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Worte

Wir stehen unter erheblichem Lieferdruck. Zwei Mal in der Woche soll ein neuer Blogbeitrag erscheinen. So habe ich es mit Frau Klame verabredet. Gedanken und Gefühle, die auf Vorkommnisse reagieren. Darüber will ich schreiben, den Prozess und die Wirkung erläutern. Ich greife zum Diktiergerät und lege los. Ich weiß, es wird sich ein Wort zum anderen fügen und schließlich etwas entstehen, das ich selbst mit Verwunderung lesen werden. Das soll ich geschrieben haben?

Schon möglich, denn als aufmerksamer Mensch bleibt mir nicht alles verborgen, vieles wird mir erzählt und manches lese ich nach. Die eigenen Überlegungen mit einzuarbeiten, gelingt mir desto besser, je mehr ich mich gedanklich schon von dem Anstifter meiner Wahrnehmungen entfernt und befreit habe. Ich leugne nicht, dass es mir Spaß macht, nach einem Blatt Papier zu greifen, mich dann zu konzentrieren und Ideen zu Themen zu entwickeln, über die ich schreiben könnte. Wenn ich sie nicht aufschreibe, vergesse ich sie wieder, vertraue aber darauf, dass die Gedanken mich schon nachhaltig genug plagen würden, um irgendwann dann doch wieder zu erscheinen.

Jeder Blogbeitrag ist eine Minigeburt und diese Minischöpfung entsteht erst dadurch, dass meine Mitarbeiterin Frau Gerlach diese zu Papier bringt, geduldig die Korrekturprozesse begleitet, meine Handschrift zu entziffern vermag und schließlich auch noch meine Frau gegenliest, bevor Frau Klame übernimmt und in den Blog einpflegt. Auf einen Resonanzraum habe ich bewusst verzichtet.

Ist der Blog im Internet angekommen, ist er bei mir weg. Ich weiß über den Provider, dass sehr viele die Beiträge anklicken und oft erstaunlich lange verweilen. Aber, es sind nur Worte. Sie bewegen nichts, weil es offenbar nicht gelingt, die Medien so zu nutzen, dass sie als Transmitter für Respekt, Menschenrechte und Zuneigung dienen. Manche Menschen können auch durch Twittern verstören, aber durch Worte allein wird nichts bewegt, wenn der Resonanzraum zu klein ist. Ich muss nachdenken, ob es sinnvoll ist, Worte zu verbreiten, die Tausende zwar regelmäßig Woche für Woche lesen, aber deren Sinn offenbar allein darin besteht, nichts zu bewirken.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski