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Wahlrecht

Wessen Zukunft wird gerade verhandelt? Es ist – wie immer – die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder. Welches Gestaltungsrecht räumen wir dieser kommenden Generation ein? Keine bemerkenswerte, sieht man einmal von einer gewissen medialen Aufmerksamkeit bei Fridays for future und anderen Plattformen ab. Es sind aber die Kinder und Jugendlichen, die für uns den Kopf hinhalten, wenn es um Demokratie, Klima und auch künftigen Wohlstand geht.

Mit „altem“ Geld und „alten“ Rezepten sind die an unsere Kinder gestellten Herausforderungen nicht zu meistern. Wir haben Kinder in die Welt gesetzt und gegen unsere Enkelkinder nicht protestiert. Das war unverantwortlich, wenn wir glauben sollten, sie hätten kein Mitentscheidungsrecht daran, wie sie künftig leben. Wir wissen alle um die enormen Herausforderungen, die auf die nächsten Generationen zukommen, ob dies unsere Alterssicherung anbetrifft, den Klimaschutz, den Umbau der Wirtschaft, die Mobilität, den Bevölkerungszuwachs und die Migration, um nur einige Felder zu nennen.

Dank Internet sind die Jugendlichen heute schon früh über das Weltgeschehen informiert, zu sagen haben sie allerdings in der Realität nichts, was dazu führt, dass sie ihre Auseinandersetzungen mit unserer Welt im Internet austragen. Dabei bekommen viele Jugendliche ein falsches Bild von unserem demokratisch, gesellschaftlichen Partizipationsmodell.

Ich halte Jugendliche daher ab dem Alter von 15 bis 16 Jahren für geeignet und interessiert genug, an Wahlen teilzunehmen und damit eine verantwortliche Stimme zu erheben. Aber auch ein Kinderwahlrecht schließe ich nicht aus, meine allerdings, dass dieses im Interesse ihrer Kinder von Eltern wahrgenommen werden sollte. Es ist mir durchaus bewusst, dass dabei auch einiges mangels Qualifikation der Eltern schiefgehen kann. Allerdings erfährt gerade ein solches Wahlrecht eine verlässliche Bestätigung dadurch, dass die meisten Eltern im Interesse und zum Wohle ihrer Kinder wählen und deren Anliegen sorgfältig dadurch bestätigen würden.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Archaische Muster

Wir bilden uns ein, dass alles beherrschbar sei, menschlicher Geist und seine Emotionen alles vermögen. Deshalb glauben wir auch an den kontrollierbaren Wahnsinn. Wir meinen, dass wir Kriege führen können, die beherrschbar sind. Der Einzelne soll in der Lage sein, sich zu kontrollieren, d. h. das in ihm Freigesetzte soll im Rahmen der Gesetze, z. B. von Landkriegsordnungen und dergleichen kontrolliert werden. Dies ist ein Irrglaube, denn der Einzelne ist aufgrund seines archaischen Grundmusters im Falle seiner Entfesselung nicht mehr in der Lage, sich an Gesetze und Verordnungen zu halten, seine Integrität insgesamt hört auf zu existieren. Damit tragen diejenigen, die Kriege entfesseln, die umfassende Ver- antwortung für alles, was passiert, selbst für den Tatbeitrag eines unbekannten Soldaten.

Es ist zwar nachvollziehbar, dass wir den einzelnen Soldaten wegen Kompetenzüberschreitung, Grausamkeit und dergleichen anklagen und auch verurteilen wollen. Wir versuchen damit das Prinzip zu entlasten, am Krieg solle es nicht liegen, dass der einzelne Mensch zur Bestie wird. Dies ist aber grundfalsch. Der Krieg bemächtigt sich jedes einzelnen Menschen und verwirklicht so den Plan, und zwar die Zerstörung meines Feindes und dann meiner selbst. Ob Kriege gerecht sind oder nicht, ob man sie rechtfertigen kann oder nicht, spielt dabei überhaupt keine Rolle, sondern ausschließlich die Konsequenz. Es gibt keine beherrschbaren und kontrollierbaren Kriege, sie können auch niemals gegen unser archaisches Prinzip gerichtet sein, sondern entsprechen ausschließlich unserem kognitiven Erkenntnis- und Verhaltensstand. Wenn wir Kriege führen oder überhaupt Auseinandersetzungen mit anderen suchen, sollten wir uns dieses archaischen Musters gegenwärtig sein. Es hat kein kongruentes Verständnis für das Richtige oder Falsche, denn in unserer erlebten Werteordnung ist möglicherweise vieles angreifbar, wurde niemals überprüft oder korrigiert. Auch wenn wir uns unsere wertsublimierten Bedürfnisse zugrunde legen, z. B. die Verteidigung der Demokratie und dergleichen mehr, müssen wir uns und unseren Gegner mitberücksichtigen, und zwar deren Wertvorstellungen sowie deren archaische Grundmuster ihrer Angst als Volk, als Geschlecht unterzugehen, ihre Grenzen nicht ausreichend verteidigen zu können, den Schutz ihrer Familien und Angst vor Migration.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski