelt und dem für die Rente angesparten Geld umgingen?

Das halte ich für unwahrscheinlich. Wir würden unser wirtschaftliches Vererbungssystem überprüfen, stattdessen zu unseren Lebzeiten in Infrastrukturen investieren, die es unseren Kindern und Kindeskindern ermöglichen würden, ihre gemeinsam mit uns entwickelte Verantwortung früher, als dies heute geschieht, zu übernehmen. Durch Partizipation könnte sowohl die Eigensicherung des Lebens jeder Generation, aber auch Einfluss auf die künftige Entwicklung durch Investitionen statt Versorgungszusagen, die kaum einzuhalten sind, gewährleistet sein.

Wir erreichen dies, wenn wir uns von patriarchischen Strukturen verabschieden und die Bildung unserer Kinder von Anfang an daran orientieren, dass sie mit uns gemeinsam eine Aufgabe haben. Je eher wir die gesellschaftliche Teilhabe unserer Kinder zulassen, desto besser für sie und uns.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Mehrwert

Nicht nur zu Wahlkampfzeiten klingen Parolen wie: „Arbeit muss sich wieder lohnen!“ durch unsere Landen. Lohn ist in Geld geronnene Arbeit, das wusste nicht nur Karl Marx zu berichten. Das ist die tägliche Erfahrung aller, die für ihre Dienste entlohnt werden. Dabei geht es nicht nur um Arbeiter, sogenannte Werktätige, wie im Maschinenzeitalter, sondern um alle Menschen, die Leistungen für Andere erbringen.

Leistungen für Andere zu erbringen bedeutet aber auch, dass in der Regel mehr geschaffen als durch Entgelt kompensiert wird. Dieser Mehrwert täglicher Arbeit schafft Befriedigung und Reichtum bei denjenigen, die lohnfähige Beschäftigungen anbieten. Sie werden reich, manche derart über alle Maßen, dass ein Zusammenhang zwischen Ihrem eigenen Zutun und dem abgeschöpften Gewinn nicht mehr erkennbar ist.

Der Mehrwert aber, der Reichtum verschafft, steht dann merkwürdigerweise auf der Arbeitsebene nicht mehr zur Disposition. Er wird vielleicht verspielt, verzockt, durch Fehlinvestitionen verausgabt, aber ein Leistungsequivalent soll daraus nicht wieder entstehen. So ist es für mich erklärbar, dass gerade reiche Menschen enorme Schwierigkeiten damit haben, etwas von ihrem Reichtum abzugeben, wenn er ihnen nicht 1 : 1 wieder selbst wohltätig zur Verfügung steht.

Sie jammern über Einsamkeit, fehlende Zuwendung oder Pflege, aber dass sie selbst vielleicht die Ursache ihres eigenen Unvergnügens sind, das dämmert ihnen noch nicht einmal ansatzweise. Der Nimbus des Reichtums verschafft ihnen Gehör, verführt andere wenig begüterte Menschen, ihnen ihre Zeit zur Verfügung zu stellen, zuzuhören und Dienstleistungen zu verrichten. Dies alles in der vergeblichen Erwartung, für ihre Aufmerksamkeit, ihre Zuwendung oder Dienste entlohnt zu werden. Das ist aber nicht so. Dem System entspricht, dass ihnen zwar zuweilen Lob und Geschenke, Vertröstungen auf testamentarische Zuwendungen, Vermächtnisse etc. zuteilwerden, aber niemals tätige Zuwendungen und uneigennützige Hilfe seitens der Vermögenden.

Der Mehrwert zu deren Gunsten bleibt erhalten. Der Mehrwert bleibt selbst dann erhalten, wenn er die Grundlage eines Stiftungsgeschäfts schafft. Es ist dann der steuerliche Mehrwert bis hin zum gesellschaftlichen. Immer steht der Zeiger auf Kompensation, ggf. argumentativ auf „zurückgeben“, aber nie auf geben aus dem geschaffenen Mehrwert als private oder gesellschaftliche Vorleistung.

Dabei könnte die Geschichte vom „Hans im Glück“ auch die Reichen so zufrieden stellen, wenn sie begriffen, dass eine gebende Hand nicht nur Bewunderung hervorruft, sondern auch eine anspruchslose Bereitschaft anderer Menschen, dem Gebenden auch zu geben. So kann der geschaffene Mehrwert allen nutzen und nicht nur dem Vermögenden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski