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Fußball

Aus, aus, das Spiel ist aus! Deutschland ist nicht Europameister des Jahres 2016. Ach herje, schlimm, aber eigentlich auch nur Nebensache. 90 Minuten lang spielen 22 Spieler mit einem Ball, den sie ohne Hände über das Spielfeld treiben und in der Regel nicht mehr als ein bis zwei Tore schießen. Langweilig? Nein, keineswegs.

Das ist kein Spiel. Das ist Kampf und der Rasen das Schlachtfeld. Es geht um Verteidigung und Angriff. Manchmal gibt es Sieger und Verlierer, oft Beides. Richtige Schlachten sind zu unübersichtlich, als dass man immer genau weiß, woran man ist. Bei Schlachten, die auf 90 Minuten getaktet sind, sowie noch eine Erfrischungspause zur Halbzeit aufweisen, ist das genau das Gegenteil. Jeder Stratege auf der Zuschauertribüne oder vor dem Fernseher kann mitreden und Vorschläge machen. Würden sie aber berücksichtigt, wäre das Chaos groß.

Es wird die Zeit kommen, dass sekundenschnell über Spielzüge per Twitter abgestimmt und die Kommandos der größeren Mehrheit an Zuschauern an die Spieler weitergegeben werden. Dann erfährt das Fußballspiel seine ultimative demokratische Legitimation.

Fußball spielen, ist keineswegs ungefährlich. Es gibt Blessuren, aber wenn nach 90 Minuten alles vorbei ist, können Wunden wieder heilen, die körperlichen und auch die seelischen. Das dauert seine Zeit. Wenn Deutschland im Halbfinale gegen Frankreich trotz des besseren Spiels verliert, ist das zwar keine Schande, aber unendlich schmerzlich. Erst etwa 1 ½ Stunden zuvor erklang noch die Nationalhymne, war die Überlegenheit des Weltmeisters greifbare Realität, dann diese Niederlage. Ein Tor und das Aus.

Berlin blieb ruhig und versank in Wehmut. Verzweifelte Ruhe breitete sich im ganzen Land aus. Wenn schon die weniger enthusiastischen Fußballgelegenheitszuschauer sich eintrüben lassen, wie geht es dann denjenigen, denen Fußball alles bedeutet? Ihre Trostlosigkeit kann nur mit dem Versprechen weiterer glanzvoller Spiele und damit kompensiert werden, dass auch ein gnädiger Fußballgott aus jeder Niederlage einen Sieg zu zaubern vermag. Versprochen.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski