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Gelassenheit

Wahrlich, wir leben in schlimmen Zeiten! Weil es so lustig ist, Macht zu haben und sie auch zu zeigen, tötet die ISIS wahllos Menschen, mitunter auch die eigenen. Das Ganze ist dann noch verbrämt mit einer theologischen Ideologie. Das kommt bei jüngeren Menschen offenbar ganz gut an, weil sich einige von ihnen ohnehin nicht leiden können oder sich gern von anderen führen lassen. Es fehlt an allen Ecken und Enden der eigene Vater und auf die Mutter will der Sohn auch nicht mehr hören. Macht ist geil und weil man ja auffallen will, sich erproben möchte und auf Anerkennung hofft, macht man halt mit, zumindest für einige Zeit. Aussteigen gibt es aber nicht. Das ist bei allen Sekten so, denn dann funktioniert der ganze Apparat nicht mehr.

Also: Im Nahen Osten wird getötet und an den Grenzen der Ukraine gezündelt. Möglicherweise gibt es wieder Krieg in Europa, denn auch hier gilt: Wer Macht hat, sucht für die Ausübung seiner Macht eine Begründung. Auch gibt es entweder den inneren oder den äußeren Feind. So erhält man sich eben seine Macht, ob man Putin oder Assad heißt. Sterben müssen Menschen allemal, sei es in Afghanistan, in Afrika oder auf Flüchtlingsschiffen. Also gelassen bleiben. Wir können es ohnehin nicht ändern, weder durch Pegida noch durch Gegendemonstrationen.

Es ist außerordentlich schwer, Menschen etwas begreifbar zu machen, und zwar dass man Menschen erst Kinder zur Welt bringen lässt, um dann die Kinder anschließend wieder umzubringen. Man könnte meinen, dem Menschen sei das Leben anvertraut, damit er etwas Nützliches, bleibend Schönes oder herausragend Fortschrittliches in dieser Welt verwirklicht. Aber, stattdessen wird er schon bei Zeiten totgeschlagen, dass man niemals erfahren wird, zu welchen erhabenen Großtaten dieser Mensch tatsächlich fähig gewesen wäre, was er uns hätte erzählen können aufgrund seiner Erfahrungen, seinen Einsichten, entwickelnden Gedanken und Taten. Tot ist der Mensch. Damit basta!

Es gibt ja noch andere, sogar viele, also kann es auch auf den einzelnen Menschen gar nicht so ankommen? Sieht der einzelne Mensch, der sich entwickelnde Säugling dies genauso? Saugt er an der Brust seiner Mutter voll Verachtung? Betrachtet er seine Umgebung mit Abscheu? Ist ihm die Berührung seines Vaters verhasst? Nein, nein, sterben will ich nicht, würde das Kind schreien. Es war doch anstrengend genug, auf die Welt zu kommen und nun will ich erfahren, um was es hier geht, mich ausbilden und mein Leben leben. Mir wohl und keinem übel, kurzum: Ich habe nichts dagegen, wenn die anderen Kinder auch leben, und zwar auch selbst dann nicht, wenn aus den Kindern einmal erwachsene Menschen werden sollten.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski

Kuschelflüchtlinge

Wir sollen sie lieben, die Flüchtlinge. So nett und adrett sind manche Kinder anzusehen, denen engagierte Mitbürger auch die letzten Kuscheltiere aus dem Schrank ihrer Kinder räumen. Die Bilder sind wonnig. Gegen das Engagement dieser Mitbürger ist überhaupt nichts einzuwenden. Sie empfinden Empathie und sehen eine Aufgabe, die sie entsprechend ihren Fähigkeiten und Möglichkeiten ausfüllen. Aber, mit dieser Hilfswilligkeit kann es nicht getan sein. Das Flüchtlingsthema ist kein solches, welches der Winter wieder beseitigt oder nur mit politischem Asyl zu tun hat.

Das Drehbuch zum Flüchtlingsthema wird von einer Zwangsläufigkeit geschrieben, die berücksichtigen sollte, dass es stets Migrationen gegeben hat und eine solche gerade stattfindet. Wir sollten darauf vorbereitet sein, denn sie ist normal und trägt dem Umstand Rechnung, dass hier das Verteilungspotential weit höher ist, als zum Beispiel im Nahen Osten oder Afrika, in Zentraleuropa ein Vakuum von Kindern entstanden ist und die Lebensbedingungen in manchen Teilen der Welt bekanntermaßen sehr schlecht sind.

Hinzukommt, dass auch in den entlegensten Gegenden via Internet Informationen abgerufen werden können, die das Risiko für Menschen, in völlig unbekanntes Terrain vorzudringen, mindert. Flüchtlinge, die nach Europa kommen, wissen oft schon sehr gut Bescheid, kennen sich aus und sind mit der Mechanik unserer Gesellschaft vertraut. Sie sind auch entgegen einem weit verbreiteten Argwohn hierzulande äußerst intelligent und anpassungsfähig und dadurch in der Lage, unsere persönlichen Defizite im Lehrlings-, Arbeitnehmer- und Wissenschaftsbereich auszugleichen.

Unsere Angst vor Überfremdung mag dabei darauf beruhen, dass wir uns dem nicht gewachsen glauben und uns trefflich in eigener Bequemlichkeit eingerichtet haben. Dies wohlwissend, dass auch dieses Versprechen nur auf Zeit und nicht für die Ewigkeit gilt. Wenn wir unsere Schockstarre überwunden haben und wieder handlungsfähig sind, sollten wir Modelle und Überlebensmodelle entwerfen, die dies berücksichtigen. Mit Grenzen und Zäunen werden wir nichts ausrichten, vielleicht aber mit kultureller und wirtschaftlicher Stärkung in den Krisenregionen Afrikas und Vorderasiens.

Unser Beitrag zu diesem Desaster, aus wirtschaftlicher Gier geboren, verbunden mit militärischem Großmannsgehabe ist unübersehbar. Wenn wir das Primat des nur Wirtschaftlichen aufzugeben bereit sind und gesellschaftliche Lösungen für Regionen jenseits staatlicher Egoismen anstreben, könnte darin eine Chance liegen, die auch Flüchtlinge dazu bewegen könnte, in ihrem Heimatland zu bleiben und am Aufbau einer Gesellschaft mitzuwirken, die Alternativen zu unserer bietet.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski