Schlagwort-Archive: Naturgabe

Herrschaftszeiten

Ich sollte es mir ersparen, alles aufzuzählen, was der Welt in unserer Zeit zugemutet wird. Es sind jedenfalls viele involviert, uns den Garaus zu machen. Dabei geht es nicht nur um Politiker, Medienschaffende und Wissenschaftler, Urlauber und Handynutzer, keiner bleibt verschont, ich auch nicht.

Wir leben in Deutschland wie die Maden im Speck und finden das auch richtig. So soll es bleiben, Speckleben ist in Deutschland Menschenrecht. Keiner ist hier zur Umverteilung verpflichtet, keiner ist bereit, dort zu helfen, wo wirkliche Not ist, es sei denn, er hat etwas ganz Einfaches begriffen: Unser Speckleben in Deutschland ist purer Zufall.

So wenig es einen Anspruch auf Leben gibt, gibt es auch keinen Anspruch auf Speck. Neben umfangreichen theologischen Vorbehalten, ist unser Leben letztlich eine den Menschen überraschende Naturgabe, die uns auffordert, sie zu würdigen und gemeinsam mit anderen Menschen zu erhalten. Es geht dabei nicht um Geld, sondern es geht darum, das angenommene Leben zu gestalten. Es geht nicht um Fettlebe, sondern um Tun. Es geht nicht um Rechthaberei, sondern um Lernfähigkeit. Es geht auch nicht um Schönfärberei, sondern um Realitätssinn. Es geht also nicht um Dekor, sondern um Inhalt.

Sicher, die Neider, Gierhälse, Verächter und Anspruchsteller haben immer recht, denn sie sind ja so viele. Aber, hätten sie recht, wenn sie nicht schon im Speck leben würden? Könnte es sein, dass sie sich einfach weigern, ihre eigenen Potentiale zu entwickeln? Der tätige Mensch erwartet nicht, dass andere für ihn tätig werden, sondern ist Selbstgestalter. Da das Leben eine wunderbare Veranstaltung für jeden Menschen ist, kann gemeinsam das Werk gelingen, wenn – anstatt zu jammern – jeder anpackt.

Hans Eike von Oppeln-Bronikowski