Ist Ihnen das auch schon aufgefallen? Geht Ihnen das auch so? Seit geraumer Zeit bekomme ich jede Einladung mindestens 10 Mal per E-Mail und selbst dann, wenn ich bereits zugesagt habe, werde ich sicher weitere 10 Mal daran erinnert, dass ein Termin stattfindet.Es ist mühsam und zeitraubend, die Flut der Informationen zu verarbeiten. Irgendwann drängt sich mir die Frage auf, warum das alles erforderlich sei? Eine Nachricht ist doch eine Nachricht, eine Auskunft, eine Auskunft, ein Wort, ein Wort. Warum das alles mehrfach?
Nach längerem Grübeln dämmert mir die Erkenntnis, dass die Ursache all dessen ein mangelhaftes Verständnis für Organisation sein muss. Kann es sein, dass viele Menschen oft überhaupt nicht mehr wissen, wo sie etwas notiert, abgelegt oder gespeichert haben? Gibt es Mängel im Zugriff? Wenn dies so ist und Mängel in der Selbstorganisation vorliegen, ist zu befürchten, dass ein strukturelles Organisationsversagen uns künftig erhebliche Probleme bereiten kann.
Fehlende Organisation ist nicht nur zeitraubend, sondern vor allem belastend für andere, die auf die Organisationsfähigkeit ihrer Mitmenschen vertrauen. Der fehlerhaft organisierte Mensch belastet aber nicht nur seine Mitmenschen, sondern läuft Gefahr, sich selbst zu entkoppeln, unsicher zu werden gegenüber den Dingen, die er noch im Griff zu haben glaubt. In dem einen oder anderen Fall mag dies überspielbar sein, auf Dauer aber nicht. Die Mängel werden offensichtlich, lähmen privat und beruflich eine sinnstiftende Kommunikation. Bevor Gleichgültigkeit oder Schuldzuweisungen eine allgemeine Lethargie zum Maßstab intermenschlichen Handelns macht, sollten wir vielleicht dann und wann wieder auf althergebrachte Organisationsformen, ggf. mit Papier und Bleistift zurückgreifen. „Was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.“ (Goethe, Faust I)
Hans Eike von Oppeln-Bronikowski