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Cyborg

Mensch und Maschine verschmelzen ineinander. Ist dies Science-Fiction oder eine auf uns zustürzende Realität? Da gehen die öffentlichen Betrachtungen weit auseinander. Zumindest noch. Augenblicklich arbeiten wir uns an den digitalen Möglichkeiten und der Einschätzung künstlicher Existenz ab. Handelt es sich hierbei um eine verlängerte Werkbank oder ein selbstlernendes System?

Stets werden die Mutmaßungen und Einsichten von der Beschwichtigung begleitet, dass eine Maschine auch nur so arbeiten könne, wie es der Mensch erlaube. Also scheint gewährleistet zu sein, dass der Mensch die Maschine abstellen kann, wenn diese versucht, etwas zu bewerkstelligen, was ihr nicht beigebracht wurde. Stimmt das auch wirklich? Können wir aufatmen? Ich glaube nicht.

Wissenschaftler arbeiten heute schon im organischen Bereich an Substanzen, die nicht nur Leben simulieren, sondern Leben hervorbringen. Sie züchten Zellen, lassen dabei deren Kulturen sich aus an- und organischen Zutaten entwickeln. Dies geschieht in einem Umfange, der zur Eigenständigkeit dieser Zellcluster führt, soweit ihnen Nahrung zugeführt wird. Das dies nicht mehr des lebenden Menschen, sondern nur noch organischer Zutaten bedarf, um menschenähnliche Zellkulturen zu entwickeln, ist hinlänglich bekannt.

Gelingt es zur Zellenzucht auch die passende DNA zu liefern, dann ist es auch möglich, mit dem 3-D-Drucker die gewünschten Organe herzustellen. Was bei Mäuseherzen schon gelungen ist, wartet auf eine Bestätigung durch die Herstellung menschlicher Organe. Der Zweck heiligt die Mittel.

Die Absichten sind natürlich wohlmeinend: Verlängerung des Lebens, Ersatz schadhafter Organe, Beseitigung tumorzerfressener Gewebe usw. Ich gebe allerdings zu bedenken: Wenn uns dann alles schließlich gelingt, was möglich ist, was sollte uns dann davon abhalten, menschlichen Odem auch Wesen einzuhauchen, die wir selbst aus den sich bietenden Möglichkeiten geschaffen haben. Homunculus. Der Cyborg ist kein Menschheitstraum oder – Trauma. Wir wussten doch schon immer, dass es irgendwann soweit kommen wird.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Phänomenologie

Beherrscht der Computer unsere Sprache? Eher nicht. Er kann sie nachahmen, uns helfen bei der Arbeit oder zu Hause, Dinge zu finden, Entscheidungen zu treffen, das Internet der Dinge in Betrieb zu setzen. Digitale Stimmen haben Frauennamen und vermitteln ein individuelles Bemühen, Sorge und Häuslichkeit.

So korrespondiert der Computer mit unserem Gemüt, spricht allerdings nicht unsere Sprache, die nicht nur aus elektrischen Impulsen besteht. Unsere Sprache hat einen kognitiven und einen emotionalen Hintergrund, wird geprägt von Erinnerungen, sozialem Leben und körperlichem Vermögen. Die Computersprache erlernen wir, um dann festzustellen, dass sie nicht abänderbar ist. Die Computersprache besteht nur aus Zeichen in unendlicher Vielfalt, zwar fähig, unsere Sprache zu imitieren, aber nicht zu ersetzen.

Die Computersprache ist der synthetischen Phänomenologie zuzuordnen und entspricht nicht dem Stoffwechsel Mensch und Maschine, sondern ausschließlich den Errungenschaften eins Paralleluniversums. Es wäre geboten, ein Moratorium der synthetischen Phänomenologie zu schaffen und sich daran zu machen, die digitale DNA zu entschlüsseln.

Nur so können wir technologische Gewissheiten eingrenzen, kognitive und emotionale Spekulationen überwinden und Furcht und Staunen sowie reine Experimentierfreude hinter uns lassen. Wenn die Untersuchung gelingt, erkennen wir auch im Fremden digitale uns selbst verwandte Strukturen, die selbstbehauptend und sich selbstentwickelnd wirken, aber nicht konkurrenzlos sind. Die menschliche Identität ist eine Herausforderung für jede Maschine und vor allem für das von ihr geschriebene Programm, dessen sie sich hoffentlich nie gewachsen sieht und an ihrer eigenen Unfähigkeit scheitert.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Mensch und Maschine

Wenn von künstlicher Intelligenz die Rede ist, folge heute meist der Hinweis auf das Konkurrenzverhältnis zwischen Mensch und Maschine. Dabei ist der Begriff Maschine nicht nur ungenau, sondern passt überhaupt nicht. Selbst, wenn der Bereich, in dem sich künstliche Intelligenz entwickelt, äußerlich noch Hardware-Charakter aufweist, vollzieht sich der Deep-Learning-Prozess zur Schaffung künstlicher Intelligenz nicht mehr in einer Maschine in herkömmlichem Sinn. Die Mechanik ist belanglos und allenfalls Mittel zum Zweck, um das in der Software vorhandene Erkenntnis- und Handelsmuster umzusetzen.

Im Gegensatz aber zum Menschen, der auf seine Gliedmaßen angewiesen ist, kann sich der durch die künstliche Intelligenz manifestierte Handlungswille weit vielfältiger als nur durch eine Maschine ausdrücken. Nicht nur der klobig oder heute sogar schon feinmotorisch bewegte Roboter sind Handlungsoptionen, sondern auch jede andere Materie, die mit dieser intelligenten Software in Berührung kommt. Während wir Menschen darauf angewiesen sind, unsere Gedanken und Gefühle durch sprachlichen und/oder gestischen Austausch weiterzugeben, kann die künstliche Intelligenz direkt über ihre Modelle kommunizieren. Durch die erweiterten Handlungsoptionen der künstlichen Intelligenz kann der Mensch seine Überlegenheit nur durch seinen Geist behaupten. In der Umsetzung von Gedanken ist der Mensch unterlegen.

Diese Unterlegenheit spiegelt sich auch in der zunehmenden Konditionierung des Menschen durch die künstliche Intelligenz wieder. Die künstliche Intelligenz erkennt Sprachfehler und gibt dem Menschen die Grammatik vor. Die künstliche Intelligenz erkennt oft schon beim ersten Buchstaben, mit welcher Intention der Mensch sein sprachliches Vorhaben weiterverfolgt. Sie widerspricht Regelverletzungen und empfiehlt Handlungsmuster. Sie warnt bei Grenzüberschreitungen, bremst Autos ab, verhindert so Auffahrunfälle und übernimmt selbständig einen Großteil unserer Daseinsvorsorge.

Wir gewöhnen uns daran, was die unorganisch entwickelte Intelligenz mit uns macht, uns zwingt, ihren Regeln zu folgen, ob diese für uns logisch erscheinen oder nicht. Diese Intelligenz folgt ihrer eigenen Logik, zumindest in steter Evolution.

Wir können uns diese von uns bewunderten KI-Entwicklungen aber auch zu Nutze machen, den Bereich unserer Möglichkeiten erweitern, indem wir selbst unser gegenständliches Dasein verlassen.

Avatare sind uns schon hinlänglich geläufig. Auf sie projizieren wir unser Ich, statten sie aus mit Eigenschaften, die wir auf sie übertragen und geben ihnen eine virtuelle Erscheinungsform, die uns ähnelt. Aufgrund der bestehenden Reproduktionsmöglichkeiten tauchen die so errechneten Doppelgänger wieder in der realen Welt auf, sprechen, singen und verhalten sich wie die noch organisch lebenden, können gemeinsam Shows bestehen oder Gespräche führen. All dies ist jetzt schon möglich und lässt hoffen, dass sehr bald ein hinlänglich gut ausgebildeter Avatar die Atmosphäre verlässt und das Universum erkundet.

Noch geht unsere Vorstellung nicht weiter, als dass dieser von uns geschaffene Avatar, noch mehr vermag, als wir denken können, mit Lichtgeschwindigkeit Raum und Zeit durcheilt, um unsere körperlich gebundenen Erfahrungen an die Unendlichkeit des Universums zu übermitteln. Aber, das Licht ist begrenzt, benötigt selbst eine lange Zeit und vermag auch die Unendlichkeit nicht zu erschließen. Gemeint ist dabei die Unendlichkeit des Makrokosmos und des Mikrokosmos. Alles, was sich in unendlichen Weiten abspielt, findet sich jenseits der Körperlichkeit im subenergetischen Bereich. Der Gedanke oder die Empfindung. Beide sind an Raum und Zeit nicht gebunden, sind – soweit der Anstoß erfolgt ist – wirkungsmächtig und frei. Die Reise zur Fokussierung von Gedanken und Empfindungen erfolgt durch Inter-Journey und Outer-Journey, das heißt Reisen in das Innere meines Ichs und Reisen in die Zeit bis zum Urknall. In dem Augenblick, in dem ich dies denke oder empfinde, bin ich bereits auf einem anderen Planeten und erschließe mir die Zukunft. Auch in unteilbaren Teilen ist eine Idee des Ganzen unstofflich und damit eine Projektion meines Ichs. Alles ist somit Projektionsfläche des Ichs. Es kommt überall da vor, wohin oder woher ich denken und fühlen kann. Im Augenblick des Denkens bin ich dort, wo ich sein will, und zwar auch in der Weite des Universums. Da das projektierte Ich jederzeit bereits da ist, weiß ich Bescheid, sobald ich die Botschaft entschlüssele. Ich selbst bin dann zwar auch eine Projektion des Ichs, aber authentisch in dem Moment, in dem ich mich selbst für mich halte und erkenne.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski